Kardinal Lehmann: Der weltweiten Einsatz der Hilfswerke der katholischen Kirche

Vortrag beim St. Michael-Jahresempfang in Berlin am 12. September 2007

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BERLIN, 13. September 2007 (ZENIT.org).- Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, hielt am Mittwochabend während des traditionellen St. Michael-Jahresempfangs des Kommissariats der deutschen Bischöfe in der Katholischen Akademie in Berlin vor Vertretern aus Kirche und Politik einen ausführlichen Vortrag zum Thema „Über den weltweiten Einsatz der Hilfswerke der katholischen Kirche“.



Der Kardinal wies unter anderem darauf hin, dass die kirchlichen Hilfswerke in ihrer Arbeit grundlegend mit den Ortskirchen in anderen Teilen der Welt verbunden sind, und fügte hinzu: „Auch wenn es im Bereich von Sozialprogrammen, Katastrophenhilfe und Entwicklungsarbeit in manchen Fällen effektiv ist, auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenzuarbeiten, bleiben die Diözesen und die kirchlichen Organisationen in aller Welt doch die geborenen Partner unserer Hilfswerke. Sie dürfen grundsätzlich nicht übergangen werden und sollen, soweit wie nur möglich, selbst die Träger der Projekte und Programme sein oder werden.“ Die Überwindung der Massenarmut könne nur gelingen, „wenn die Armen selbst immer mehr zu Trägern der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung werden“. Dazu bedürfe es der „Förderung von Basisgesundheitsdiensten, von Bildung und Ausbildung, Kleinkreditprogrammen und Gewerbeförderung“, aber auch der „Unterstützung beim Aufbau von wirtschaftlichen und politischen Selbstorganisationen der Armen“. Diese Maßnahmen ermöglichten es den gesellschaftlich am Rande Stehenden, „ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, für sich selbst zu sorgen und ihre Interessen eigenständig zu vertreten“.

Nach Worten von Kardinal Lehmann geht es also in erster Linie „um den Aufbau von Human- und Sozialkapital, der für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung größte Bedeutung besitzt“.

* * *

Wir reden viel von Globalisierung und Solidarität. Oft beklagen wir, dass die Solidarität angesichts der Globalisierung weitgehend zerbrochen ist und wiedergewonnen werden muss. In den Kirchen betreiben wir diese weltweite Hilfe schon längst. Darum soll am heutigen Abend von diesen „Hilfswerken“ die Rede sein. Es ist auch eine Selbstvergewisserung über die Reichweite des genuin Katholischen, diesmal sehr konkret. Es ist aber auch eine gute Gelegenheit des Entstehens einiger Werke[1] zu gedenken, denn viele sind vor ungefähr 50 Jahren, also noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil geboren worden. Sie sind auch ein unübersehbares Marken- und Gütezeichen der Kirche unseres Landes im vielfältigen Chor einer Weltkirche.

I.

Die internationale – oder in theologischer Begrifflichkeit gesprochen: die weltkirchliche – Arbeit der Katholischen Kirche in Deutschland verfügt über eine außerordentliche, manche gewiss auch verwirrende Vielfalt an Institutionen. Neben den Hilfswerken sind viele Diözesen und eine große Zahl von Pfarreien, die katholischen Verbände und Tausende „Eine-Welt“-Gruppen in diesem Feld aktiv. Vor allem die Ordensgemeinschaften verdienen besondere Erwähnung. Oft wird nicht hinreichend gewürdigt, welche unersetzlichen internationalen Erfahrungen sie in den langen Jahrzehnten, oft gar Jahrhunderten ihres Bestehens erworben haben. Von diesem Erbe zehrt die Kirche bis heute. Auch wegen der von ihnen aufgebrachten finanziellen Mittel und der weltweit engagierten Priester und Ordensfrauen sind die Orden weiterhin ein wichtiger Pfeiler des deutschen Engagements in der Weltkirche.

Auch an der kirchlichen „Basis“ zeigt sich eine bunte Palette von Aktivitäten: Hier werden die großen kirchlichen Kollekten beworben, die immer wieder erstaunliche Ergebnisse erzielen. Partnerschaften mit Kirchengemeinden in Osteuropa und in anderen Kontinenten werden gepflegt und pastorale wie soziale Projekte kontinuierlich unterstützt. Auch die politischen Kampagnen – etwa für das weltweite Verbot der Landminen oder einen durchgreifenden Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer – sind auf die Aktionsbereitschaft der kirchlichen Gruppen und Gemeinden angewiesen.

Wenn ich unsere Aufmerksamkeit heute Abend auf die kirchlichen Hilfswerke[2] richte, so ist also von vorne herein in Rechnung zu stellen, dass diese nur einen Teil der von Deutschland ausgehenden weltkirchlichen Aktivitäten bestreiten. Gleichwohl: Sie sind ein außerordentlich wichtiger Teil dieser Arbeit, der auch international hohe Wertschätzung findet. Zum einen nämlich sind die Werke mit den anderen Trägern des weltkirchlichen Engagements vielfältig vernetzt und leisten so einen Beitrag zur inneren Schlüssigkeit und Kohärenz der verschiedenen Aktivitäten. Nicht zuletzt helfen sie mit, dass die kleinteiligen Projekte von Gemeinden und Gruppen fachlich qualifiziert werden und ein gewisses Maß an Gerechtigkeit bei der lokalen und regionalen Verteilung von Hilfsprojekten gewährleistet wird.
Zum anderen legt sich eine gesonderte Betrachtung der Hilfswerke nahe, weil sich in ihnen der gemeinschaftliche Wille, mehr noch: das Selbstverständnis der Kirche in unserem Land manifestiert.

