Kardinal Grocholewski: Neue Instruktion, aber keine neue Lehre

Präsentation der neuen Instruktion über Weihepriestertum und Homosexualität im Vatikan

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ROM, 30. November 2005 (ZENIT.org).- Die neue Instruktion des Heiligen Stuhls über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen enthalte eigentlich nichts Neues, erklärte Kardinal Zenon Grocholewski am Dienstag im Vatikan.



Anlässlich der offiziellen Vorstellung dieser neuen Richtlinie \"zu einer besonderen Frage, die durch die gegenwärtige Situation dringlicher geworden ist\", betonte der Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen (für die Seminare und Studieneinrichtungen), dass ihr Inhalt keineswegs so außergewöhnlich neu sei, wie die Berichte in den Medien vielleicht suggerierten.

Seine Kongregation habe bereits mehrere Dokumente, etwa \"über den Zölibat und die priesterliche Reinheit\" veröffentlicht, außerdem habe es immer wieder Vorträge über jene verschiedenen Hindernisse gegeben, die den Zugang zum Priestertum verunmöglichen. \"Deshalb hat dies Dokument auch nichts Außergewöhnliches an sich, denn über das Problem der Homosexualität hat sich die Kongregation für Glaubenslehre schon vielfach geäußert\", bekräftigte der 66-jährige Kardinal.

\"Sie hat sich mehrfach darüber geäußert, weil es auf diesem Gebiet in der heutigen Welt eine gewisse Desorientierung gibt. Viele verteidigen die Auffassung, Homosexualität sei eine normale Kondition der menschlichen Person, so etwas wie ein drittes Geschlecht. Diese Haltung widerspricht aber gänzlich der menschlichen Anthropologie. Nach der Überzeugung der Kirche widerspricht sie dem natürlichen Sittengesetz und der Prägung, die Gott selbst in die menschliche Natur hineingelegt hat.\"

Kardinal Grocholewski wies zudem darauf hin, dass die neue Instruktion lediglich den Inhalt des Katechismus der Katholischen Kirche wiederhole und erkläre. Schon dort wird eindeutig zwischen \"homosexuellen Handlungen\" und \"homosexuellen Neigungen\" unterschieden (vgl. KKK, 2357-2359).

\"Homosexuelle Handlungen werden in der Heiligen Schrift, im Alten wie auch im Neuen Testament, vom heiligen Paulus, von der gesamten Tradition der Kirche und von den Konzilien als schwere Sünde betrachtet, die gegen das natürlichen Sittengesetz verstoßen\", erklärte der Kardinal diesbezüglich. \"Deshalb können diese Handlungen nicht befürwortet werden.\"

Die Veranlagung an sich sei allerdings keine Sünde. \"Tief sitzende homosexuellen Tendenzen\" würden aber von der katholischen Kirche als objektiv ungeordnete Neigung angesehen werden. Veranlagungen seien immer schon \"eine mehr oder weniger starke Neigung zu einer aus moralischer Sicht in sich ungeordneten Handlung\".

Mit der neuen Instruktion habe man bekräftigen wollen, \"dass drei Personengruppen nicht zur Priesterweihe zugelassen werden können: diejenigen, die Homosexualität praktizieren, tief sitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine so genannte homosexuelle Kultur unterstützen. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass tief sitzende homosexuelle Tendenzen zum Hindernis für einen korrekten Umgang mit Männern und Frauen darstellen, was negative Folgen für die Pastoralarbeit der Kirche hat.\"

Personen mit vorübergehenden Problemen diesbezüglich müssten zumindest drei Jahre lang nach Abklingen dieser Tendenzen auf eine mögliche Diakonweihe warten. Menschen mit homosexuellen Tendenzen befänden sich in einer Zeit der Prüfung, \"brauchen Verständnis und dürfen in keiner Weise vernachlässigt werden. Seitens der Kirche werden sie genauso wie alle anderen dazu aufgerufen, das göttliche Gesetz zu befolgen.\"

Wer etwaige homosexuelle Tendenzen erst nach seiner Priesterweihe entdecke, \"muss natürlich sein Priestertum leben und in Keuschheit leben\", stellte Kardinal Grocholewski fest. \"Vielleicht wird er intensivere geistliche Hilfe benötigen als andere, aber ich glaube, dass er seinen priesterlichen Dienst auf bestmögliche Weise erfüllen muss.\"