Kardinal Hummes: „Betet für die Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Priester“

Initiative der Kongregation für den Klerus zur Heiligung der Priester

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ROM, 7. Januar 2008 (ZENIT.org).- In einem Interview mit dem „Osservatore Romano“ (5. Januar 2008) erläuterte der Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Cláudio Hummes, die neue Initiative seines Dikasteriums zur Förderung der weltweiten ständigen eucharistischen Anbetung. Sie zielt in erster Linie auf die Heiligung des Klerus ab, dient aber auch zur Wiedergutmachung von Sexualverbrechen durch Priester und zum Gebet für deren Opfer.

Kardinal Hummes merkte an, dass es diese Probleme immer gegeben habe, „da wir alle Sünder sind“. Gleichzeitig müsse jedoch festgestellt werden, dass es in den jüngsten Zeiten zu „sehr schweren Vorfällen“ gekommen sei. Alle Diözesen, Pfarreien, Klöster, Konvente und Seminarien sollen deshalb zur ununterbrochenen eucharistischen Anbetung mobilisiert werden.

Die Initiative ist als weiterer Schritt Benedikts XVI. zur Beseitigung des „Schmutzes in der Kirche“ anzusehen, wie er es als Kardinal Ratzinger im Jahr 2005 in seiner Karfreitagsmeditation nannte. Das Phänomen der sexuellen Missbräuche von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker erschütterte gerade in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts die Kirche in ihren Wurzeln. Besonders betroffen war die Kirche in den USA. Zahlreiche weitere Länder – Australien, Irland, Kanada, Italien, Mexiko, Brasilien und Großbritannien – wurden durch das sexuelle und moralische Fehlverhalten von Klerikern in Mitleidenschaft gezogen, was Papst Johannes Paul II. und den damaligen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Joseph Ratzinger, zu entschlossenen Schritten veranlasste, um diesen Verbrechen einen Riegel vorzuschieben.

Kardinal Hummes forderte jetzt die Christen zum Gebet „für die Opfer der schwerwiegenden Situation des moralischen Sexualverhaltens eines kleinen, kleinen Teils des Klerus“ auf. Trotz dieses Problems sei daran zu erinnern, dass nur ein geringer Teil des Klerus, nicht einmal ein Prozent, in derartige Vergehen verwickelt sei. „Die überwiegende Mehrheit hat nicht mit solchen Sachen zu tun“, so der Kardinal.

Papst Benedikt XVI. sei fest dazu entschlossen, den Skandal des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen definitiv zu beheben. Dabei vertraue er in erster Linie auf das Gebet und die Anbetung des eucharistischen Heilands. Für eine ähnliche Initiative hatte sich der Prediger des Päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., während seiner Adventspredigten 2006 vor dem Papst und den Mitarbeitern der Römischen Kurie ausgesprochen (ZENIT berichtete).

Im April 2001 wurde das Motu proprio „Sacramentorum sanctitatis tutela“ über die Normen zu den schwereren Vergehen veröffentlicht, die der Kongregation für die Glaubenslehre vorbehalten sind. Im Mai desselben Jahres hatte Kardinal Ratzinger an alle Bischöfe der Kirche und die interessierten Ordinarien und Hierarchen den Brief „Ad exsequendam“ geschickt. Mit dem Motu proprio des Bischofs von Rom und den Ausführungsbestimmungen des Präfekten wurde festgelegt, dass alle von Klerikern mit unter 18 Jahre alten Kindern und Jugendlichen begangenen schweren Sexualvergehen („delictum contra sextum Decalogi praeceptum cum minore infra aetatem duodeviginti annorum a clerico commissum; „Ad exsequendam“, 18.5.2001) in die Jurisdiktion der Kongregation für die Glaubenslehre fallen.