Die Hilfswerke sind keine bloßen Vereinigungen von Christen, die sich zu einem bestimmten Zweck zusammengeschlossen haben – wenngleich sie natürlich in hohem Maße auf die Mitwirkung und Spendenbereitschaft Einzelner angewiesen sind. Sie sind vielmehr kirchliche Werke, d.h. durch sie handelt die Kirche als Kirche. Lebensvollzüge des ganzen Gottesvolkes, wesentliche und unverzichtbare Aspekte der Kirche finden hier ihren konkreten Ausdruck.[3]

II.

Diese Feststellung bedarf der näheren Erläuterung. Dabei wird zugleich deutlich werden, welche die bestimmenden theologischen Gründe unserer weltkirchlichen Arbeit sind und was deren Motivation und Antriebskraft ausmacht.

Erstens
: In der weltkirchlichen Arbeit der Kirche und auch in ihren Hilfswerken konkretisiert sich die Sendung der Kirche, allen Menschen die Liebe Gottes zu bezeugen. Der Gott, an den die Christen glauben, verharrt nicht in undurchdringlicher Abgeschlossenheit bei sich selbst. Er eröffnet, wie schon die Schriften des Alten Testamentes zeigen, Gemeinschaft der Menschen mit Gott und untereinander. Diese Selbstoffenbarung Gottes findet in Jesus Christus ihren unüberbietbaren Höhepunkt. Aufgrund der Erfahrung mit dem Sohn Gottes kann die junge Kirche ihren Glauben in dem Bekenntnis verdichten: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,16).[4] Es ist der bleibende Auftrag, ja das Wesen der Kirche, diese Liebe Gottes zu verkünden und zu bezeugen. Gottes- und Nächstenliebe sind deshalb keine äußerlichen Gebote, die der Kirche und den Christen auferlegt wären. Stets ineinander verschränkt, sind sie die Essenz der kirchlichen Sendung, in der sich die Sendung Jesu selbst fortsetzt.

Zweitens: Alle Menschen sind Adressaten der Liebe Gottes und darum auch der christlichen Botschaft. Die Kirche ist ihrem Wesen nach universal, auf die gesamte Menschheitsfamilie hin ausgerichtet. Dies bedeutet auch, dass die einzelnen Ortskirchen sich nicht auf sich selbst zurückziehen können, sondern eine Mitverantwortung für das Leben der Menschen überall auf unserem Planeten haben. Nächstenliebe hat im Christentum – im Judentum sind dafür die Wurzeln – immer auch eine globale Dimension, wenngleich diese in den unterschiedlichen Epochen der Menschheitsgeschichte in sehr unterschiedlicher Weise und, abhängig von den konkreten Verhältnissen, in unterschiedlicher Dichte zum Ausdruck gekommen ist.

Drittens: Die mit der Gottesliebe verschränkte Nächstenliebe gilt dem ganzen Menschen. Mission, die Verkündigung, Verbreitung des Glaubens und soziales Engagement, das in unserer Zeit die Entwicklungsarbeit einschließt, dürfen deshalb nicht gegeneinander gestellt werden. Die Kirche hat nur eine Sendung, die jedoch in unterschiedlichen Diensten ihre Ausprägung finden kann. In all ihrem Tun bezeugt die Kirche eine unbezwingbare Hoffnung auf die Erlösung der Schöpfung und die Vollendung von Mensch, Welt und Geschichte, die letztlich nur als Werk Gottes erwartet werden können.[5]

Viertens: Mindestens ansatzweise haben diese Überlegungen zu klären vermocht, warum die Kirche in einen weltweiten Dienst gerufen ist, der missionarische Dynamik und die Bekämpfung von unwürdigen Lebensverhältnissen miteinander verbindet. Zum Verständnis der weltkirchlichen Arbeit muss aber noch die Rolle der Ortskirchen näher bestimmt werden. Hier ist an das Zweite Vatikanische Konzil zu erinnern, das Wesen und Aufgabe der Bischöfe und damit auch der Bistümer in vertiefter Weise durchdrungen und gewisse einseitige, zentralistische Tendenzen korrigiert hat. Deutlich hat das Konzil herausgestellt, dass die vom Bischof geleitete und in Einheit mit dem Papst stehende Ortskirche ihrerseits wirklich Kirche ist[6]. Deshalb – und nicht aus Gründen bloßer Zweckmäßigkeit – nehmen die Bischöfe an der Leitung der Weltkirche teil und tragen Mitverantwortung für das Leben der Kirche überall in der Welt.[7] Es ist den Bistümern daher nicht frei gestellt, ob sie sich auf den Austausch mit der Kirche in anderen Teilen der Erde einlassen wollen oder nicht. Vielmehr gilt: Da die Katholische Kirche in der Gemeinschaft (Communio) lokaler Kirchen existiert, sind die Ortskirchen um ihres eigenen Kirche-Seins willen konstitutiv auf die anderen bezogen. Es ist dieser weltkirchliche Grundzug ihres Wesens, den die Diözesen in Deutschland in ihrer je eigenen internationalen Arbeit und ebenso in den gemeinsam getragenen und aus Kirchensteuermitteln finanziell beachtlich unterstützten Hilfswerken in konkrete Praxis übersetzen. Gerade auch in dieser Weise leben unsere Ortskirchen ihre Katholizität, ihre Teilhabe an der allumfassenden Kirche.[8]

