Kardinal Bertone: Die Ziele des Papstes für den Besuch in den USA

Achte Auslandsreise dieses Pontifikats führt Benedikt XVI. vom 15. bis zum 21. April nach Washington und New York

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ROM, 10. April 2008 (ZENIT.org).- In einem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender „Foxnews 1“ äußerte sich Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone SDB zu einigen Aspekten der bevorstehenden Pastoralreise des Heiligen Vaters in die USA.



Vorrangiges Ziel Benedikts XVI. sei es, die Botschaft des Evangeliums vollständig und unversehrt zu verkünden. Zum Zweiten beabsichtige der Papst, mit der Moderne in einen Dialog einzutreten, ausgehend vom Vorschlag des Glaubens mit seiner starken katholischen Identität.

Weitere Zielsetzungen des Papstes betreffen laut Bertone innerkirchliche Fragen wie etwa die gründliche Vorbereitung und Ausbildung des Klerus und der Laien als „Zeugen der Wahrheit Christi“.

Das Hauptaugenmerk Benedikts XVI. liege des Weiteren auf den großen weltweiten Herausforderungen. In diesem Zusammenhang gehe es ihm um die Förderung des Lebensschutzes, die Verteidigung jedes Menschen, die Friedensarbeit, die Einheit unter den Nationen und vor allem die Einheit unter den Christen: der Christen in der katholischen Kirche selbst, der christlichen Konfessionen und dann unter den Völkern.

Die zentrale Botschaft des Papstes für Amerika sei ein „faszinierendes Thema“, so Bertone: „Christus ist unsere Hoffnung.“ Diese Botschaft stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit der zweiten Enzyklika Benedikts XVI., „Spes salvi“, und besage: Gott ist unser Freund. Er ist nicht fern, sondern nahe; er begleitet uns und verlässt uns nicht. Dies sei die Grundbotschaft, die Benedikt XVI. Amerika und der ganzen Welt bringen wolle. Der Glaube und die Freundschaft Christi seien Wirklichkeiten, die das Leben veränderten – auch im konkreten Sinn der Förderung des Friedens, der Vergebung, der Versöhnung.

Kardinal Bertone sprach die Überzeugung aus, dass der Papst eine für die Kirche und Amerika sichere Zukunft sehe, auch wenn die Kirche mit den Schwierigkeiten der Säkularisierung und den großen Herausforderungen der Moderne zu kämpfen habe. Zu diesen Herausforderungen gehöre vor allem die der Wissenschaften. Was diesen Bereich betrifft, sehe der Papst die Funktion und Rolle des Glaubens und die Rolle der Ethik, beides Werte, die in den Vereinigten Staaten auch in der modernen Welt im Allgemeinen gut angenommen würden. Diese Grundlage repräsentiere die christlichen Wurzeln der US-Gesellschaft.

In Europa sei es in dieser Hinsicht schwieriger, da der Alte Kontinent seine christlichen Wurzeln scheinbar ablehne. Der Papst habe eine große Warnung ausgesprochen: Erfolgt die Loslösung von den christlichen Wurzeln, so wird es zum Niedergang kommen. Ein Europa ohne Gott und ohne den Gott Jesu Christi, der Europa gebaut hat und dessen Nährboden er ist, riskiert seinen Niedergang oder gar Untergang, warnte Kardinal Bertone.

In Bezug auf die Skandale sexueller Missbräuche durch Kleriker in den USA sagte der Staatssekretär, dass diese schmerzhafte Angelegenheit die ganze Kirche und alle Institutionen betroffen habe. Er betonte, dass die überwältigende Mehrheit der Kirchenmänner dem Gebot der Kirche treu geblieben sei. Dennoch müsse das Problem beachtet werden.

Bertone kündigte an, dass Benedikt XVI. am 19. April in seiner Ansprache in der Saint Patrick's Cathedral in New York Stellung nehmen werde. Dabei werde der Heiligen Vater zusammen mit den Hirten der Kirche Wege der Heilung und Versöhnung suchen. Der Papst werde alle zur Reinigung ermahnen, zur Reinigung des Lebens, um eine Kultur der moralischen Integrität, der Gerechtigkeit, des gegenseitigen Vertrauens zu errichten, und zwar vor allem im Erziehungswesen.

Die Botschaft Benedikts XVI. an die Vereinten Nationen werde eine Botschaft „im Kielwasser seiner Vorgänger“ sein, so Kardinal Bertone. Es werde sich somit um eine Botschaft der Anerkennung der wertvollen Rolle der UNO handeln. Im 60. Jahr der Allgemeinen Menschenrechtserklärung werde sich die Ansprache des Papstes vor allem auf die Einheit und Untrennbarkeit der Menschenrechte konzentrieren, die ihre Wurzeln in der Natur des Menschen haben, der nach Gottes Ebenbild geschaffen ist.

Kardinal Bertone bekräftigte, dass die Schöpfungstheologie die Grundlage für die Menschenrechte darstelle. Diese gründeten im von Gott geschaffenen Menschen und somit in Gerechtigkeit und Ethik. Es sei eine oberflächliche Sichtweise, die Menschenrechte nur als „Gesetze“ zu verstehen, die dem Willen eines menschlichen Gesetzgebers unterworfen wären. Die Rechte haben für Bertone ein tiefes Fundament: die Natur des Menschen.

Benedikt XVI. werde auch auf die Pflichten der internationalen Gemeinschaft zum Schutz der Rechte der Schwächeren entsprechend der Prinzipien Subsidiarität, Solidarität und Nähe zu den Leidenden zu sprechen kommen.

Mit Blick auf die beiden Begegnungen, die der Papst mit der jüdischen Gemeinde in den USA haben wird, erklärte Kardinal Bertone, dass die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für das Römische Messbuch von 1962 keine Änderung in den Beziehungen zwischen der Kirche und dem Judentum bedeute. Die Juden sind und bleiben, wie der Kardinal mit einem Wort Johannes XXIII. und Johannes Pauls II. bekräftigte, „unsere größeren Brüder“.