Kann man sich Rom ohne Christen vorstellen?

Das neue Buch von Kardinal Sistach erläutert die Bedeutung der Kirche in der Welt

Rom, (ZENIT.org) Jill Carnà | 387 klicks

Am vergangenen Mittwoch, dem 29. Mai 2013, präsentierte der Erzbischof von Barcelona Kardinal Lluís Martínez Sistach im Päpstlichen Patristischen Institut Augustinianum sein von der Libreria Editrice Vaticana herausgegebenes Buch Christen im Dialog und Zusammenleben der Gesellschaft.

Die Vorstellung fand in Anwesenheit des Generalvikars der Diözese Rom, Kardinal Agostino Vallini, dem Historiker Msgr. Vicente Cárcel Ortí, dem Rom-Korrespondenten des spanischen Senders Antena 3 TV, Antonio Pelayo, und dem Direktor des Instituto Cervantes in Rom, Sergio Rodriguez, statt.

Kardinal Sistachs Werk umfasst eine Reihe von Vorträgen aus den Jahren zwischen 1986 und 2012. In diesen insgesamt 15 Vorträgen wird der Frage nach der öffentlichen Präsenz der Religion und der katholischen Kirche in der Gesellschaft nachgegangen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung sowohl mit den Phänomenen Armut, Immigration und Globalisierung als auch mit den Problemen des Lebens in der Metropole. Des Weiteren bieten sie einen Einblick in das Thema des Laientums und in die Beziehung zwischen Kirche und Gesellschaft.

Kardinal Vallini zufolge handle es sich nicht um ein Lehrbuch, sondern um eine Reihe von Vorträgen, die Sistach mit dem Ziel der Erforschung der aktuellen Gegebenheiten gesammelt hat.

Das Buch behandelt unter anderem Themen wie „Christen und die Evangelisierung in einer globalisierten und multikulturellen Welt; das Leben des Glaubens in der Stadt und der Vatikan im Dialog mit den Armen“. Wie der Generalvikar der Diözese Rom betonte, konnte Kardinal Sistach die Vorträge dank seiner vielen Erfahrungen in der heutigen Welt in einer verständlichen Sprache wiedergeben.

Der Erzbischof von Barcelona erklärte, dass das Interesse an der Präsenz der Christen in der Gesellschaft, am interreligiösen Dialog und an der Koexistenz mit anderen Kulturen erst nach der Veröffentlichung der Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils in ihm geweckt worden sei.

Laut Sistach erfülle die Kirche eine lebensbereichernde Aufgabe. Aus diesem Grund sei die öffentliche Präsenz der Kirche in der Gesellschaft erstrebens- und wünschenswert.

In diesem Zusammenhang warf der spanische Kardinal folgende Fragen auf: „Was wären Rom oder Barcelona ohne Gemeinden und Kirchen, ohne die Präsenz von Christen, ohne Kinder, Bildung oder Universitäten?“ Seine Antwort darauf lautet folgendermaßen: „Sie wären arme Gesellschaften.“

Während seines Vortrages stellte auch Kardinal Vallini verschiedene Themen des Buches vor, darunter das Laientum. Seiner Meinung nach handle es sich dabei um ein Thema, worüber jeder Mensch sowohl aus Leidenschaft als auch aus pastoralem Interesse spreche. Allerdings ergäben sich rund um dieses Thema mehrere Fragen.

Wer ist ein Mensch, der sich als Laie definiert? Wer ist der sogenannte Laie innerhalb der Kirche? Welche Rollen und Funktionen erfüllt er? Theoretisch könne man diese Fragen beantworten; schon allein deswegen, weil seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 50 Jahre vergangen seien und Dokumente wie Lumen Gentium 31und Gaudium et Spes veröffentlicht worden seien.

Das wirkliche Problem sei jedoch die Frage nach dem aktiven Laien, erklärte Vallini. „Natürlich gibt es heutzutage sehr ausgeprägte Formen von Gruppen, die dem Laientum zugeordnet werden, die sowohl auf sozialer als auch auf politischer Ebene und in verschiedenen Lebensbereichen existieren. Jedoch glaube ich, dass die Kirche sich noch darum bemühen muss, diese Bewegung im christlichen Leben zu unterstützen. Und das sollte nicht nur oberflächlich, sondern eher konkret geschehen.“

„Wenn ich mir auch als Pfarrer diese Fragen stelle, finde ich keine Antwort. Das Thema bleibt meiner Meinung nach offen“, so Kardinal Vallini abschließend.