Kardinal Brandmüller in Trier

Ein persönlicher Bericht über die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012

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Von Daniel Grotzer

ROM, 9. Mai 2012 (ZENIT.org). - Kann etwas bei einer so traditionsreichen Wallfahrt wie derjenigen zum Heiligen Rock in Trier fragwürdig erscheinen? Selbstverständlich auf keinen Fall der Anlass selbst. Vor genau fünfhundert Jahren wurde nämlich in Trier zum allerersten Mal das aus einem Stück gewobene Gewand Jesu dem gläubigen Volk gezeigt. Der Trierer Überlieferung nach war es die heilige Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, die nach ihrer Pilgerfahrt ins Heilige Land dieses Gewand zusammen mit weiteren einzigartigen Reliquien nach Trier brachte.

Mit fragwürdigem Rahmen kann auch nicht die große Gastfreundschaft des Bistums Trier, im Speziellen die Gastfreundschaft Bischof Stephan Ackermanns bezeichnet werden. Bischof Stephan Ackermann hieß Pilger jeglicher Couleur, unter denen alle erdenklichen Sprachen und Nationalitäten vertreten waren, auf das Herzlichste in Trier willkommen.

Auch stellte das Bistum Trier der Pilgergruppe um Kardinal Brandmüller eine ihrer traditionsreichsten und größten Kirchen zur Verfügung, um die große Menge der Gläubigen, die das Pontifikalamt mit ihm erleben und feiern wollten, überhaupt aufnehmen zu können.

Und doch ist es gerade diese so traditionsreiche Kirche, oder vielmehr der Umgang mit ihr, welcher einem ein wenig Unbehagen bereitete. Die Kirche St. Maximin blickt nicht nur auf eine reiche Vergangenheit im Laufe der fünfhundertjährigen Wallfahrtsgeschichte Triers zurück; errichtet wurde sie auf einem antiken Gräberfeld, namentlich über 1400 Gräbern. Das alles konnte allerdings nicht verhindern, daß man aus dieser geweihten katholischen Kirche eine Turnhalle für die benachbarte Schule machte.

Überwog bei der Ankunft vor der Kirche noch der Eindruck frommen Getuschels und das Kribbeln froher Erwartung bei der Ansicht der Pilger und der Vielzahl von Priestern, Umstände also, die diese ganz einzigartige Atmosphäre bei solchen Wallfahrten erzeugen, so stellte sich nach dem Betreten St. Maximins zunächst leider Ernüchterung ein.

Man gewahrte eine große Halle mit Parkettboden und Veranstaltungsbeleuchtung an Stahlträgern, welche im Bereich des Obergadens eingezogen worden waren. Doch bei der ersten Orientierung kam es noch schlimmer: zusammengeklappte Tischtennisplatten, Turn- und Sportgeräte waren unverdeckt in eine Ecke geschoben worden und an den Wanden der Seitenschiffe waren mehrere Basketballkörbe fest installiert. Die unruhige Erprobung der völlig übersteuerten Musikanlage, noch in den letzten Minuten vor dem pontifikalen Hochamt, war für die geistige Sammlung auch nicht eben förderlich. Ein einziger Priester auf einem kargen Stuhl direkt am bevölkerten Eingang bot eine Beichtgelegenheit an.

Aber alles dies schien sofort vergessen beim feierlichen Einzug Seiner Eminenz Walter Kardinal Brandmüller. Diese gemessene Fröhlichkeit, diese ruhige Gelassenheit, diese einfach unglaubliche Ausstrahlung eines einzigen Mannes, der sich der Würde und gleichzeitig der Heiterkeit dieser beginnenden Feier bewusst war, vermochte alle störenden Einflüsse und Gedanken zu vertreiben. Auch der Anblick der vielen jungen Priester, welche den beiden Priesterbruderschaften – Priesterbruderschaft St. Petrus und dem Institut Christus König und Hoherpriester – angehören, vermochte ein Gefühl der Zuversicht und Hoffnung für die Zukunft zu wecken. Die beiden Priesterbruderschaften zeichneten an diesem Tag verantwortlich für den liturgischen Dienst, die Petrusbruderschaft während des Pontifikalhochamtes, Christus König und Hoherpriester während der späteren Pontifikalvesper. Dies war übrigens noch ein kleiner Wermutstropfen in dieser ansonsten würdigen Feier: Wer die Priesterbruderschaft St. Petrus kennt und weiß, zu welch hervorragendem liturgischen Dienst sie fähig ist, fand sich doch ein wenig enttäuscht ob der größtenteils vom Band gespielten Musik.

Der Höhepunkt für die Pilger verdankt sich dem Einsatz Kardinal Brandmüllers, auf dessen Wirken hin vom Heiligen Stuhl ein Generalablass für die Teilnehmer der Wallfahrt erteilt wurde. Dieses feierliche levitierte Pontifikalamt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zeigte wieder einmal die Kraft dieser alten Liturgie. Wo auch immer sie gefeiert werden mag, ihre Wirkung auf die Gläubigen ist einzigartig. So nimmt es auch nicht wunder, daß der jugendliche Pilger neben der fünffachen Mutter mit ihren Kindern auf einem Turnhallenboden kniete, ebenso findet man bei einer solchen Veranstaltung auch mitunter große deutsche Schriftsteller hingebungsvoll auf ihren Knien.

Die anschließende Prozession durch die Stadt Trier zum Dom forderte die Pilgerschar ein weiteres Mal. Der Himmel öffnete seine Schleusen, und ein kräftiger Wind beförderte das kühle Nass noch unter den letzten Regenschirm. Nichtsdestotrotz erlebt man aber auch auf den kleinen Nebenschauplätzen oft ergreifende und schöne Momente. So findet beinahe jeden Tag in der nahe gelegenen Kirche St. Paulin, einem unbeschreiblichen barocken Gesamtkunstwerk (erwähnt sei nur ein Name: Balthasar Neumann), das „Pauliner Pilgerlob“ statt. Hier handelt es sich um eine nachmittägliche Meditation zu einem jeweils vorgegebenen Thema, untermalt durch Orgelmusik, dargeboten vom Regionalkantor Volker Krebs. Der Autor dieser Zeilen durfte dem Thema „Jesus Christus – wahrer Gott und wahrer Mensch“ lauschen. Der in St. Paulin zuständige Pfarrer Joachim Waldorf erwies sich hierbei als ausgezeichneter und kenntnisreicher Redner. Diese Meditationsreihe findet noch bis zum 11. Mai sonntags bis freitags von 14.00 bis 14.45 statt.

So findet jeder Pilger in Trier ein ihm gemäßes Angebot, welches ihm den Zugang zum einzig Wesentlichen zu öffnen vermag: unserem Herrn Jesus Christus.