III.

Recht verstanden, sind die Werke also Instrumente und Kommunikationsstrukturen, in denen sich die weltkirchliche Verfasstheit und der weltkirchliche Auftrag der Kirche in Deutschland ausprägen.[9] Alle Werke sind in ihrer Arbeit daher grundlegend mit den Ortskirchen in anderen Teilen der Welt verbunden. Auch wenn es im Bereich von Sozialprogrammen, Katastrophenhilfe und Entwicklungsarbeit in manchen Fällen effektiv ist, auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenzuarbeiten, bleiben die Diözesen und die kirchlichen Organisationen in aller Welt doch die geborenen Partner unserer Hilfswerke. Sie dürfen grundsätzlich nicht übergangen werden und sollen, soweit wie nur möglich, selbst die Träger der Projekte und Programme sein oder werden.

Partnerschaft bedeutet allerdings nicht, dass unsere Werke zu reinen Finanzierungsstellen für Vorhaben anderer Ortskirchen degenerieren dürften. Echtes Miteinander schließt die sorgfältige Prüfung der Projekte ein. Wohl begründete und im Geiste des Vertrauens vorgebrachte Kritik darf den Partnern nicht vorenthalten werden. Dies sind wir nicht nur denen schuldig, die die Arbeit unserer Werke ideell und materiell unterstützen, sondern auch den anderen Ortskirchen, die man auf eine subtile Weise nicht ernst nähme, wenn man ihnen das kritische Gespräch verweigerte.

Zur Partnerschaft in der kirchlichen Communio gehört schließlich auch, dass die Kommunikation nicht zu einer Einbahnstraße gerät. Der Dienst der Werke umfasst nicht nur den Transfer von Wissen, Erfahrungen und Geld. Es ist ebenso wichtig, dass die Werke Kirche und Christen hierzulande mit den Entwicklungen, Hoffnungen, Nöten und Sorgen der osteuropäischen und der überseeischen Kirchen bekannt machen. Von den Aufbrüchen der Armen ebenso wie von den theologischen und pastoralen Entwicklungen andernorts wissen wir in unseren Breiten auch heute noch viel zu wenig. Und noch immer erkennen wir nicht in ausreichendem Maße, welchen Beitrag der Austausch mit den Kirchen im Süden und Osten zur Evangelisierung in Deutschland erbringen kann. So lassen wir Chancen ungenutzt, die sich daraus ergeben, dass unsere Kirche Weltkirche ist.

IV.

Schon ein kurzer Überblick lässt die Vielfalt an Handlungsfeldern, Methoden und Aktivitäten der Werke erkennen.

MISSIO ist ein Kind der religiösen Erneuerung und der missionarischen Bewegung des 19. Jahrhunderts. Auf Initiative eines katholischen Laien entstand nach Vorläufern, auch im Ausland, 1832 der Franziskus-Xaverius-Verein in Aachen; MISSIO kann deshalb in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen feiern. 1838 genehmigte der bayerische König Ludwig I. zudem die Gründung des „Ludwig Missionsvereins“. Beide Einrichtungen wurden 1922 in den Rang von Päpstlichen Missionswerken erhoben. Die institutionelle Eigenständigkeit der Häuser – Missio Aachen und Missio München – besteht bis heute fort; beide verstehen sich jedoch inzwischen als immer enger verknüpfte Zweige von MISSIO Deutschland. Dem Werk ist die Aufgabe zugewiesen, das missionarische Bewusstsein in der Kirche in Deutschland zu stärken und die Ortskirchen in Afrika, Asien und Ozeanien in ihrer pastoralen Arbeit materiell zu unterstützen. Der Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (Priester, Ordensfrauen, Katecheten usw.) und der Sicherung pastoraler Strukturen kommen dabei besondere Bedeutung zu. Darüber hinaus trägt MISSIO Wesentliches zum kontinuierlichen Austausch der Gaben zwischen der Kirche in Übersee und in Deutschland bei.[10] Ein wichtiges Organ ist der Deutsche Katholische Missionsrat (DKMR), ein Zusammenschluss aller Einrichtungen und Organisationen der katholischen Kirche unseres Landes, die für die Weltmission tätig sind. Die Anfänge dazu liegen schon am Ende des 19. Jahrhunderts.

Zu den Päpstlichen Missionswerken gehört auch das Kindermissionswerk / Die Sternsinger. Auch dessen Gründung geht auf die Missionsbewegung des 19. Jahrhunderts, ja noch weiter: auf Dreikönigsspiele und Dreikönigssingen zurück. Das Kindermissionswerk unterstützt pastorale und soziale Projekte, die Kindern in Lateinamerika, Asien, Afrika und Osteuropa zugute kommen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der schulischen und außerschulischen Bildung. Vielen ist das Kindermissionswerk durch die jährliche Aktion Dreikönigssingen bekannt, die seit 1958 gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) durchgeführt wird. Das Dreikönigssingen hat in den vergangenen Jahren immer größeren Zuspruch gefunden. Es ist die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Es wird von Kindern und Erwachsenen in unseren Gemeinden und darüber hinaus begeistert angenommen. Als Aktion von Kindern für Kinder stellt das Sternsingen auch einen unersetzlichen Beitrag zu einer missionarischen Seelsorge in Deutschland dar.[11] Auch ist der religionspädagogische Ertrag aller Beachtung wert.

In diesem Zusammenhang muss auch das Päpstliche Missionswerk der Frauen in Deutschland genannt werden. Diese Vereinigung, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gegründet, war von Anfang an durch ein doppeltes Ziel geprägt: zum einen die Unterstützung der Mission durch die Gestaltung der Liturgie mit Gewändern und Kultgeräten und zum anderen die Sorge um die Not einheimischer Frauen und Mädchen, besonders der Loskauf von Sklavinnen. Die Aktivierung von Frauen für Frauen zeigt sich vor allem in Projekten gegen Menschenrechtsverletzungen, wie z.B. Zwangsprostitution, Zwangsmigration und Zwangsabtreibung. Das Missionswerk versteht sich auch als Gebetsgemeinschaft.

MISEREOR ist das Bischöfliche Hilfswerk gegen „Hunger und Krankheit in der Welt“. 1958, vor bald 50 Jahren, von den deutschen Bischöfen gegründet, dient MISEREOR den Armen im Süden unserer Welt – „ungeachtet von Rasse, Geschlecht, Religion und Nation“. MISEREOR wurzelt in der universalen Sendung der Kirche, verfolgt aber keine missionarischen Ziele im Sinne unmittelbarer Glaubensverkündigung. Auf diese Weise soll dem Verdacht einer Verzweckung des sozialen Engagements, der auch der Bildung breiter gesellschaftlicher Allianzen der Solidarität mit den Armen im Weg stehen könnte, entgegengewirkt werden. Die Arbeit von MISEREOR beruht auf den Grundsätzen der Hilfe zur Selbsthilfe und des anwaltschaftlichen Dienstes an den Armen – Merkmale, auf die gleich noch etwas näher eingegangen werden soll. Die enge Verbundenheit zwischen Katholischer und Evangelischer Kirche in den Fragen der Entwicklung findet ihren Niederschlag in der beständigen Zusammenarbeit zwischen MISEREOR und dem Evangelischen Entwicklungsdienst sowie mit dem Werk „Brot für die Welt“.

Beim Hilfswerk MISEREOR ist auch die „Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe“ angesiedelt, also die Plattform der Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche im Bereich der Entwicklungsarbeit. Wie wir als Kirche Grund haben, allen dankbar zu sein, die sich an den jährlichen Kollekten für die Hilfswerke beteiligen und die durch Spenden, Erbschaften und Stiftungsgelder die weltkirchliche Arbeit ermöglichen, so auch für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Staat, die seit 1962 in Form der Katholischen und der Evangelischen Zentralstelle besteht. Alle Bundesregierungen seither haben sich auf ein Modell der Kooperation eingelassen, das die Trennung von Staat und Kirche wahrt, zugleich aber die Kirchen an der Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben im Bereich von Entwicklung und weltweiter Armutsbekämpfung beteiligt. Für diesen Zweck werden staatlicherseits beachtliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt. In der Auswahl der Projekte sind die Zentralstellen jedoch selbstständig und werden nicht durch politische Vorgaben gebunden oder gar gegängelt. Was auf den ersten Blick wie eine Begünstigung durch den Staat wirken mag, ist in Wirklichkeit auch für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit von beträchtlichem Vorteil. Auf ihren eigenen Kanälen nämlich erreichen die Kirchen die Armen oft sehr viel direkter, als dies in der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit möglich ist. Gerade wo es um die Selbstorganisation der Armen geht, die in vielen Entwicklungsländern den Argwohn der herrschenden Eliten auf sich zieht, können die Werke Unterstützung leisten, die vom Staat nicht oder nicht in gleicher Weise erbracht werden kann. Als Kirche sind wir gewiss, dass die guten Erfahrungen, die beide Seiten in 45 Jahren der Zusammenarbeit gemacht haben, das Rüstzeug für eine vertrauensvolle Kooperation auch in der Zukunft darstellen.
Hier sei weiter Caritas international erwähnt, das internationale Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, das Not- und Katastrophenhilfe für die Opfer von Kriegen, Naturkatastrophen und anderen akuten Krisen leistet und daneben auch den Aufbau von sozialen Diensten in armen Ländern fördert. Auch in der Nothilfe wird darauf geachtet, dass die Aktivitäten fremder Helfer die örtlichen Strukturen der Selbsthilfe berücksichtigen und keine langfristigen Abhängigkeiten entstehen. Caritas international beim Deutschen Caritasverband ist zu unterscheiden und zugleich zu verbinden mit dem Dachverband Caritas Internationalis in Rom, eine „Internationale Konföderation katholischer Verbände für caritative und soziale Aktion“. Diese wurde 1951 gegründet, soll die Schaffung und Entwicklung nationaler Caritasverbände fördern und die Not- und Katastrophenhilfe im Bereich der Kirche koordinieren, ohne die Autonomie der nationalen Caritasverbände aufzuheben. Sie hat 2004 eine endgültige rechtliche Struktur erhalten.

