Kardinal Joseph Zen: Die chinesische Patriotische Vereinigung auf dem Weg zur vollständigen Aussöhnung mit Rom

Vortrag in Großbritannien

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LONDON, 5. Oktober 2006 (ZENIT.org).- Die „offizielle“ katholische Kirche in China, die staatlich geförderte Patriotische Vereinigung, sei auf dem besten Weg, sich völlig mit Rom auszusöhnen, bekräftigte Kardinal Joseph Zen Ze-kiun aus Hongkong beim Jahreskongress von Kirche in Not in der Kathedrale von Westminster.



Für den asiatischen Oberhirten ist diese positive Entwicklung eine Frucht der großen Geduld und Ausdauer der opferbereiten katholischen Kirche angesichts der Repressalien seitens des kommunistischen Regimes.

Mit dieser Bereitschaft riskiere die Patriotische Vereinigung, den Zorn Pekings auf sich zu ziehen, fuhr der Kardinal fort. Aber auch schon heute sei die amtliche Kirche beinahe vollständig mit Rom versöhnt, hob er hervor, und dies sei eine Tatsache.

Dass ungefähr 85 Prozent der Bischöfe der Patriotischen Vereinigung mit der Zustimmung Roms geweiht worden sind, veranschauliche die Ausdauer der Katholiken sowie die ehrliche Bereitschaft, die volle Einheit mit Rom zu erlangen und dem friedlichen Miteinander Priorität zu geben. „Die Bischöfe [der Patriotischen Vereinigung, Anm. d. Red.] nehmen die Weihe nicht mehr ohne die Zustimmung des Heiligen Stuhls an“, erklärte Kardinal Zen. „Die Regierung kann nichts dagegen tun.“

Wenn der Papst einen Bischof ernenne, dann mache die Patriotische Vereinigung von ihrem offiziellen Recht Gebrauch und wähle diesen Bischof, so dass die Regierung keinen formalen Einwand mehr gegen ihn vorbringen könne.

Kardinal Zen unterstrich, dass die Weihe zweier Bischöfe ohne die Zustimmung Roms die Dialogbereitschaft nicht zunichte gemacht habe, und erinnerte seine Zuhörer daran, das besagte Hirten Papst Benedikt XVI. um Verzeihung gebeten hätten.

Die Unterdrückung durch das kommunistische Regime reinige die Kirche, unterstrich Kardinal Zen. Zugleich kritisierte er aber, dass sich die Situation vor kurzem erheblich verschlechtert habe.

„In China wird nicht nur die so genannte Untergrundkirche verfolgt, sondern auch die amtliche Kirche“, erklärte er. „Wenn wir das aus einer globalen Perspektive heraus betrachten, ist so etwas heute unglaublich. Wir können zwar sehen, dass es zahlreiche Kirchen gibt, die für die Anbetung geöffnet sind, und auch die Seminare sind voll; aber was wir nicht verstehen können, ist die Kontrolle, die von Seiten der Regierung ausgeübt wird.“

Wenn die chinesische Regierung nur ein wenig Verständnis für das Wesen der Kirche aufbrächte, „dann wüsste sie, dass sie nichts zu befürchten hat“, fuhr der Kardinal fort. „Sie müssten wissen, dass Religion viel zur Ausbildung, zur wirtschaftlichen Entwicklung und zum Fortschritt in China beitragen kann.“

Kardinal Zen bedankte sich abschließend beim Hilfswerk „Kirche in der Not“, indem er sagte: „Ihr ermutigt das chinesische Volk gläubig zu sein. Aber das chinesische Volk hilft auch uns, den Glauben zu bewahren. Wenn wir auf unsere leidenden Brüder und Schwestern schauen, sollten wir sehr dankbar sein. Denn wie viel haben wir für unseren Glauben leiden müssen?“