Kardinal Franc Rodé warnt Priester und Ordensleute vor der Gefahr der Verweltlichung

| 1449 klicks

ROM, 15. Februar 2008 (ZENIT.org).- Zu weltlich, Widerstand gegen das Priestergewand, die Ordenstracht und den Gehorsam gegenüber den Oberen, wenig Interesse für das Gebet und das Gemeinschaftsleben: Mit diesen Worten fasst Kardinal Franc Rodé, Präfekt der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, in einem Interview mit der Turiner Tageszeitung „La Stampa“, das heute veröffentlicht wurde, einige der problematischen Aspekte des zeitgenössischen Priester- und Ordenslebens zusammen.



„Die Verbürgerlichung und der moralische Relativismus sind die beiden großen Gefahren, die das Ordensleben schwächen“, erklärte der Kardinal. Der Rückgang der Berufungen sei zwar von geringem Gewicht (0,7 Prozent im Jahr 2006), dennoch seien gegenwärtig die größten Probleme von der Atmosphäre der Säkularisierung bestimmt, die sich nicht nur im Westen, sondern auch in der Kirche bemerkbar mache.

Die Indikatoren hierfür sieht Kardinal Rodé in einer schrankenlosen Freiheit, einem schwachen Familiensinn, einem verweltlichten Geist, einer geringen Sichtbarkeit der Ordenstracht, einer Abwertung des Gebetes, einem ungenügenden Gemeinschaftsleben und einem geringen Sinn für den Gehorsam.

Angesichts der Irrtümer, der Missbräuche oder der Laxheit der Sitten und der Lebensentscheidungen stünden jeder Ordensgemeinschaft auf der Grundlage des Prinzips der Subsidiarität ihre eignen Kontrollorgane zur Verfügung. Der Heilige Stuhl greife nur in Extremfällen wie der Missachtung der Ordenskonstitutionen ein.

Kardinal Rodé zeigte sich davon überzeugt dass der Zölibat kein Hindernis darstelle unf auch nicht Angst mache, insofern dieser eher eine Freiheit zur Liebe und Selbstschenkung offenbare. Die Keuschheit bedeute eine Sexualität, die nicht zwanghaft ausgelebt werde. In Anbetracht der affektiven Schwäche, die heute festzustellen sei, biete allein die Kirche die Möglichkeit der Vergebung der Sünden und der Rehabilitierung, um so das Leben wieder aufnehmen zu können. „Wenn man in der Welt einen Fehler macht, so wird man ausgegrenzt und für immer gebrandmarkt“, so der Kardinal.

Während der 27 Jahre des Pontifikats Johannes Pauls II. gingen die Ordenberufe weltweit um 25 Prozent zurück. Gleichzeitig entwickelte sich immer klarer ein auseinanderdriftendes Verhältnis zwischen den Berufungen in Männer- und Frauenkongregationen. Kardinal Rodé stellte diesbezüglich fest, dass die kontemplativen Orden die größte Anziehungskraft auf junge Menschen ausübten, da diese eine radikalere Lebensentscheidung verlangten.

Nach offiziellen Angaben des Heiligen Stuhls waren im Jahr 2006 offiziell 196.473 Ordensmänner verzeichnet, 137.058 Ordenspriester und 55.030 Ordensbrüder. Die Zahl der Ordensschwestern hingegen belief sich auf 836.091.

Der hauptsächliche Aufgabenbereich des Dienstes der Ordensleute erstrecke sich auf das Gebiet der Erziehung, der Hilfeleistung und Förderung der Menschen, so Kardinal Rodé. Weltweit sind nach Angaben des Kurienkardinals 63.073 kirchliche Kindergärten, 91.090 Grundschulen, 38.277 höhere Schulen sowie rund 1.000 universitäre Einrichtungen verzeichnet.