ADVENIAT wurde 1962 von der Deutschen Bischofskonferenz gegründet, um die rasant wachsende Kirche in Lateinamerika beim Aufbau pastoraler Strukturen und bei der Ausbildung von kirchlichem Personal zu unterstützen. Heute lebt etwa die Hälfte der Katholiken weltweit in Lateinamerika. Die V. Generalversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, die im Mai 2007 im brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida abgehalten wurde, hat erneut vor Augen geführt, über welchen menschlichen und geistlichen Reichtum die Kirche im lateinamerikanisch-karibischen Raum verfügt. Offenkundig wurden aber zugleich die soziale Zerrissenheit der dortigen Gesellschaften, an deren Überwindung sich die Kirche auch künftig mit aller Kraft beteiligen muss, und neue Herausforderungen für die Pastoral, die sich angesichts eines Erwachens der vorkolonialen Kulturen und des Anwachsens pfingstlerischer Bewegungen stellen. Für uns in Deutschland ist ADVENIAT eine unverzichtbare Brücke für den Austausch mit einer Kirche, deren Bedeutung innerhalb des Weltkatholizismus wohl noch zunehmen dürfte.

RENOVABIS ist das jüngste der kirchlichen Hilfswerke. 1993, nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa, gegründet, unterstützt es dort die religiöse und gesellschaftliche Erneuerung. Die institutionelle Unterscheidung von pastoraler und sozialer Arbeit, die die Landschaft unserer Werke ansonsten prägt, wurde hier nicht übernommen und ein stärker ganzheitlicher Ansatz zur Geltung gebracht. Auch wenn die Lage in den einzelnen Ländern Osteuropas sehr unterschiedlich ist, haben die Entwicklungen der letzten Jahre zweifelsfrei erwiesen, dass sich unzählig viele Menschen ihren Hunger nach Sinn und seiner Erfüllung in Gott nicht von einer staatlich verordneten atheistischen Ideologie haben austreiben lassen. Gerade in dieser eminent missionarischen Situation sind der freundschaftliche Umgang und das gemeinsame Zeugnis der Kirchen von besonderer Bedeutung. Die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung, die im September 2007 im rumänischen Sibiu / Hermannstadt stattfand, hat einmal mehr gezeigt, welche Aufgaben hier noch auf die Kirchen im Osten und Südosten Europas warten. Durch Dialog und konkrete Hilfe trägt auch RENOVABIS zur Vertiefung der ökumenischen Beziehungen bei.

V.

Es ist evident, dass sich in den Ausprägungen des weltkirchlichen Austausches und der internationalen Arbeit der Kirche Signatur und Herausforderungen unserer Epoche spiegeln. Weltkirchliches Engagement vollzieht sich heute im Kontext und in der Auseinandersetzung mit der Globalisierung – ein vielschichtiger Prozess, der durch technologische und ökonomische Entwicklungen, politische und soziale Veränderungen ebenso wie durch sozio-kulturelle Faktoren bestimmt wird.[12] Dabei trägt die Globalisierung, jedenfalls bis heute, deutlich die Züge einer Expansion der europäisch-amerikanischen Moderne und der westlichen Zivilisationen.

Eine auch nur halbwegs gründliche Analyse dieser Prozesse kann unmöglich an dieser Stelle vorgenommen werden. Sie müsste sich zum Bespiel intensiv auch mit den globalen Umweltgefahren und der internationalen Migration auseinandersetzen. Ausdrücklich beschränke ich mich hier stattdessen auf die Armutsfrage und die sozial-kulturellen Dimensionen des Globalisierungsprozesses, um sodann jeweils nach den Aufgaben der Kirche und ihrer Hilfswerke zu fragen.

Der G-8-Gipfel, der im Juni 2007 in Heiligendamm abgehalten wurde, hat den Blick der internationalen Öffentlichkeit wieder einmal auf die desolate Lebenssituation von fast 1,5 Milliarden Menschen gelenkt. Hunger und Mangelernährung; fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung; Analphabetismus und fehlende Bildungschancen; Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Ausbeutung – diese Stichworte beschreiben die Lebenswelten unzähliger Menschen. Armut – das heißt Ausschluss von jenen zivilisatorischen Errungenschaften, die wir im Westen als selbstverständliche Voraussetzungen eines menschenwürdigen Lebens betrachten. Sie bedeutet darüber hinaus Marginalisierung: Arme sind in ihren eigenen Ländern und in der Weltgesellschaft an den Rand gedrängt. Sie gehören letztlich nicht dazu.

