Kapuzinermissionare vor der Seligsprechung

Leonard Melki (1881-1915) und Thomas Saleh (1879-1917), Opfer des Genozids in der Türkei

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ROM, 28. Februar 2012 (ZENIT.org). – Der zweite diözesane Prozess zur Seligsprechung der beiden Kapuziner Br. Léonard Melki (1881-1915) und Br. Thomas Saleh (1879-1917) ist abgeschlossen. Die beiden Missionare hatten in der Türkei während des Genozids im Jahr 1915 das Martyrium erlitten. Bischof Paul Dahdad, Apostolischer Vikar der Lateiner im Libanon, hat zusammen mit dem Vizeprovinzialministers der Kapuziner, Br. Tony Haddad, die Dokumentation authentifiziert und dann dem Vizepostulator des Seligsprechungsprozesses, Br. Salim Rizkallah, übergeben. Dieser hat den Auftrag, die Dokumentation der Kongregation in Rom zu überbringen.

Die beiden Brüder wurden im Libanon während des Genozids an den Armeniern vom Jahr 1915 verhaftet. Br. Léonard Melki weigerte sich, dem Glauben abzuschwören; er hatte das Allerheiligste noch verstecken können, bevor die Polizei eintraf. Daraufhin wurde er in die Wüste gebracht und dort zusammen mit dem armenischen Bischof, dem seligen Ignace Maloyan, und 450 Männern aus Mardine hingerichtet.

Weil er einem armenischen Priester Schutz geboten und ihn beherbergt hatte, wurde Br. Thomas Saleh wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und mitten im Winter verschleppt. Er starb auf diesem Todesmarsch am 18. Januar 1917. Immer wieder soll er, wie Mitdeportierte bezeugten, wiederholt haben: „Ich habe volles Vertrauen in Gott, ich habe keine Angst vor dem Tod“.

Die Kapuziner im Libanon haben zum Gebet für diese Seligsprechung aufgerufen, damit besonders bei den Christen im Orient deren Vorbild an brüderlicher Liebe und apostolischen Eifers Früchte trage und deren Fürsprache für die Christen in diesem besonders geprüften Teil der Erde Frieden erlange.

In der osmanischen Provinz Mardin wurden während des Völkermords an den Armeniern systematisch alle Christen ermordet, nicht nur die christlichen Armenier. Für den antichristlichen Völkermord war die Teşkilât-ı Mahsusa zuständig. In diesem ersten Genozid des 20. Jahrhunderts wurden ungefähr 1,5 Millionen Armenier von den Türken umgebracht.

Auslöser war das Ziel einer Großtürkei ohne bedeutende ethnische Minderheiten. Die jungtürkische Bewegung aus westlich orientierten Militärs und Beamten um Kriegsminister Enver Pascha sowie den Innenminister und späteren Großwesir Talaat Pascha versuchten so, dieses Ziel in die Wirklichkeit umzusetzen.

Die Massaker begannen am Abend des 24. April 1915, als Polizisten in Konstantinopel, wie Istanbul damals hieß, 235 armenische Politiker, Journalisten, Bankiers, Intellektuelle verhafteten, die später fast alle erschlagen wurden. Dieses Datum ist für die Armenier seither der Tag des Gedenkens an den Beginn des Völkermords.

Aktuell ist der Völkermord an den Armeniern durch ein französisches Völkermord-Gesetz wieder in die öffentliche Diskussion gekommen. Dieses Gesetz stellt die Leugnung der von Frankreich offiziell anerkannten Völkermorde unter Strafe, wozu auch der Genozid an den Armeniern im ersten Weltkrieg gehört. Die türkische Regierung, die das Ausmaß der Massaker an den Armeniern aufs heftigste bestreitet und nicht als Völkermord anerkannt wissen will, hat Frankreich mit Sanktionen gedroht, sollte Ministerpräsident Sarkozy das Gesetz durch seine Unterschrift rechtskräftig machen.

Rund 140 französische Abgeordnete haben daraufhin das Gesetz zunächst gestoppt und für eine Überprüfung vor den Verfassungsrat gebracht.

Die Armenier ihrerseits hatten das Gesetz begrüßt; Armeniens Präsident Sersch Sarkisian würdigte Frankreich aufgrund des Gesetzes für seine „Größe“. [jb]