Kardinal Dziwisz: Papst Johannes Paul II. hinterließ unzählige private Aufzeichnungen

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KRAKAU, 1. Juni 2006 (ZENIT.org).- Unmittelbar nach dem Polenaufenthalt von Papst Benedikt XVI. hat Kardinal Stanislaw Dziwisz, Erzbischof von Krakau, neuerlich bekräftigt, dass Johannes Paul II. eine Menge von persönlichen Aufzeichnungen hinterlassen habe.



Der heute 67-jährige Kardinal, der dem Erzbischof und dem Papst Karol Wojtyla als Privatsekretär gedient hatte, erklärte gemäß www.korazym.org im Erzbischöflichen Palais in Krakau, dass der unmittelbare Vorgänger Benedikts XVI. ein "Mann der Arbeit und auch der Feder" gewesen sei. "Er schrieb viel", und nichts davon sollte verbrannt werden. Mit dieser Feststellung bekräftigte das, was er bereits wenige Wochen nach dem Tod Johannes Pauls II. im April des vergangenen Jahres gesagt hatte. Karol Wojtyla "war ein freundlicher Mensch, immer vertraulich und nah, aber ernst", so Kardinal Dziwisz. "Er schrieb die Dinge nicht deshalb auf, damit sie verbrannt würden: So etwas zu tun wäre wirklich unverständlich."

Die Ernennung des langjährigen päpstlichen Privatsekretärs zum Erzbischof von Krakau und der damit verbundene Umzug bedeuten zugleich, dass sich viele Schriften, die Johannes Paul II. ursprünglich – nach seinem Testament – verbrannt sehen wollte, nun in Polen befinden, wo sie in den Seligsprechungsprozess für den Diener Gottes mit einbezogen werden. Zukünftig könnten sie im neuen "Zentrum Johannes Paul II." in Krakau aufbewahrt werden.

Dieses Zentrum "ist nicht nur ein Museum", erläuterte Kardinal Dziwisz. "Es werden dort selbstverständlich Erinnerungsstücke an den Papst aufbewahrt werden, aber vor allem möchten wir all das verbreiten, was er getan hat: angefangen bei der Förderung der Menschenrechte über die Verteidigung des menschlichen Lebens bis hin zu seinem Einsatz für den Frieden und den interreligiösen Dialog. Es ist wichtig, dass sein Vermächtnis nicht in Vergessenheit gerät, und es muss verhindert werden, dass es einfach nur Museen und Bibliotheken anvertraut wird."

Das Interesse an einigen dieser persönlichen Dokumente des verstorbenen Papstes ist außerordentlich groß. Unter anderem soll sich darunter ein Brief an Mehmet Ali Agca befinden, der 1981 versucht hatte, den Vorgänger von Benedikt XVI. während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom zu ermorden.

Dieser Brief sei nie losgeschickt worden und beinhalte "einen wundervollen Text. Und in Zukunft wird es möglich sein, ihn zu zeigen und so besser zu verstehen, wie der damalige Papst dieses Ereignis beurteilte", fuhr Kardinal Dziwisz fort. "Ein Satz, der mich besonders beeindruckt hat, besagt: 'Mein Bruder, wie können wir vor dem Herrn erscheinen, wenn wir einander nicht unsere Verfehlungen verzeihen?'"