Kardinal Bertone fordert auf Kuba volle Achtung der Religionsfreiheit

Begegnung mit Diplomaten ganz im Zeichen der Beziehungen Kirche-Staat

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HAVANNA, 26. Februar 2008 (ZENIT.org).- Kardinal-Staatssekretär Bertone hat während einer Begegnung mit dem beim Kubanischen Staat akkreditierten Diplomatischen Corps die Aufgaben von Kirche und Staat zur Förderung des Gemeinwohls beleuchtet und nachdrücklich die Bedeutung der Religionsfreiheit hervorgehoben.



Die Pastoralreise des Kardinals, die heute zu Ende gehen wird, fand anlässlich des zehnten Jahrestages der historischen Reise Papst Johannes Pauls II. nach Kuba (21.-25. Januar 1998) statt. Von seiner Reise, die mit dem historischen Rücktritt von Fidel Castro nach beinahe 50 Jahren an der Macht und der Übertragung der Amtsgeschäfte an dessen Bruder Raúl zusammenfällt, erwartet sich die Kirche viele geistliche Impulse, aber auch eine Vertiefung und Verbesserung der kirchlich-staatlichen Beziehungen.

Auch Kardinal Bertone selbst verlieh vor den versammelten Botschaftern im kubanischen Außenministerium seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich diese Beziehungen weiterentwickeln mögen. Schließlich müsse ja festgestellt werden, „dass die Entfaltung des sozialen Auftrags der Kirche in Kuba auf den guten Beziehungen zwischen den kirchlichen und staatlichen Einrichtungen aufbaut“. Und Bertone fügte hinzu: „Immer besteht die Möglichkeit einer Verbesserung – und das gilt nicht nur für die Beziehungen mit Kuba, sondern mit allen Völkern und Nationen der Welt.“

Mit Worten des verstorbenen Erzbischofs von Camagüey, Adolfo Rodríguez Herrera, den Bertone als „großen Hirten“ würdigte, sagte der Vertreter des Heiligen Vaters: „Unser Traum ist es, dass die Kirche in Kuba wirklich Kirche sei und sonst nichts; und dass die zivilen Einrichtungen unserer Heimat zivile Einrichtungen seien und sonst nichts. Und dass die Kirche in Kuba eine Kirche der Nächstenliebe sein kann, eine Kirche des Dienstes, der Gemeinschaft und der Mission.“

Der Staatssekretär des Vatikans lobte die sichtbaren Zeichen „des Einsatzes und der Fähigkeit zur Entwicklung“ in Kuba sowie den offensichtlichen Fortschritt, was das Thema der Solidarität mit Ländern Afrikas, Asiens, der Karibik und Lateinamerikas angehe. In diesem Zusammenhang hob Bertone insbesondere die Bereiche Gesundheit und Bildung hervor.

„Die politische Gemeinschaft und die Kirche sind auf je ihrem Gebiet voneinander unabhängig und autonom. Beide aber dienen, wenn auch in verschiedener Begründung, der persönlichen und gesellschaftlichen Berufung der gleichen Menschen“, erklärte der Kardinal anschließend mit Worten, die der Pastoralkonstitution Gaudium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils entnommen sind. Kirche und Staat könnten ihren Dienst „zum Wohl aller umso wirksamer leisten, je mehr und besser sie rechtes Zusammenwirken miteinander pflegen; dabei sind jeweils die Umstände von Ort und Zeit zu berücksichtigen“ (76).

Wie überall auf der Welt bemühe sich die Kirche auch in Kuba demütig und mit großer Hingabe darum, „ihren eigenen Denk- und Wirk-Beitrag zum Aufbau des Gemeinwohls zu liefern, während sie die Identität und die Gesetze des Staates achtet“, fuhr Bertone fort.

Die Aufgabe der Zivilgesellschaft dürfe sich nicht auf bestimmte Dimensionen des Menschen wie etwa Gesundheit, wirtschaftliches Wohlergehen, intellektuelle Bildung oder soziale Beziehungen beschränken, bekräftigte er unter Hinweis auf die Konzilserklärung Dignitatis humanae über die Religionsfreiheit. „Der Mensch besitzt auch eine religiöse Dimension, die sich in freiwilligen und freien Akten widerspiegelt, durch die er sich direkt an Gott richtet“, erklärte der Kardinal-Staatssekretär.

„Aber Religionsfreiheit wäre nicht vollständig und wahrhaftig, würde sie nicht eine öffentliche Dimension aufweisen. Religionsfreiheit ist nicht nur Sache des Einzelnen, sondern auch Sache der Familie, der religiösen Gruppen und der Kirche selbst. Ein Staat, der diese Freiheit achten will, darf sich nicht davon absentieren, günstige Bedingungen für die Entfaltung des religiösen Lebens zu schaffen, so dass die Bürger die reale Möglichkeit haben, ihre Rechte auszuüben und ihre geistlichen Verpflichtungen zu erfüllen.“

Kardinal Bertone unterstrich in seiner Ansprache vor dem Diplomatischen Corps auch die Bedeutung der katholischen Soziallehre. Die Werte und Vorschläge, die sie enthalte, sowie sie daraus abzuleitende soziale Tätigkeit seien wesentlicher Bestandteil der Sendungsauftrags und der Identität der Kirche.

Abschließend lobte der Kardinal die „große Bereitschaft“ der Regierungsvertreter zu Dialog und Zusammenarbeit. Sie bedeute einen „positiven Antrieb für die Beziehungen zwischen dem Staat und der katholischen Kirche in Kuba, der es erlaubt, mit gelöster Zuversicht auf die neue, sicher schwierige und anspruchsvolle Etappe zu schauen, die Kuba anzugehen sich anschickt.“