Kardinal Koch: Engagement und pfingstliches Feuer nicht ohne Institution

Keine einfachen, global gültigen Lösungen

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 619 klicks

Konkrete Antworten auf konkrete Probleme mit den örtlichen Bischofskonferenzen erarbeiten: Dies ist nach dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, die Richtschnur für die Reaktion der katholischen Kirche auf die Herausforderungen der neuen pfingstlichen Bewegungen innerhalb und außerhalb der Kirche. Wie dieser Kongress deutlich gemacht habe, zeigten sich auf den einzelnen Kontinenten völlig verschiedene und komplexe Probleme, und es könne deshalb auch keine global gültigen und einheitlichen Lösungen geben. Grundsätzlich sei allerdings, die Spannung zwischen Institution und Charisma immer wieder neu zu entdecken, dies gelte für alle, die Kirche und die geistlichen Bewegungen, so Koch.

ZENIT hatte Gelegenheit, nach Abschluss der internationalen Konferenz in Rom „Evangelikale – PfingstkirchenCharismatiker: Neue Religiöse Bewegungen als Herausforderung für die katholische Kirche“ nach seinem Abschlussreferat den Vorsitzenden des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, zu den wichtigsten Ergebnissen des Treffens kurz zu befragen.

ZENIT: Die pfingstkirchlichen Bewegungen sind die zweitgrößte christliche Realität auf der Welt. Sehen sie die Ausbreitung  auch in Versäumnissen der katholischen Kirche begründet?

Kardinal Koch: Die Gründe für dieses Wachstum sind sehr vielfältig, man muss auch weltliche Gründe anführen, von denen ein wesentlicher die Demographie ist. Die Christen in Europa haben wenige Kinder, wohingegen andere Gruppierungen einen starken Nachwuchs haben. Dadurch breiten sich diese Gruppen aus. Prof. Jenkins hat dies als wesentlich hervorgehoben. Wenn wir selbstkritisch fragen, kommen in diesen Bewegungen natürlich auch Elemente vor, die ganz und gar zu unserer Kirche gehören, die aber vielleicht etwas vergessen worden sind.

ZENIT: Die neuen pfingstkirchlichen Bewegungen sind oft voll Enthusiasmus des geistlichen Lebens, ihnen fehlt aber Struktur. Sind die Gruppen für eine Institutionalisierung empfänglich und kann das eine Brücke der Ökumene darstellen?

Kardinal Koch: Ich glaube, wir müssen beides sehen. Natürlich braucht eine Bewegung Feuer und Engagement, aber es ist auch die Institution nötig. Je länger eine Gruppierung lebt, umso mehr muss sie sich institutionalisieren.  Hier wurzelt die Spannung zwischen Institution und Charisma. Jede Kirche muss das immer wieder neu entdecken.

ZENIT: Zeichnet sich bereits ein Schwerpunkt der Möglichkeiten ökumenischer Zusammenarbeit ab?

Kardinal Koch: Es ist mir noch viel deutlicher geworden, wie komplex und vielfältig dieses Phänomen als Ganzes ist. In jedem Kontinent finden wir eine andere Situation vor. Afrika und Lateinamerika zum Beispiel zeigen völlig verschiedene Phänomene. Die Konferenz hat vor allem gezeigt,  dass wir im Einheitsrat hier in Rom keine global gültigen Wegweisungen geben können, sondern dass wir intensiv mit den nationalen oder kontinentalen Bischofskonferenzen zusammenarbeiten müssen, um konkrete Antworten auf die konkreten Phänomene geben zu können.