Kampf zwischen der Frau und dem Drachen

Ansprache von Papst Benedikt vor dem Angelus in Castel Gandolfo zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

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CASTEL GANDOLFO, 16. August 2011 (ZENIT.org). – Seiner Freude über die bevorstehendeTeilnahme am Weltjugendtag in Madrid hatte Papst Benedikt bei seinen mehrsprachigen Grüßen an die zum Angelusgebet versammelten Gläubigen am Sonntag Ausdruck gegeben. Am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel am Montag widmete der Heilige Vater seine Ansprache dem liturgischen biblischen Text der Offenbarung des Johannes und verglich ihn mit den ersten Seiten des Buches Genesis, der das finstere und dramatische Ereignis der Sünde von Adam und Eva erzähle. Unsere Ureltern seien vom Bösen besiegt worden, Christus, der neue Adam, und Maria, die neue Eva, würden in der Fülle der Zeiten endgültig den Feind besiegen. „Maria war die Erste, die den Sohn Gottes, Jesus, der ein Kind geworden war, in den Armen hielt; heute ist sie die Erste, die neben ihm in der Herrlichkeit des Himmels weilt“, so der Papst. Maria sei keine Gestalt aus der Vergangenheit, sondern lebendige Gegenwart. Sie verkörpere das Ziel, dem wir alle entgegengingen.

Wir dokumentieren die vollständige italienische Ansprache in einer eigenen Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Mitten im Monat August feiern die Christen des Ostens und Westens vereint das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. In der katholischen Kirche wurde das Dogma der Aufnahme Mariens bekanntlich im Heiligen Jahr 1950 von meinem verehrten Vorgänger, dem Diener Gottes Papst Pius XII. verkündet. Dieses Gedächtnis hat seine Wurzeln jedoch im Glauben der ersten Jahrhunderte der Kirche.

Im Osten wird es noch heute „Entschlafung der Jungfrau” genannt. In einem alten Mosaik der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom, das von der östlichen Ikone der „Dormitio“ inspiriert ist, werden die Apostel dargestellt, die von den Engeln über das irdische Ende der Mutter Jesu in Kenntnis gesetzt wurden und sich um das Bett der Jungfrau versammelt haben.

Im Text des Lukasevangeliums für die heutige Liturgie haben wir gelesen, dass Maria „sich in jenen Tagen aufmachte und eilig in eine Bergregion ging, in eine Stadt Judäas“ (Lk 1,39). In jenen Tagen eilte Maria von Galiläa in eine kleine Stadt nahe bei Jerusalem, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen. Heute betrachten wir sie, wie sie den Berg Gottes ersteigt und in das himmlische Jerusalem eintritt, „bekleidet mit der Sonne, den Mond unter ihren Füßen und auf dem Haupt einen Kranz von zwölf Sternen“ (Offb 12,1).

Der biblische Text der Offenbarung, den wir in der Liturgie dieses Hochfestes lesen, spricht von einem Kampf zwischen der Frau und dem Drachen, zwischen dem Guten und dem Bösen. Der heilige Johannes scheint uns erneut die ersten Seiten des Buches Genesis vorzustellen, die das finstere und dramatische Ereignis der Sünde von Adam und Eva erzählen. Unsere Ureltern wurden vom Bösen besiegt; in der Fülle der Zeiten besiegen Christus, der neue Adam, und Maria, die neue Eva, endgültig den Feind, und das ist die Freude dieses Tages! Durch den Sieg Christi über das Böse sind auch der innere und der physische Tod besiegt. Maria war die Erste, die den Sohn Gottes, Jesus, der ein Kind geworden war, in den Armen hielt, heute ist sie die Erste, die neben ihm in der Herrlichkeit des Himmels weilt.

Das Fest, das wir heute feiern, ist ein großes Geheimnis, es ist vor allem ein Geheimnis der Hoffnung und der Freude für uns alle: in Maria schauen wir das Ziel, zu dem hin wir unterwegs sind, alle, die das eigene Leben mit dem Leben Christi zu verbinden verstehen, die ihm zu folgen vermögen, wie es Maria getan hat. Dieses Fest spricht folglich von unserer Zukunft; es sagt uns, dass auch wir an der Seite Christi in der Freude Gottes sein werden, und es lädt uns ein, Mut zu haben, zu glauben, dass die Macht der Auferstehung Christi auch in uns wirken und uns zu Männern und Frauen machen kann, die sich jeden Tag bemühen, als Auferstandene zu leben, indem sie in die Finsternis des Bösen, das in der Welt existiert, das Licht des Guten tragen.

Nach dem Angelus:

Der Heilige Vater ermutigte im Anschluss an den Angelus  in seinen französischsprachigen Grußworten alle Gläubigen, im Schauen auf Maria das eigene, unbedingte „Ja“ zu Gott zu erneuern und mit Maria in allen Lebenslagen den Lobpreis des Magnificat zu beten.

An die englischsprachigen Pilger gewandt äußert er den Wunsch, dass Maria allen Christen auf ihrem Pilgerweg des Glaubens beistehe und ihre Hoffnung auf die endgültige Erfüllung der Verheißungen Christi stärke.

An die deutschsprachigen Pilger wandte sich der Papst mit folgenden Worten:

Gern heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher beim Angelusgebet hier in Castel Gandolfo willkommen. Am heutigen Festtag gedenkt die Kirche der Aufnahme Mariens in den Himmel. Wir verehren Maria nicht als eine Persönlichkeit einer vergangenen Zeit, sondern als die Lebendige, die in der Gegenwart Gottes steht und uns nahe ist. An ihr wird der ewige Plan des Schöpfers sichtbar, den Menschen ganz – mit Seele und Leib – zu erlösen und zu erneuern. Auch wir hoffen, Gott einst in unvergänglicher Freude von Angesicht zu Angesicht sehen zu können. Maria, die Mutter des Herrn, sei uns Unterpfand dieser wunderbaren Zuversicht, in der wir leben.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]