Kardinal Biffi betrachtet die Heilsgeheimnisse von Gründonnerstag und Karfreitag

Exerzitien der Römischen Kurie im Vatikan

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Judas beziehungsweise den Erlösungsschmerz Christi und den Kummer der Jungrau Maria.



Der emeritierte Erzbischof von Bologna, der 1928 in Mailand geboren wurde, erläuterte in seiner ersten Predigt bei den Fasten-Exerzitien für den Papst und der Mitglieder der Römischen Kurie in der Kapelle „Redemptoris Mater“, dass die entscheidende Erlösungstat mit einem Gastmahl beginne, in dessen Zentrum ein sehr menschlicher Aufruf stehe: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Der Sohn Gottes bitte die Menschen also darum, ihn nicht zu vergessen.

Kardinal Biffi hob hervor, dass die Eucharistie deshalb vor allem ein Gedenken sei, das 2000 Jahre in die Geschichte der Menschheit zurückreiche; das Gedenken an jenen Zeitpunkt, an dem der Sohn des Schöpfers den Menschen überlassen worden sei. Dieses Bewusstsein gelte es, wach zu halten, unterstrich der Kardinal. Christsein bedeute: „täglich seine Aufmerksamkeit auf das zu richten, das Christus gesagt und getan hat: auf das, was er ist“.

Nach den Ausführungen des Kardinals, die von „Radio Vatikan“ verbreitet wurden, sie dieser Imperativ für den Menschen von fundamentaler Bedeutung; nur so könne er verstehen, wer er sei und wofür er lebe. „Wenn Christus der Heiland ist, dann sind wir nicht autonom, sondern gerettet.“ Dieses christliche Bewusstsein sei somit das genaue Gegenteil vom Bewusstsein des modernen Menschen.

Das Gastmahl beim Letzten Abendmahl ist nach Kardinal Biffi die Vorwegnahme des himmlischen Gastmahls.

Mit Blick auf Jesus, dem großes Leid widerfahren sei und der zudem die Erfahrung des Verrats, der Undankbarkeit und der Untreue habe machen müssen, schloss der Kardinal seine Überlegungen mit einem Gebet um die Gabe der Beharrlichkeit und eines dankbaren Herzens.

Karfreitag oder die menschliche Seite Jesu

In seiner zweiten Betrachtung betonte Kardinal Biffi am Mittwochvormittag, dass im Garten von Getsemani die Menschlichkeit Jesu aufleuchte. Gerade in dieser Situation erscheine er sich uns gegenüber besonders nahe: mit der inneren Schwäche seines Gebets und der Auflehnung gegenüber Leid und Schmerz, die dem Vater schließlich doch dargebracht würden.

Christus werde auf diese Weise zum ersten Priester, zu dem, der für die Menschheit Fürsprache einlege. In der Stunde des Todeskampfes habe Jesus noch intensiver gebetet, um die eigene Schwäche zu überwinden.

Dieses Vorgehen zeigt nach Kardinal Biffi, wie der Christ auf Leid und Schmerz antworten sollte: „nicht mit einer sterilen Rebellion oder mit dem Rückgriff auf Philosophien, die zu nichts führen, und ebenso wenig mit einem mutigen Stoizismus“. Dem Leiden müsse mit einer vertrauensvollen und leidenschaftlichen Suche nach Gott im Gebet entgegengetreten werden, hob der Prediger hervor. Dazu komme dann der vollkommene Gehorsam gegenüber Gott dem Vater, der mit Sicherheit auf unsere berechtigen Bitten antworten werde – allerdings mit einer weiseren Antwort, als wie wir dies erhoffen und erwarten könnten. Auch hierin sei Christus das große Vorbild: Gott erspare dem Sohn nicht die Prüfung des Todes, sondern mache aus dem Tod den Beginn des Lebens. Gott zwinge den Tod gewissermaßen dazu, „unter die Fahne der Auferstehung einberufen zu werden“.

Um den Reichtum des Kreuzesgeheimnisses zu verstehen, müsse man den Kalvarienberg aber mit den Augen Mariens sehen. Ihr Leid sei dadurch, dass sie um das Heilsgeschehen wisse, zwar nicht weniger, aber doch verklärt. Zusammen mit den Schmerzen des Sohnes dürfe man die Schmerzen der Mutter nicht vergessen.