Kardinal Carlos Amigo Vallejo OFM: Die Familie garantiert die Stabilität des Staates

Für die Familie würde auch heute noch jeder sein Leben auf Spiel setzen

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ROM, 15. Juni 2007 (ZENIT.org).- Die Familie sei Garant für die Stabilität einer Nation, und für sie würden die meisten Menschen auch heute noch ihr Leben geben, bekräftigte Kardinal Carlos Amigo Vallejo OFM, Erzbischof von Sevilla (Spanien), im Gespräch mit ZENIT. Wirtschaftliche Instabilität und fehlende finanzielle Ressourcen bedrohten heute aber das Wohl der Familien in vielen Ländern.



Carlos Amigo Vallejo wurde 1934 in Medina de Rioseco in Spanien geboren. Vor seinem Eintritt in den Franziskanerorden studierte er Medizin. 1960 empfing er die Priesterweihe. Ehe er 1973 zum Erzbischof von Tanger in Marokko ernannt wurde, war er Provinzialminister seines Ordens in Sevilla. 1982 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Sevilla ernannt, der ihn im Oktober 2003 auch in das Kardinalskollegium aufnahm.

Als Mitglied des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst und der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika liegt ihm die Zukunft der Familie besonders am Herzen: „Die Familie ist trotz so vieler anderer Faktoren jene soziale Gruppe, die sich der größten Wertschätzung erfreut. Da gibt es Erhebungen, in denen gefragt wird: ‚Wofür würden Sie ihr Leben geben?‘ Und die Antworten lauten dann: ‚für das Vaterland‘, ‚für die Nationalflagge‘, ‚für diese oder jene Werte‘, „für diese oder jene Ideen‘. Und immer bestätigen die Menschen dabei auch, dass sie ihr Leben für ‚die Familie‘ aufs Spiel setzen würden.“

Die Familie werde sehr geschätzt. Zugleich – „das müssen wir zugeben“ – handle es sich aber „vielleicht auch um jene gesellschaftliche Gruppe, die die meisten Angriffe über sich ergehen lassen muss. Sie muss die größten Mankos ertragen, weil die Familie manchmal sehr ungeschützt ist.“

Gründe dafür gäbe es viele, bestätigt der 73 jährige Oberhirte. „Was ‚Familie‘ bedeutet, wird auch enorm vielschichtig aufgefasst. Eine Sache ist das mögliche Zusammenleben von Menschen, und eine völlig andere ist die Familie – eben als diese Gemeinschaft des Lebens und der Liebe. Zweifellos und trotz allem wird die Familie weiterhin als das Wichtigste überhaupt erachtet, und wir können schon sagen, dass in Zeiten, in denen alles untergeht, am Ende nur eines obenauf schwimmt; und wenn etwas hoch kommt, dann ist das immer die Familie gewesen.“

Für die Erneuerung der Familien sieht Kardinal Amigo nur einen Weg: die Verbindung zwischen christlicher Gemeinde, Familie und Schule. Das sei die nötige Grundlage, betonte der Kardinal.

„Das Beste, was wir für die Familie tun können, um ihr zu helfen, ist, sie zu unterstützen, sie selbst zu werden. Und diese Hilfe besteht hauptsächlich darin, sie für die Praxis der Liebe zu erziehen. Zweifellos ist mit Liebe nichts Frivoles gemeint, kein flüchtiges Gefühl, sondern es geht um die Wertschätzung der jeweiligen Personen. Damit man sich mit jemandem wirklich identifiziert und die Einheit in der Ehe und mit den Kindern besser gelebt werden kann, muss die Familie eine Schule der Liebe sein.“

Sehr beunruhigende Angriffe auf die Familie kommen für den Erzbischof aus Andalusien. Sie beruhten auf wirtschaftlicher Instabilität und fehlendem Unterhalt, die Folge einer in vielen Ländern mangelhaften sozialen Gesetzgebung, die die Familien im Fall von Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit weitgehend schutz- und mittellos dastehen lasse. Die Stabilität der Familie gefährde aber auch der um sich greifende Relativismus, erläuterte Kardinal Amigo. Konkret nannte er in diesem Zusammenhang die von der amtierenden spanischen Regierung eingeführte „Express-Scheidung“, die bei einer Konfliktsituation eine sehr schnelle offizielle Trennung erlaubt. Aber, so frage der Erzbischof von Sevilla, „welche Ehe macht nicht auch schwierige Situationen durch?“. Im „Ruckzuck-Verfahren“ könne nun eine ganze Familie zerstört werden, gab er zu bedenken.

Eine weitere Quelle der Gefahr sei die „sehr starke ideologische Bewusstseinsarbeit“. Dazu gehöre unter anderem „eine Philosophie der Unmöglichkeit von Treue, eine Philosophie der Unmöglichkeit einer Liebe, die fürs ganze Leben gilt“.

Angesichts der Skepsis gegenüber dem, was wahre Liebe ist, und angesichts des Zynismus über die Unmöglichkeit von Treue sei es dringend notwendig, „die Familie so zu erziehen, dass die Liebe niemals aufgegeben wird“. Gerade der Gesetzgeber, so bekräftigte Kardinal Amigo, täte gut daran, „die Unauflöslichkeit von Ehe und Familie als einen der ganz großen Werte für den sozialen Zusammenhalt zu begreifen“.

Schließlich rief der Kardinal gegenüber ZENIT zu einer Bündelung aller Kräfte der jeweiligen Staaten auf, um die Familie in einem stark relativistischen und ideologisierten Umfeld zu schützen. Diese Bemühung sei unumgänglich, wenn eine Nation die eigene Stabilität nicht aufs Spiel setzen wolle.