Kardinal Cañizares über die Schönheit der Liturgie und über Konzelebration

Die Messfeier ist der Existenzgrund eines jeden Priesters

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Von Jan Bentz

ROM, 8. März 2012 (ZENIT.org). – Kardinal Antonio Cañizares, der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, betonte zum Anlass der Buchvorstellung „La concélébration eucharistique. Du symbole à la réalité („Eucharistische Konzelebration. Vom Symbol zu Wirklichkeit“), verfasst von Msgr. Guillaume Derville, an der Päpstlichen Universität Santa Croce, dass die Schönheit der Liturgie nicht nur Dekoration, sondern wesentliches Element des liturgischen Handelns sei.

Auf der Grundlage des Sonntagsevangeliums der Verklärung Christi des vorangegangenen Sonntages stellte der Kardinal eine Verbindung zwischen Verklärung und Liturgie durch Begriffe wie „Herrlichkeit“, „Schein“ und „Schönheit“ her.

Den Heiligen Vater Benedikt XVI. zitierend, erinnerte er daran, dass Liturgie immer mit Schönheit verbunden, die höchste Schönheit aber die Schönheit Gottes sei. Die beste Zusammenfassung des wesentlichen Kerns des ganzen Erlösungswerkes sei das „Pascha-Mysterium“. „Die Liturgie ist Teil dieses Pascha-Mysteriums, weil die die Verwirklichung des Erlösungswerkes ist“. Schönheit sei also keine bloße Dekoration, sondern ein „wesentliches Element des liturgischen Handelns, denn sie ist Eigenschaft Gottes selbst.“

„Die Liturgie, und innerhalb ihrer die Konzelebration, wird schön, wenn sie wahrhaft und authentisch ist, wenn die innere Herrlichkeit hervorscheint.“ In diesem Sinne müssten die Aussagen des hl. Vaters verstanden werden, die er bezüglich der Konzelebrationen mit vielen Priestern geäußert habe. Der Papst erklärte: „Ich muss sagen, dass hier ein Problem bleibt, denn die konkrete Kommunion des einzelnen Priesters bleibt grundlegend, und ich habe nicht festgestellt, dass bisher eine definitive Antwort auf dieses Problem gefunden wurde.“

Den Kernpunkt der Frage mache aus, wie die gottgewollte Grundstruktur der Liturgie erhalten bleibe, da die Liturgie „ein Geschenk von Gott ist, nicht etwas von Menschen Gemachtes. Über sie können wir nicht frei verfügen.“

Mit seinem Wunsch: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, lade der Herr uns ein, seinen Erwartungen zu entsprechen und dieses Geschenk gegenwärtig zu setzen. „Durch sein Opfer erhalten wir dieses Geschenk und können unter Führung des Hl. Geistes die Liturgie dieses Sakramentes formen.“

„Aus diesem Grund müssen wir die Struktur der Liturgie erkennen und lernen, warum sie so ist, wie sie ist. Die Liturgie ist eine Entwicklung zweier Jahrtausende und selbst nach der Reformation war sie nicht einfach etwas von Liturgikern Erfundenes.“ Die Liturgie habe immer in der Kontinuität des Wachstums in der Anbetung und der Verkündigung gestanden.

Kard. Cañizares lobte die Forschungen von Msgr. Dervilles, die er in den Zusammenhang mit den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils und des sel. Johannes Paul II. stellte.

Das Konzil habe beschlossen, die Möglichkeit der Konzelebration unter dem Gesichtspunkt zweier Prinzipien zu erweitern: Dass die Einheit des Priestertums gewahrt werde und dass sie bereits Teil der Tradition des Westens und des Ostens war.

Darum müsse man sich auch mit der Geschichte der Konzelebration auseinandersetzen. Msgr. Derville biete seinen Lesern eine kurze Zusammenfassung, aus der das Fehlen klarer Beweise für Konzelebrationen der jungen Kirche hervorgehe. Ohne in einen  „Archäologismus“ zu verfallen, liefere er jedoch genug Beweise , um zu belegen, dass die Konzelebration in der Tradition der Kirche im Westen und im Osten eine außerordentliche, feierliche und öffentliche Feier sei, der ein Bischof, umgeben von seinem „presbyterium“ vorstehe. Eine tägliche Konzelebration nur von Priestern, die ein „more privato“, eine individuelle Messfeier ersetzen, sei nicht Teil der lateinischen Liturgietradition.

Derville habe vorbildlich die tiefen Gründe des Konzils herausgearbeitet, die zu einer Ausweitung der Konzelebration geführt hätten. Die Konzelebration sei keine Lösung für logistische oder organisatorische Probleme, sondern vielmehr vergegenwärtige sie das Pascha-Geheimnis, indem sie die Einheit des Priestertums, das aus der Eucharistie geboren werde, bestätige. Die Wahrheit der Konzelebration trete nur dann hervor, wenn alle Anforderungen, die die Konzelebration mit sich bringe, getroffen würden.

Sobald die Anzahl der Konzelebranten zu groß sei, „verliert man den wesentlichen Aspekt der Konzelebration. „Wenn es fast unmöglich ist, die Worte und Gesten mit denen des Zelebranten zu synchronisieren, oder die Konzelebranten zu weit von dem Altar weg stehen müssen, wenn keine Harmonie in Farbe und Form der Gewänder vorliege, kann die Bedeutung der Einheit des Priestertums in Frage gestellt werden.“

Wie Kardinal Lercaro bereits 1965 in einem Brief an seine Priester geschrieben hab, solle die Konzelebration nur gefördert werden, „wenn“ sie der Andacht der Gläubigen und der Priester diene.

Benedikt XVI. habe in einer Synode die Priester zur täglichen Feier der heiligen Messe aufgefordert, was im Einklang mit dem unendlichen Wert einer einzelnen Eucharistie-Feier steht.“ „Wenn die Messe aufmerksam gefeiert wird, dann ist sie formativ im tiefsten Sinne des Wortes, denn sie formt den Priester immer mehr nach Christi Vorbild und stärkt ihn in seiner Berufung.“

„Die Messfeier ist der Existenzgrund eines jeden Priesters“, erklärte Cañizares. Msgr. Derville helfe dem Leser, diese Realität tiefer und klarer zu verstehen.

Schließlich danke Kardinal Cañizares Msgr. Derville und dem Verlag Palabra und Wilson & Lafleur für das Buch, das er vorstellen durfte. Er erklärte, dass dieses Werk ein gutes Beispiel einer wahren Hermeneutik des Zweiten Vatikanischen Konzils sei.