Kardinal Kasper sieht Fortschritte in der Ökumene

Papsttreffen mit allen orthodoxen Patriarchen: "Gute Idee, um den Glauben in einer säkularisierten Gesellschaft zu bezeugen"

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ROM, 13. September 2005 (ZENIT.org).- Mit der bevorstehenden Veröffentlichung einer gemeinsamen lutherisch-katholischen Erklärung und der Wiederaufnahme der gemischten katholisch-orthodoxen Kommission werde man zwei entscheidende Etappen auf dem Weg der Ökumene erreichen, das sagte Walter Kardinal Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, in einem Interview, das kürzlich in der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlicht wurde.



"Alle Vertreter der christlichen Kirchen haben sich sehr über die Zusicherung des Papstes gefreut, ihm sei die Einheit ein vorrangiges Anliegen", erklärt Kardinal Kasper in der Samstagsausgabe von "La Repubblica". "Zusammen mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel haben wir die gemischte katholisch-orthodoxe Kommission wieder aufgenommen. Im Dezember werden wir ein Vorbereitungstreffen haben, im Frühling 2006 wird sich die Vollversammlung treffen."

Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel, der "Erste unter Gleichrangigen" ("primus inter pares") innerhalb der Orthodoxie und Vertreter von rund 200 Millionen Gläubigen auf der ganzen Welt, hat den Heiligen Vater außerdem zum Fest des Apostels Andreas, dem Patron der Kirche von Konstantinopel, am 30. November nach Istanbul eingeladen.

Die Begegnung des Papstes mit allen Patriarchen der orthodoxen Kirche hält Kardinal Kasper für eine "gute Idee, um den Glauben in einer säkularisierten Gesellschaft zu bezeugen und den gemeinsamen Wunsch nach voller Einheit zu bekunden". Ein derartiges Ereignis bedürfe allerdings "einer langen Vorbereitung", räumte der Kardinal ein.

Entschieden verbessert hätten sich jedenfalls die Beziehungen zwischen Papst Benedikt XVI. und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Alexij II. Ein Treffen würde zwar vielleicht nicht in Moskau stattfinden können, aber eventuell an einem "dritten Ort". Bisher habe Patriarch Aleksij II. allerdings betont, dass vor einem Treffen zwei Probleme gelöst gehörten: Die Missionierung der Katholiken im Osten sowie die Missionierung der mit Rom unierten Kirche. Kardinal Kasper meinte diesbezüglich, die Kirche habe klar gesagt, "dass die Abwerbung von Gläubigen weder zu unseren Absichten noch zu unserer Strategie gehört. Wenn in Sibirien beide Seiten Fehler begangen haben, dann sollte man das mit den Ortsbischöfen besprechen."

Die Beziehungen zum Lutherischen Weltbund bezeichnete der deutsche Kurienkardinal als "ausgezeichnet". Im Oktober, so kündigte er an, "werden wir ein neues gemeinsames Dokument über die Apostolizität der Kirche und die Apostolische Nachfolge veröffentlichen – ein Dokument von grundlegender Bedeutung. Außerdem wollen sich die Methodisten unserem gemeinsamen Dokument über die Rechtfertigungslehre anschließen", fügte er hinzu. Dabei handelt es sich um eine historische Einigung zwischen der römisch-katholischen und evangelisch-lutherischen Kirche in der Frage der Rechtfertigungslehre, die über 400 Jahre nach Martin Luther am 31. Oktober 1999 in Augsburg gemeinsam unterzeichnet wurde. Maßgeblichen Anteil am Zustandekommen dieser Erklärung hatte der damalige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Joseph Kardinal Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI.