Kardinal Bertone: Galilei betrieb Wissenschaft mit Augen des Glaubens

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ROM, 19. Februar 2009 (ZENIT.org).- Erstmals in der Kirchengeschichte feierte am Sonntag Erzbischof Gianfranco Ravasi, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, in der römischen Basilika Santa Maria degli Angeli eine Messe in Gedenken an Galileo Galilei. Organisiert wurde die Feier von der „World Federation of Scientists" anlässlich des 445. Geburtstags des großen Astonomen und Physikers. Mehr als 100 internationale Naturwissenschaftler nahmen gemeinsam mit hohen Repräsentanten des Vatikans an der Messfeier teil, bei der eine Botschaft von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone SDB verlesen wurde.

„Ich gedenke voller Bewunderung Galileo Galileis, eines göttlichen Mannes des Glaubens", betont Bertone in seinem Schreiben. Galileo Galilei sei ein Vorbild, da er „wusste, wie man die Wissenschaft mit den Augen des Glaubens liest und studiert“. Dabei verwies der Kardinalstaatssekretär auf eine Predigt des Papstes vom 6. Januar, wo es heißt: „Im Christentum liegt eine besondere kosmologische Auffassung vor, die in der mittelalterlichen Philosophie und Theologie höchste Ausdrucksformen gefunden hat. Sie lässt auch in unserer Epoche interessante Anzeichen einer neuen Blüte sehen, dank der Leidenschaft und des Glaubens nicht weniger Wissenschaftler, die – auf den Spuren Galileos – weder der Vernunft noch dem Glauben entsagen, sondern vielmehr beide von Grund auf in der Wertigkeit ihrer wechselseitigen Fruchtbarkeit hervortreten lassen.“

In seiner Predigt sagte Erzbischof Ravasi, Galilei habe Grenzen überschritten und neues Wissen erschlossen. Damit sei er für nachfolgende Wissenschaftler-Generationen ein Bindeglied zwischen Glaube und Wissenschaft.

Tief bewegt von der Veranstaltung zeigte sich der sizilianische Physiker und Präsident der „World Federation of Scientists", Antonino Zichichi: „Ich arbeite seit Jahrzehnten über Galileo Galilei. Und nun gibt es diese Messe für ihn, die erste seit mehr als 400 Jahren." Zichichi ist zutiefst überzeugt, dass es zwischen Glaube und Naturwissenschaft keinen Gegensatz geben soll. An der Messfeier nahm auch eine Gruppe chinesischer Wissenschaftler teil, die der Basilika eine Bronzestatue Galileos schenkten, wie Zichichi am Ende der Feier mitteilte.

Anlässlich des von der UNESCO ausgerufenen internationalen Jahres der Astronomie 2009 plant der Vatikan noch weitere Initiativen zu Ehren des toskanischen Astronomen: Dazu gehören eine große Ausstellung in Florenz und ein Symposium an der Päpstlichen Sternwarte.