Es wäre verfehlt, die wirtschaftliche Globalisierung – die Ausweitung des Welthandels, die dynamische Entwicklung der internationalen Finanzmärkte, die stark angewachsenen Direktinvestitionen in Entwicklungsländern, neue Formen der Arbeitsteilung bei der Herstellung von Produkten und die Herausbildung eines Weltarbeitsmarktes – einseitig für die Armutsverhältnisse in der heutigen Welt verantwortlich machen zu wollen. Die Bilanz der Globalisierung ist gemischt. Auf der Weltebene hat sie das wirtschaftliche Wachstum – wenngleich mit problematischen ökologischen Nebenwirkungen – beschleunigt und den Wohlstand vermehrt. Aber es gibt in diesem Prozess Gewinner und Verlierer, wobei sich das klassische Schema des Nord-Süd-Konflikts zunehmend auflöst. Einige Entwicklungsländer – vor allem in Asien und Lateinamerika – konnten die neuen Bedingungen nutzen und gesamtgesellschaftliche Wohlstandsgewinne erzielen. Im subsaharischen Afrika hingegen hat sich – sieht man von der Bedeutung einiger Länder als Lieferanten von Rohstoffen ab – der Trend zur Abkoppelung vom Weltmarkt verstärkt und die Armut verfestigt. Darüber hinaus gehört es zu den Merkmalen der Globalisierung, dass sie das Sozialgefüge innerhalb der Länder verändert. So vertiefen sich z.B. mit der Herausbildung einer Mittelklasse in den Zentren Chinas zugleich die soziale Kluft und die gesellschaftlichen Spannungen im Land. Auch in den traditionellen Industrieländern der nordatlantischen Hemisphäre geht die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Verlierern und Gewinnern der Globalisierung zunehmend auseinander.[13]

VI.

Einfache Lösungen kann es hier nicht geben. Nur Scharlatane haben Patentrezepte im Angebot. Resignation oder eine Aussöhnung mit dem Stand der Weltverhältnisse ist uns gleichwohl nicht gestattet. Die globale Massenarmut ist ein Skandal, der vor dem Forum der nationalen und der internationalen Öffentlichkeit immer wieder angeklagt werden muss, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Ganz gewiss ist die Beunruhigung des Weltgewissens Verpflichtung einer Kirche, die Gottes Zuwendung zu allen Menschen zu bezeugen hat. Auch die Hilfswerke, vor allem die im sozialen und entwicklungspolitischen Bereich tätigen, haben hier einen wichtigen Auftrag zu erfüllen.

Schon bei der Gründung von MISEREOR im Jahre 1958 hat der Kölner Kardinal Josef Frings eine der Aufgaben darin gesehen, den „Mächtigen der Erde“ und auch der Öffentlichkeit ins Gewissen zu reden[14]. An der Aktualität dieses Auftrags hat sich bis heute nichts geändert. Aber auch die anderen Werke sind auf ihre je eigene Weise, besonders durch die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, daran beteiligt, die Kirchengemeinden in unserem Land und die größere Öffentlichkeit über die Verhältnisse in den armen Ländern zu informieren und für die menschliche Not zu sensibilisieren.

Wir dürfen als Kirche jedoch nicht bei einer anklagenden Zeit-Ansage stehen bleiben. Hier ist ein Blick in die Geschichte lehrreich. Denn schon in der Auseinandersetzung mit der Sozialen Frage, die im Zuge der europäischen Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstand, hat die Kirche einen mehrgestaltigen Ansatz verfolgt, der auch heute zur Orientierung beitragen kann.

So hat die Kirche damals ein modernes ordnungspolitisches Denken entfaltet, das sich scharf sowohl von einem Laissez-faire-Kapitalismus als auch von der marxistischen Revolutionshoffnung absetzte. Die Entwicklung einer Sozialen Marktwirtschaft vor allem in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts verdankte sich unter anderem jenen ordnungsethischen Anstößen, die in der Katholischen Soziallehre und in der Evangelischen Sozialethik entwickelt worden waren. Angesichts der Herausforderungen durch die wirtschaftliche Globalisierung steht die Frage nach der guten und gerechten Ordnung heute neu auf der Tagesordnung.[15]

Dies betrifft die Entwicklungsländer, die durch konsequente Reformen der staatlichen Strukturen, die Gewährleistung von Rechtsstaatlichkeit sowie wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Partizipationsmöglichkeiten wesentliche Voraussetzungen für die Überwindung von Armut schaffen können. Nicht weniger aber stehen die internationalen Ordnungsstrukturen auf dem Prüfstand. Ohne eine Weltordnungspolitik, die die rückläufige Gestaltungsmacht der Nationalstaaten kompensiert, kann die weltweite Armutskrise ebenso wenig gelöst werden wie die Umwelt- und Klimaproblematik. Aus der Erfahrung Europas wissen wir: Marktwirtschaft bedarf verbindlicher Rahmenbedingungen, um nicht über Kurz oder Lang zu einem sozialdarwinistischen survival of the fittest zu degenerieren, das die Existenzgrundlagen der Marktwirtschaft selbst untergräbt. Der für die Funktionsfähigkeit der Markwirtschaft erforderliche Ordnungsrahmen ist jedoch nicht wertfrei und inhaltlicher Profilierung unzugänglich. Wie auf nationaler, so kann und muss er auch auf internationaler Ebene so ausgestaltet werden, dass die wirtschaftlichen und sozialen Belange der Armen berücksichtigt und ihnen faire Chancen der Beteiligung eröffnet werden.

