Kardinal Koch erklärt das Zweite Vatikanische Konzil

Anmerkungen, um Dialog mit Konzilkritikern zu erleichtern

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ROM, 6.August 2012 (ZENIT.org). - Um die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils verständlicher zu machen gab Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, ein Interview für die Presseagentur Kipa/Apic. Das Interview wurde am 3. August auch im Osservatore Romano veröffentlicht.

Mit Bezug auf jene, die das Konzil als einen Fehler betrachten, erklärte der Kardinal: „Die Vorstellung, dass ein Konzil Fehler begehen könne, geht letztlich auf Martin Luther zurück. Allein diese Überlegung sollte den Traditionalisten genügen, um sich die Frage zu stellen, wo sie eigentlich stehen.“

Und auf die Kritik jener Konzilgegner, die das Konzil von Trient dem Zweiten Vatikanischen Konzil gegenüberstellen, antwortete der Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen: „Das Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete vier Konstitutionen, neun Dekrete und drei Erklärungen. Rein formell kann man zwar zwischen diesen drei Kategorien eine Unterscheidung treffen. Dann kommt allerdings das Problem auf, dass das Konzil von Trient (1545-1563) lediglich drei Dekrete verabschiedete und keine einzige Konstitution. Es käme niemandem in den Sinn zu behaupten, dass das Konzil von Trient deswegen von niedrigerem Niveau gewesen sei. Daher kann man zwar diese verschiedenen Dokumente der Form nach unterscheiden, aber man darf keinen Unterschied in der Verbindlichkeit des Inhalts der Dokumente machen.“

Zum Thema der Ökumene betonte Kardinal Koch, dass es „keineswegs zweitrangig, sondern ganz im Gegenteil ein zentrales Thema des Konzils“ gewesen sei, wie auch schon Johannes Paul II. erklärt habe. „Gerade deshalb wird heute in der Kirche so viel über die Ökumene gesprochen.“

In diesem Zusammenhang erinnerte der Kardinal daran, dass das Konzil ein Dekret über Ökumenismus herausgebracht habe – „Unitatis redintegratio“ – das seine Grundsätze aus der dogmatischen Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“ bezieht. Tatsächlich habe „Paul VI. bei der Verabschiedung des Dekrets mit Bestimmtheit erklärt, dass es die dogmatische Konstitution über die Kirche interpretiere und verdeutliche.“

In diesem Kontext finde „auch die Erklärung ‚Nostra aetate‘ des Konzils über die Beziehungen der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, besonders zum Judentum, ihr Fundament in der dogmatischen Konstitution über die Kirche.“

Kardinal Koch beendete sein Interview mit der Ankündigung, dass der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen in Zusammenarbeit mit dem Lutherischen Weltbund an einer gemeinsamen Erklärung zum fünfhundertsten Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 arbeite.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]