Kardinal Kasper: Ökumene als Beitrag zur Einheit Europas

„Wache, mutige und mündige Christen“ werden gebraucht

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LUND, 27. März 2007 (ZENIT.org).- Ökumene ist nach Worten von Walter Kardinal Kasper ein Beitrag zur Einheit Europas.



„Unsere ökumenischen Versöhnungsprozesse sollten ein ansteckendes und ermutigendes Beispiel sein“, sagte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen am Samstag bei der Kirchenleiterkonsultation und Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) im schwedischen Lund. „Ein Scheitern der Ökumene könnten wir weder vor Gott noch vor der Geschichte verantworten“, ergänzte der Kurienkardinal in seiner Antwort auf eine Rede des UN-Sonderbeauftragten und früheren finnischen Präsidenten, Martti Ahtisaari, zum Thema „Haus Europa“.

Kardinal Kasper sprach sich für die Integration von Ost- und Westeuropa aus. „Die ökumenische Annäherung zwischen orientalischen und westlichen Kirchen bietet dafür eine einmalige Chance“, betonte er. Außerdem trat er für die Gastfreundschaft gegenüber anderen Religionen und Kulturen ein, auch gegenüber dem Islam.

„Europa braucht eine Seele“, forderte Kardinal Kasper. Der „geistige Kitt“ von Werten und Idealen verbinde die Menschen über alle Unterschiede hinweg. Der Staatenbund dürfe kein zentralistischer Staat sein. „Es muss darum Schluss sein mit dem Europa der Bürokraten und ihrer zentralistischen Regelungswut.“ Stattdessen müsse die EU bürgernah sein.

Ein materialistischer Neo-Kapitalismus, ein sinnentleerter Konsumismus und eine moralische Laxheit seien keine Basis. „Europa braucht eine zweite Bekehrung zu Jesus Christus. Europa muss aufwachen, vielleicht sogar aufschrecken“, so Kardinal Kasper. Das europäische Haus stehe und falle mit wachen, mutigen und mündigen Christen, „die sich nicht wegducken, die vielmehr mit Freimut eintreten für den Glauben, für das Leben, für Freiheit und Gerechtigkeit, für die Familie, für Solidarität und für die Bewahrung der Schöpfung.“

An der LWB-Ratstagung in Lund (Schweden), die heute zu Ende ging, nahmen rund 500 Vertreter der LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil, unter ihnen mehr als 100 lutherische Kirchenleiter. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes.