Kann die Kirche eine führende Rolle zum Schutz von Kindern einnehmen?

Opfer bekundet große Hoffnung anlässlich Symposiums zu sexuellem Mißbrauch in der Kirche

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Von Ann Schneible

ROM, 6. Februar 2012 (ZENIT.org). – Von Montag bis Donnerstag dieser Woche wird die Päpstliche Universität Gregoriana Gastgeber des internationalen Kongresses „Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung" zum Thema Schutz von Kindern und verletzlichen Erwachsenen sein. Man hegt große Hoffnungen, dass das Symposium als Katalysator für die Entstehung einer Kultur des Zuhörens und der Heilung innerhalb der Kirche dienen wird.

Bei der heutigen Pressekonferenz erörterten einige der Redner die Hauptthemen der Konferenz sowie die wichtigsten Anliegen, die in Angriff genommen werden sollen.

Marie Collins, ein Opfer von sexuellem Missbrauch durch einen Geistlichen, wird in den kommenden Tagen bei der Konferenz Zeugnis von ihren Erfahrungen ablegen. Sie äußerte ihre Hoffnung, dass die Kirche Fortschritte in Bezug auf Kinderschutz und Seelsorge für die Opfer machen werde.

„Unter den Überlebenden herrscht noch immer riesige Wut auf die Kirche und auf die Kirchenleitung", erklärte sie. „Und wie wir wissen, gibt es sehr viele Gründe für diese Wut. Trotz Entschuldigungen für die Handlungen der Missbrauchstäter gab es nur wenige Entschuldigungen für die Inschutznahme der Täter durch ihre Vorgesetzten."

Marie Collins als Rednerin und Zeugin des Missbrauchs zu diesem Kongress einzuladen, war eine sehr schwierige Wahl, denn es gab einige Personen, die in Hinblick auf diese Entscheidung Bedenken hatten. „Trotz der bestehenden Bedenken habe ich entschieden, die Einladung anzunehmen und als Redner aufzutreten -obwohl ich selbst auch Fragen habe– doch war bei meiner Entscheidung der Gedanke ausschlaggebend, dass so viele Kinder wie möglich jetzt und in Zukunft vor Missbrauch geschützt werden. Nichts, rein gar nichts ist wichtiger als das."

„Wenn die katholische Kirche im Bereich Kinderschutz eine Führungsrolle in der Welt einnehmen könnte, dann wäre dies ein Anfang, um dieses schreckliche böse Übel unter Kontrolle zu bringen", fügte sie hinzu. „Es könnte die Achtung wieder herstellen und Heilung bringen für so viele Gläubige, die durch die erlittenen Krisen der letzten Jahre verletzt und erschüttert worden sind. Meine Hoffnung ist, dass dieses Symposium der Beginn dieses Wegs sein wird."

Im Anschluss an den Kongress wird ein institutionsübergreifendes E-Learning-Projekt, das Zentrum für Kinderschutz mit Sitz in München, gestartet, das die kommenden drei Jahre laufen wird. Ziel ist es, kirchlichen Mitarbeitern die nötigen Orientierungshilfen und Mittel zu bieten, um einen Missbrauchsverdacht schnell und effektiv anzugehen.

Diese Initiative wird von mehreren vatikanischen Kongregationen sowie vom Staatssekretariat und vom Symposium unterstützt. Vertreter aus allen Kontinenten werden sich zum weltweiten Anliegen des Kinderschutzes äußern. Beauftragte von über 110 Bischofskonferenzen sowie mehr als 30 Ordensobere aus der ganzen Welt sind zu diesem Kongress zusammen gekommen.

Im Zusammenhang mit dem 2011 verfassten Rundschreiben der Kongregation für die Glaubenslehre an die Bischofskonferenzen, das allen Diözesen der Welt helfen soll, innerhalb des nächsten Jahres Leitlinien für den Umgang mit Missbrauchsbeschuldigungen zu entwickeln, wird das Symposium eine bedeutende Rolle dabei spielen, Bischöfe und die wichtigsten Ordensoberen dazu zu bewegen, eine konsistente weltweite Antwort zu liefern.

Kardinal Levada, Präfekt der Kongregation der Glaubenslehre, wird die Eröffnungsrede des Symposiums „Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung“ halten, an dessen Gestaltung die Vertreter der Kongregation der Glaubenslehre erheblichen Anteil hatten.

[Übersetzung des englischen Originals von Sabrina Toto]