Kardinal Bertone überbringt Papst Benedikt die Hoffnung der Kirche in Kuba

Beziehung zwischen Staat und Kirche wächst

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ROM, 29. Februar 2008 (Zenit.org).- Die Hoffnung der Kirche in Kuba, die vor einer Erneuerung steht: Das ist die Hoffnung, die Kardinal-Staatssekretär Tarciso Bertone dem Bischof von Rom von seiner sechstägigen Pastoralreise überbracht hat. Besonders überwältigt zeigte sich der Legat des Papstes von der Begeisterung der Jugend.

Der Kardinal bestätigte dies heute in einem Interview mit „Radio Vatikan“ und dem „Osservatore Romano“, das von beiden Medien am 1. März veröffentlicht werden wird.

In Kuba besuchte Kardinal Bertone vier Diözesen, begegnete dem neuen Präsidenten, Raúl Castro, und enthüllte eine Bronzestatue von Papst Johannes Paul II. Das Ergebnis der Reise sei „ohne jeden Zweifel positiv", sagte der Kardinal. Er beschrieb die Kirche in Kuba als „eine Kirche voller Leben, trotz der Schwierigkeiten bei der Arbeit in einigen bestimmten Fällen", so der Staatssekretär des Vatikans. Es handle sich um „eine Kirche, die geeint um ihre Bischöfe steht, eine schöne, vereinte Bischofskonferenz; Priester und Ordensleute, die durch das Zeugnis des Gebetes, des geistlichen Lebens, der großen sozialen Hilfstätigkeit zugunsten der Ärmsten und Bedürftigsten und ihre Arbeit mit der Jugend viel ausstrahlen".

Auch im Hinblick auf die Behörden „ist die Einschätzung auch Positiv", erklärte Bertone. „Ich hatte bilaterale Treffen mit Delegationen, die sich aus Verantwortlichen des zivilen Lebens und der Regierung zusammensetzten, und am letzten Tag mit dem neuen Präsidenten, Raúl Castro." Der Kardinal sehe „Perspektiven für die gemeinsame Arbeit", und er habe erkannt, „dass es Vertrauen in die Tätigkeit der Kirche gibt und die Möglichkeit der Erschließung neuer Räume, um dort präsent zu sein".

Der Staatssekretär des Papstes wies darauf hin, dass er dem kubanischen Volk eine zentrale Botschaft habe hinterlassen wollen: „Ich wollte der Bevölkerung ganz nahe sein, ihre Sehnsüchte hören, die Wünsche der Menschen, die viel gelitten haben." Schuld daran seien vor allem das Wirtschaftsembargo und die sich daraus ergebende missliche Wirtschaftslage . „Aber es ist ein Volk, das weiterhin mit großen Idealen lebt, vor allem die Jugendlichen, die ihre Identität begründen und behaupten wollen: eine katholische Identität. Es handelt sich da um einen großen Teil der Jugend", fügte Bertone hinzu. „Ich habe das sowohl beim Treffen an der Universität von Havanna wie an der lateinamerikanischen Hichschule für Medizin erlebt."

Außerdem habe der Kardinal „eine Botschaft des Vertrauens in die Zukunft hinterlassen wollen, denn wenn alle unter sich einig sind, können sie für eine ganzheitliche Entwicklung, für einen ganzheitlichen Humanismus arbeiten".

Auf die Frage nach seiner öffentlichen Verurteilung des Embargos als „ethisch nicht akzeptabel" sagte der Kardinal, dass dieses Urteil auch für die „vielen Einschränkungen gilt", die die Europäische Union immer noch praktiziere. „Es scheint mir, dass diese Haltungen natürlich versuchen, dafür Sorge zu tragen, dass die Regierung der Insel sich auf mehr Freiheit und eine größere Achtung der Menschenrechte hin entwickelt, aber ich denke, dass diese so harten Maßnahmen, die einseitig getroffen wurden, die Entwicklung nicht begünstigen", so der Kardinal. „Sie bringen höchstens Leid über die Menschen, denn es sind die Menschen, die Familien, die Kinder, die Jugendlichen, die mit diesen Maßnahmen bestraft werden. Und sie erkennen die Würde der Nation und ihre Werte, ihre Unabhängigkeit, ihre Tradition nicht an. Deshalb sind sie nicht akzeptabel."

Er habe auf Kuba versichert, „dass sich der Heilige Stuhl dafür einsetzen wird, dass diese Sanktionen zumindest verringert oder sogar ganz beseitigt werden. Sicherlich muss das eine Entwicklung hin zu mehr Freiheit und eine stärkere Berücksichtigung der persönlichen und sozialen Rechte mit sich bringen und daneben auch der politischen und wirtschaftlichen Rechte. Aber es gibt auch vielversprechende Perspektiven, da sich Kuba jetzt zur Unterzeichnung zweier UN-Konventionen vorbereitet, gerade im Hinblick auf persönlichen Rechte sowie in Bezug auf die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Rechte."

Was sein Treffen mit Raúl Castro anbelangt, erklärte Kardinal Bertone: „Ich habe einen Mann gesehen, der sehr realistisch ist, offen alles zu diskutieren, und vor allen Dingen die Aufrechterhaltung der Werte und Ideale." Er habe vor dem Präsidenten aber auch das Problem der Häftlinge angesprochen, nicht nur der politischen, sowie die pastorale Sorge für diese Gefangenen.

Ein Problemfeld in der Beziehung zwischen Kirche und Staat auf Kuba sind die fehlenden Erlaubnisse für den Bau neuer Kirchen. Bertone sagte diesbezüglich: „Es gibt Gemeinden, die mitten im Dorf entstehen, vor allem in den kleinen Städten, aber ohne die Möglichkeit, sich gemeinsam in der Kirche zu treffen; sie können dies nur in den Familien tun."

Die große hoffnungsvolle Botschaft, die dem Papst von Kardinal Bertone überbracht wurde, ist die Wiedergeburt der „lebendigen Gemeinden, das heißt der kleinen Gemeinden, auch wenn sie keine Priester haben, denn es gibt nur wenige Priester. Aber die Zahl der kubanischen Ordensmänner und Ordensfrauen steigt. Es ist die Begeisterung, die Frische des christlichen Lebens - insbesondere unter der Jugend", erklärt Kardinal Bertone abschließend.