Besonders der Deutschen Kommission Justitia et Pax kommt im katholischen Bereich die Aufgabe zu, Analysen und Konzepte zu den vielfältigen Fragen von Entwicklungs- und Weltordnungspolitik zu erarbeiten und in das gesellschaftliche und politische Gespräch einzubringen. Papst Paul VI. hat 1967 die Bildung dieser Kommission weltweit angeregt. Justitia et Pax wird seit 1994 formell von der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragen und ist eine Art „Runder Tisch“ der katholischen Einrichtungen, die sich mit Friedens-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik befassen und in der internationalen Arbeit tätig sind. Der wissenschaftlichen Begleitung in diesen Fragen dient die von der Deutschen Bischofskonferenz berufene „Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben“, die Hochschullehrer verschiedener Fachrichtungen zusammenführt.[16]

Der Dialog, den die Kirche unter Federführung des Kommissariats der deutschen Bischöfe (Katholisches Büro Berlin) mit Parlament, Regierung, Parteien und gesellschaftlichen Organisationen führt, ist auf Kompetenz, Wissen und Erfahrung der vielen Träger weltkirchlicher Arbeit und auf deren Koordination angewiesen. Es ist gute Praxis, dass dabei auch die enge Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche gesucht wird. In der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) arbeiten beide Kirchen schon seit 1971 zusammen, um das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen zu suchen. Immer geht es darum, im politischen Kräftespiel die Interessen der Armen zu vertreten und ihren Stimmen Gehör zu verschaffen.

Kirchliche Entwicklungsarbeit setzt aber nicht allein, ja nicht einmal zuerst auf der Ebene nationaler und internationaler Politik an. Auch die Lobby-Funktion für die Armen beruht nämlich wesentlich auf der konkreten Erfahrung der Arbeit mit den Armen. Es ist ein Spezifikum der von der Kirche und ihren Organisationen in die gesellschaftliche und politische Debatte eingebrachten Beiträge, dass sie in einem weltweiten Netzwerk entstehen, das sich durch die Nähe zu den Armen auszeichnet.
Nach allem, was wir wissen, wird die Überwindung der Massenarmut nur gelingen, wenn die Armen selbst immer mehr zu Trägern der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung werden. Schon in der Auseinandersetzung mit der Sozialen Frage in Europa hat die Kirche wirtschaftliche Betätigungen und neue Organisationsformen der Unterprivilegierten angestoßen. Dieser Ansatz ist auch in unserer Zeit hoch bedeutsam. Die Förderung von Basisgesundheitsdiensten, von Bildung und Ausbildung, Kleinkreditprogramme und Gewerbeförderung, aber auch die Unterstützung beim Aufbau von wirtschaftlichen und politischen Selbstorganisationen der Armen ermöglichen es den gesellschaftlich am Rande Stehenden, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, für sich selbst zu sorgen und ihre Interessen eigenständig zu vertreten. Ökonomisch gesprochen handelt es sich dabei um den Aufbau von Human- und Sozialkapital, der für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung größte Bedeutung besitzt. Es wäre deshalb grundlegend verfehlt, kirchliche Projektarbeit als eine interne Angelegenheit zu verstehen, die die gesellschaftlichen Probleme unberücksichtigt lässt. Sie bedeutet Struktur-Bildung von unten, ohne die keine tragfähige Entwicklung möglich ist. Wir wissen: Dieser Prozess kann nur gelingen, wenn keine Maßnahmen von außen oktroyiert werden, sondern das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe konsequent durchgehalten wird.

VII.

Über die technologischen und sozial-ökonomischen Zusammenhänge hinaus zeichnet sich die Globalisierung durch eine sozio-kulturelle Dimension aus. Denn unbestreitbar verfügt das Leitbild der westlichen Zivilisation über eine erhebliche Strahlkraft. Dies hängt zum einen mit der ernormen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der entwickelten Industrienationen und mit dem Wohlstand zusammen, über den hier auch die breiten Mittelschichten verfügen. Vielen in den ärmeren Weltgegenden erscheint darüber hinaus aber auch ein gesellschaftliches und politisches System attraktiv, das Menschenrechte, persönliche Freiheiten sowie gesellschaftliche Teilhabe und Demokratie sichert bzw. ermöglicht. Über Radio, Fernsehen und Internet sind die westliche Kultur und das ihr zugrunde liegende Wertesystem mittlerweile auch in entlegenen Dörfern präsent. Europäische und nordamerikanische Markenartikel, die über ihren konkreten Nutzwert hinaus vor allem Ausdruck westlichen Lebensgefühls sind, erfreuen sich global großer Beliebtheit. Die amerikanische Populärkultur – Musik, Film und Kleidung – prägt die Jugendlichen fast überall auf der Welt. So hat sich mit dem Ende der Kolonialzeit und dem Niedergang eines kulturellen Überlegenheitsdünkels des Westens dessen kulturelle Dominanz keineswegs vermindert. Auf den Wegen der Globalisierung breitet sie sich durchgreifender aus als je zuvor.

