Kaplan Gerhard Hirschfelder (1907-1942)

Christ, Priester und Märtyrer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1103 klicks

Gerhard Hirschfelder wurde am 17. Februar 1907 in Glatz, heute Kłodzko, in Polen geboren. Seine Mutter, Maria Hirschfelder, war eine ledige Schneidermeisterin. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Hirschfelder Theologie und Philosophie in Breslau. Am 31. Januar 1932 folgte im Dom zu Breslau die Priesterweihe. Im selben Jahr wurde er Kaplan in Grenzeck, dann von 1939 bis 1941 in Habelschwerdt, wo er außerdem als Diözesanjugendseelsorger für die Grafschaft Glatz tätig war. Eine Zeitzeugin Hirschfelders berichtet: „Gern denken wir an die katholischen Gruppenstunden zurück, als unser Kaplan mit Gitarre und nach besinnlichen Worten und Katechese uns bei Volksliedern begleitete und bei Gesellschaftsspielen mitmachte. Der Ausklang war immer das Lied ‚Kein schöner Land in dieser Zeit‘.“

Doch schon bald fiel Gerhard Hirschfelder, der sich bei den Jugendlichen größter Beliebtheit erfreute, den Nationalsozialisten wegen seiner regimekritischen Äußerungen unangenehm auf. Nichts konnte ihn abhalten, den jungen Menschen den christlichen Glauben und christliche Werte zu vermitteln. „Wer der Jugend den Glauben aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher“, urteilte er über die Politik des nationalsozialistischen Regimes. 

Er war Bespitzelungen und Kontrollen ausgesetzt. Die Situation eskalierte endgültig, als Hirschfelder sich während einer Predigt kritisch über die Zerstörung eines Bildstocks im Juli 1941 äußerte. Am 1. August 1941 wurde er während einer Jugendstunde verhaftet und Mitte Dezember nach Dachau deportiert.

Kaplan Gerhard Hirschfelder starb im Konzentrationslager Dachau am 1. August 1942 als Gefangener 28972: „Herr, wenn man mir auch meine äußere Ehre nimmt, ich bleibe doch Kind Gottes, Kämpfer Gottes, Priester Gottes, das kann mir niemand nehmen. Lass mich dessen froh bleiben in allem Leid.“

Seine Asche wurde auf dem Friedhof in Grenzeck bestattet. Der Tod von Kaplan Gerhard Hirschfelder wurde am 27. März 2010 von Benedikt XVI. als Märtyrium anerkannt; am 19. September 2010 erfolgte die Seligsprechung im Dom zu Münster durch Joachim Kardinal Meisner.

Joachim Kardinal Meisner wies in seiner Predigt vor allem auf die Tapferkeit des Seligen hin: „Dieses Wort‚ Tapferkeit‘ findet sich sehr häufig in den Kreuzwegbetrachtungen von Kaplan Gerhard Hirschfelder und in seinen tiefen theologischen Kommentaren zu den Paulusbriefen. Beides hat er im Untersuchungsgefängnis geschrieben. Und sein Leben und Sterben bezeugen, dass er weiß, wovon er spricht. Dass hier ein Tapferer seine tiefen Gedanken niederschreibt, spürt jeder. Vergessen wir dabei nicht: Beides ist nicht in einem elfenbeinernen Turm eines stillen Studierzimmers geschrieben, sondern in der Gefängniszelle der Gestapo von Glatz. … Er beschreibt seine Gefängnisängste und -erfahrungen in den 14 Stationen seiner Kreuzwegbetrachtungen. Deshalb hatten die Leiden bei ihm nie einen negativen Klang, sondern man spürt, dass er darin den Gott der Liebe erkannte. … Als er im Gefängnis in die Lebensform des Apostels am Ende seines Lebens hineinwuchs, wurde er gleichsam ein Herz und eine Seele mit ihm. Er schrieb hier seine Lieblingsstellen der Paulinischen Briefe auf und ließ sie in sein Herz einsickern, sodass er deutlich machte, wie das sein Priester- und Christenleben verwandeln wird.“

Neben den bereits erwähnten „Kreuzweg-Gebeten“ und dem Kommentar zu den Paulusbriefen und den Kreuzweg-Gebeten verfasste Gerhard Hirschfelder auch zahlreiche Briefe aus seiner Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau: „Ich vertraue auf die göttliche Vorsehung, die uns täglich ihre Hilfe zeigt, wenn man sich ihr ganz anvertraut.“

Die Hirschfelder-Stiftung beschreibt den Seligen: „Kaplan Gerhard Hirschfelder verstand sein Priestertum als unmittelbare Bindung an Gott; so konnte er auch Kämpfer Gottes gegen eine gottlose Ideologie sein. Darum sah sich Gerhard Hirschfelder als Priester und Kämpfer Gottes in qualvoller Gefangenschaft auch unmittelbar in der Obhut der Vorsehung des liebenden Gottes. So wurde sein Opfergang bis in den Tod hinein zur unmittelbaren Nachfolge Christi.“