Kardinal Gantin, erster afrikanischer Verantwortungsträger in der Römischen Kurie, ist tot

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ROM, 14. Mai 2008 (ZENIT.org).- Im Alter von 86 Jahren starb gestern im Pariser Krankenhaus „Georges Pompidou“ Kardinal Bernardin Gantin. Der aus Benin stammende Kardinal war emeritierter Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, emeritierter Präsident der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika und emeritierter Dekan des Heiligen Kardinalkollegiums.



Gantin wurde am 8. Mai 1922 als Sohn eines Eisenbahners in Toffo (Erzdiözese Cotonou) geboren. Sein Name bedeutet: „Baum“ (gan) aus „Eisen“ (tin). Sein Volk und ganz Afrika waren in seinem Leben stets gegenwärtig. Nach der Schule trat er 1936 in das Priesterseminar von Ouidah ein und empfing am 14. Januar 1951 in Lomé durch Erzbischof Louis Parisot das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend gab er für drei Jahre Sprachunterricht am Seminar. Gleichzeitig widmete er sich in mehreren Dörfern einer intensiven pastoralen Tätigkeit.

1953 nahm Gantin seine Studien an der Päpstlichen Universität Urbaniana und der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom auf, wo er die Lizenziate der Theologie und des kanonischen Rechts erwarb.

Am 11. Dezember 1956 wurde Gantin von Papst Pius XII. zum Titularbischof von Tipasa-Mauretanien ernannt und zum Weihbischof in Cotonou bestellt. Die Bischofsweihe empfing er am 3. Februar 1957 durch Eugène Kardinal Tisserant, den damaligen Kardinaldekan; Mitkonsekratoren waren der Kurienbischof Pietro Sigismondi und André-Pierre Duirat, Bischof von Bouaké (Elfenbeinküste).

Papst Johannes XXIII. ernannte Gantin am 5. Januar 1960 zum Erzbischof von Cotonou. Zudem war dieser auch als Vorsitzender der regionalen Bischofskonferenz im Einsatz, die sieben Länder umfasste: Dahomey, Togo, Elfenbeinküste, dem heutigen Burkina Faso, Neu Guinea, Senegal und Nigeria.

1971 holte ihn Papst Paul VI. als Kurienbischof nach Rom. Er war für die Kongregation für die Evangelisierung der Völker, den Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden und den Päpstlichen Rat „Cor Unum“ tätig.

Papst Paul VI. nahm ihn am 27. Juni 1977 als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie „Sacro Cuore di Cristo Re“ in das Kardinalskollegium auf. Später wurde er zum Präsidenten des Päpstlichen Rates „Cor Unum“ beziehungsweise des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ernannt.

Papst Johannes Paul II. ernannte Kardinal Gantin am 8. April 1984 zum Präfekten der Kongregation für die Bischöfe und zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Am 25. Juni wurde er unter Beibehaltung seiner Titeldiakonie zum Kardinalpriester ernannt. Ein Jahr später, am 29. September 1986, wurde er Kardinalbischof von Palestrina.

Am 3. Juli 1988 veröffentlichte die Kongregation für die Bischöfe unter seiner Leitung ein Schreiben zur Priesterbruderschaft Pius X, in dem ihr schismatische Bestrebungen vorgeworfen wurden. Seine Ämter behielt Gantin bis zum 25. Juni 1998, als er dem Papst aus Altersgründen seinen Rücktritt anbot.

Als Bischof hatte Kardinal Gantin am II. Vatikanischen Konzil sowie an zahlreichen Bischofssynoden teilgenommen. Außerdem war er der delegierte Präsident der 5. Bischofssynode (1980), die sich mit dem Thema befasste: „Die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute“.

Ab dem 5. Juni 1993 war Gantin für fast zehn Jahre Dekan des Heiligen Kardinalkollegiums. Am 30. November 2002 gab Johannes Paul II. dem Rücktrittsgesuch von Bernardin Gantin statt.

„Ich habe lange mit der Antwort gewartet, denn ich verberge Ihnen nicht, dass ich durch Ihr Fortgehen aus Rom einen Mitarbeiter verliere, der sich durch einen tiefen ‚sensus Ecclesiae‘ und große Erfahrung auf allen Gebieten auszeichnet“, schrieb der direkte Vorgänger von Papst Benedikt XVI. dem scheidenden Kurienkardinal. „Dennoch verstehe ich Ihre Verbundenheit mit dem Heimatland und Ihrer natürlichen und kulturellen Umgebung, auf die Sie in Ihrem Schreiben hinweisen, und ich bin mir auch bewusst, dass die Rückkehr in die Heimat Ihnen Gelegenheit gibt, dort auf wirksame Weise das Evangelium zu bezeugen.“

Johannes Paul II. brachte in dem Schreiben seine „aufrichtige Dankbarkeit“ für die geleisteten Dienste zum Ausdruck und fügte hinzu: „Mit der Vollendung des 80. Lebensjahres werden Sie somit zum ‚emeritierten Dekan‘ des Kardinalskollegiums und können nach Benin zurückkehren, wo Sie, so hoffe ich, noch viel Gutes im Dienst des Reiches Gottes tun werden.“ Nach über 30 Jahren in Rom kehrte Gantin daraufhin in seine Heimat zurück.

Nach dem Tod von Kardinal Gantin setzt sich das Kardinalskollegium aus 194 Mitgliedern zusammen, darunter 118 wahlberechtigte Kardinäle.