Kardinal José Saraiva Martins über den Stand des Seligsprechungsprozesses für Johannes Paul II.

Interview mit dem Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse

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ROM, 3. April 2006 (ZENIT.org).- Wann Papst Johannes Paul II. tatsächlich selig gesprochen wird, das könne man jetzt noch nicht sagen, erklärt Kardinal José Saraiva Martins, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, auf Anfrage von ZENIT.



Der Kardinal betont, dass Benedikt XVI. zwar die übliche fünfjährige Wartezeit zwischen dem Ableben eines möglichen Seligsprechungskandidaten und der Einleitung des dazu notwendigen Prozesses aufgehoben habe, nicht aber die Arbeitschritte.

ZENIT: Wie steht es um den Seligsprechungsprozess für Papst Johannes Paul II.

Kardinal Saraiva: Benedikt XVI. hat die Wartezeit zwischen dem Tod und der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses verkürzt, nicht aber das Verfahren selbst, also keine der beiden Etappen – das wird oft verwechselt.

Der Papst hat also die vom Kirchenrecht vorgeschriebene Wartezeit nach dem Tod bis zur Eröffnung des Verfahrens aufgehoben. Im Fall von Mutter Teresa hatte der Papst [der Vorgänger Benedikts XVI., Anm. d. Red.] eine Verkürzung um zweieinhalb Jahre erlassen. Im Fall von Johannes Paul II. hat der Heilige Vater die ganze fünfjährige Wartefrist aufgehoben, die vom Tod der betreffenden Person bis zur Möglichkeit der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses verstreichen muss.

Der Prozess von Johannes Paul II. befindet sich in der ersten, diözesanen Phase, die in der Diözese Rom abgewickelt wird, da er dort gestorben ist. Das heißt, entscheidend ist hier das Vikariat von Rom. Das Verfahren liegt aus diesem Grund in den Händen des Bischofs der Diözese Rom, und dieser fährt in diesen Augenblicken mit den Untersuchungen fort.

Es gilt nun, alle unveröffentlichten Dokumente über Johannes Paul II. zu sammeln. Das sind zum Beispiel die Schriften, also persönliche Briefe oder Tagebücher, sowie die Zeugnisse der Gläubigen, die mit der Heiligkeit von Johannes Paul II. in Zusammenhang stehen. Das bedeutet, dass alle, die über die Heiligkeit Johannes Paul II. aussagen wollen, die davon überzeugt sind, dass er wirklich ein Heiliger war, zum römischen Vikariat gehen sollten, um ihr Zeugnis bekannt zu machen.

Dort gibt es Fragebögen, die ausgefüllt und unterschrieben werden müssen, um das Zeugnis zu verbürgen. Diese Zeugnisse sind teil der "positio" ("Akte"), die von theologischen Fachkräften, Ärzten usw. untersucht werden. Also, um Seriosität zu gewährleisten, müssen alle Aussagen von demjenigen, der sie trifft, unterschrieben werden.

Die diözesane Phase der Seligsprechung von Johannes Paul II. hat im September begonnen, als dieses Dikasterium [Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Anm. d. Red.] ein Dekret [zur Einleitung der ersten Phase] erließ. Man weiß wirklich nicht, wann diese Arbeiten zum Abschluss gelangen werden oder wie lange diese Phase dauern wird. Das hängt nicht von der Kongregation ab, denn diese ist an dieser Phase des Prozesses nicht beteiligt, wenn das Vikariat nicht ausdrücklich etwas sagt. Niemand kann in die diözesanen Arbeiten, die gerade verrichtet werden, eingreifen.

ZENIT: Wann könnten diese Arbeiten Ihrer Meinung nach abgeschlossen werden?

Kardinal Saraiva: Das hängt vom Vikariat ab. Abgesehen davon gibt es neben den Untersuchungen des römischen Vikariates auch eine Befragung in Krakau. Auch dort wurde eine Untersuchung eingeleitet. Die Unterlagen zum Prozess landen erst dann bei meiner Kongregation, wenn die Phasen in Rom und Krakau abgeschlossen sind. Vorher können wir überhaupt keine Aussagen dazu machen, weil es uns nicht zusteht und weil wir nicht eingreifen dürfen, damit die Seriosität gewahrt bleibt. Es muss zuerst einmal untersucht werden, was die Menschen zu sagen haben.

Wenn diese Phase des Seligsprechungsprozesses abgeschlossen ist, wird das ganze Dossier, alle gesammelten Dokumente, dem Heiligen Stuhl zugesandt, das heißt diesem Dikasterium. Dann kann die zweite Phase beginnen, die Phase im Vatikan.