Kardinal Bertone, päpstlicher Sondergesandter zum Begräbnis in Coimbra, über Schwester Lucia

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ROM/COIMBRA, 16. Februar 2005 (ZENIT.org).- Kardinal Tarsicio Bertone, Erzbischof von Genua, hat in seiner Funktion als Sondergesandter von Papst Johannes Paul II. am Dienstagnachmittag das Seelenamt für Schwester Lucia in der Kathedrale von Coimbra geleitet. An diesem portugiesischen Ort verstarb am ersten Fastensonntag im Alter von 97 Jahren die letzte Seherin der Erscheinungen der Jungfrau Maria in Fatima im Jahre 1917.



In ganz Portugal ist aufgrund des Todes der Karmeliterin der Dienstag offiziell zum Staatstrauertag erklärt worden. "Das ganze Land ist zum Stillstand gekommen, um der großartigen Gestalt einer 'kleinen Hirtin' Ehre zu erweisen. Durch die 'verborgene' Kraft des Gebetes und des Glaubens hat sie die Herzen so vieler Menschen berührt", mit solchen Worten wird in der Dienstag-Ausgabe des "Osservatore Romano" der verstorbenen Klosterschwester gedacht.

"Auf sanfte Art sind jene Augen zugefallen, die in die Augen der Jungfrau Maria geblickt haben", so beschreibt die Tageszeitung den Tod von Schwester Lucia de Jesus dos Santos. Er trat am 13. Februar um 17.25 Uhr im portugiesischen Karmel der heiligen Teresa in Coimbra ein.

"Eine nie aufhörende Pilgerschar hat ehrfurchtsvoll und im Gebet den in der Kapelle des Karmel aufgebahrten Leichnam von Schwester Lucia umgeben. Die Menschen haben durch das Beten des Rosenkranzes und der Teilnahme an der Eucharistiefeier diese besondere Erfahrung der Bekehrung gemacht."

Seit Dienstagmittag befindet sich der Leichnam der Seherin in der Kathedrale von Coimbra, wo am Nachmittag die Exequien gehalten wurde. Bestattet wurde Schwester Lucia dann im Karmel von Coimbra. In einem Jahr werden ihre sterblichen Überreste ihrem Wunsch gemäß nach Fatima überführt. Am Wallfahrtsort wird sie neben den anderen beiden Sehern, ihren Vettern Jacinta und Francisco Marto, ihre letzte Ruhestätte finden. Jacinta und Francisco waren noch im Kindesalter in den Jahren 1919 bzw. 1920 gestorben. Im Jahr 2000 wurden sie vom Heiligen Vater selig gesprochen. Ihr Gedenktag ist der kommende 20. Februar.

Kardinal Bertone, der päpstliche Sondergesandte zum Begräbnis der Karmeliterin in Coimbra, erinnert sich noch an seine persönlichen Treffen mit der Seherin. In einem Interview für "Radio Vatikan" sagte er, die Seherin sei "eine strahlende Person" gewesen, "voller Freude über die Ereignisse, die ihr zuteil wurden, und zugleich auch voller Freundschaft, einer tiefen Freundschaft zu Jesus und zu Maria, der Mutter Jesu und unsere Mutter". Sie sei "eine außergewöhnliche Frau" gewesen, "aber ganz einfach. Eine Frau, die vom Gebet, von der Gnade, von der Freundschaft zur ganzen Menschheit erfüllt" war, "denn sie war die Verwalterin einer großen Hoffnung für die Menschheit", so der Kardinal.

Während vieler Jahre habe Schwester Lucia die Erscheinung, von der sie Zeugin geworden war, für sich behalten und sie gehütet, "mit großer Andacht zu Maria und im vollen Bewußtsein der Aufgabe, die ihr gegeben worden war. Ich glaube, die meisten Menschen wissen bereits, dass eine der letzten Arbeiten dieser Seherin von Fatima ihr Buch 'Die Anliegen der Botschaft von Fatima' ist: Sie fühlte einen sehr starken Ruf zum Gebet, zur Buße, zur Umkehr, und sie fühlte sich für diese Aufgabe der Verkündigung und Verbreitung der Aufrufe der Jungfrau Maria von Fatima bestimmt". Unter anderem eben auch in Form des genannten Buches, das in zahlreiche Sprachen übersetzt sei und "eigentlich ihr ganzes Vermächtnis beinhaltet – auch die Sendung, die ihr geschenkt wurde", erklärte Kardinal Bertone.

"Sie bat den Heiligen Stuhl und den Papst um Erlaubnis, um das Buch veröffentlichen zu dürfen und so die Botschaft von Fatima zu Tausenden von Menschen" zu tragen, ergänzte der ehemalige Sekretär der Glaubenskongregation.

Seiner Meinung nach ist das spirituelle Erbe von Schwester Lucia "eine große Nähe zu Gott und zu Maria", denn Maria sei ja "mit Jesus die erste Mitarbeiterin bei der Verkündigung des Reiches Gottes" gewesen und "somit auch die Hauptmitarbeiterin am Erlösungswerk".

Schwester Lucia "hat Maria gesehen. Maria hatte sie wegen ihres einfachen Herzens zusammen mit den anderen beiden Hirtenkindern bevorzugt, und sie hinterlässt uns folgende Verpflichtung: mit Maria Mitarbeiter an der Erlösung zu sein", betonte Kardinal Bertone.

Schwester Lucia hinterlasse uns "die Spiritualität, Gott mit Hilfe ganz einfacher Mittel nahe zu sein, um die Welt mitzuerlösen: durch Gebet, Heiligung des persönlichen Lebens, der eigenen Arbeit, durch Buße und Wiedergutmachung für die Sünden der Welt. Und dass man dadurch mithilft, die Herzen der Menschen aller Epochen zu verwandeln, um die Welt zu retten."