Auch liberale europäische Intellektuelle, wie z.B. der Herausgeber der „Zeit“ Josef Joffe, die die „Dampfwalze der Moderne“ für letztlich segensreich halten, vertreten die Auffassung, dass die kulturellen Wirkungen und Verwerfungen der sich globalisierenden europäischen Moderne im Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels (1848) zwar überspitzt und polemisch, jedoch in der Grundtendenz durchaus zutreffend bestimmt worden sind[17]: „Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeois-Epoche vor allen früheren aus. […] Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht. […] An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander“.[18]

In der Tat gehen die Expansion der europäischen Moderne und ihr Zusammenprall mit traditionellen Kulturen mit erheblichen kulturellen Verwerfungen und Friktionen einher. Es treffen unterschiedliche Vorstellungen von Zeit, Raum und Natur aufeinander, überschaubare Lebensverhältnisse und Sozialstrukturen werden in den Strudel allgemeiner Vernetzung hineingezogen und darin aufgelöst. Kulturelle Überlieferungen verlieren angesichts veränderter Umstände an Deutungs- und Orientierungskraft.

Wenn man dies feststellt, bedeutet dies keineswegs traditionelle Kulturen romantisch zu verklären. Viele Menschen erfahren die davon geprägten Lebensverhältnisse als räumlich wie geistig beengend und sind nur allzu gerne bereit, sie zu verlassen und zu überwinden. Mit den Worten Hermann Lübbes: „Es wäre Unfug, diese globale Expansionskraft der modernen Zivilisation in kulturkritischer Manier als Resultat der Machenschaften ökonomischer Imperialisten erklären zu wollen“. Denn „das, was wir ‚Globalisierung’ nennen, fände doch gar nicht statt, wenn die Erfahrung der überwiegenden Begünstigung durch [den Globalisierungsprozess] nicht weltweit die politisch maßgebende Erfahrung wäre“[19].

Auf der anderen Seite müssen wir uns die ökonomischen wie lebensweltlich-kulturellen Verwerfungen, die im Zuge der Globalisierung ausgelöst werden, ungeschminkt vor Augen führen, um die Intensität der Identitätskonflikte zu verstehen, die weltweit vermehrt aufflammen und oft gewalttätig ausgetragen werden. Kulturell-religiöse und ethnisch-nationale Identitätsbildungen gewinnen heute neues Gewicht, und Geschichte und Religion werden zum Rohstoff von Identitätspolitik. In vielen Teilen der Welt wachsen Widerstände gegen die kulturellen Vereinheitlichungstendenzen, die durch die Globalisierung vorangetrieben werden. Die Unruhe, die die muslimische Welt erfasst hat, die Phänomene religiös-weltanschaulicher Verhärtung und Radikalisierung sowie der kulturellen Abgrenzung gegenüber den Werten Europas sind das zurzeit augenfälligste Beispiel. Aber auch die Entwicklungen, die nach dem Ende des Kalten Krieges in weiten Teilen der ehemaligen Sowjetunion und auf dem Balkan stattgefunden haben, gehören ebenso in diesen Zusammenhang wie das neu erwachte Selbstbewusstsein der einheimischen Völker in Lateinamerika und eine große Zahl ethnisch mitbestimmter Konflikte in Afrika.[20] Karl Otto Hondrich dürfte Recht haben, wenn er darauf hinweist, dass diesen Krisenphänomenen nicht allein soziale und ökonomische Ursachen zugrunde liegen und deren Gewaltpotenziale deshalb auch nicht ausschließlich durch bessere nationale und internationale Wirtschafts- und Sozialpolitik entschärft werden können: „In unserem Wunschbild, Gesellschaften über Interessenausgleich und vernünftige Verhandlungen zu steuern, haben wir die Wucht und Prägekraft kultureller Zusammengehörigkeitsgefühle sträflich unterschätzt. Es sind aber gerade die Konflikte zwischen kollektiven Identitäten oder Wertegemeinschaften, in denen es keinen Kompromiss, sondern nur ein Entweder-Oder gibt, und die deshalb zu Gewalt und Krieg auflaufen können.“[21]

VIII.

Die katholische Weltkirche und auch die Kirche in Deutschland mit ihren Werken bewegen sich in diesem hoch sensiblen Gelände, sozusagen auf leicht entflammbarem Grund. Auch die Verfolgung und Diskriminierung von Christen in verschiedenen Weltregionen gehören in diesen Zusammenhang. Vielfach sind sie bedrängender Ausdruck von Identitätskonflikten, in die auch die Religionen hineingezogen sind.

So müssen wir fragen: Was ist der Kirche angesichts einer rasant zusammenwachsenden, zur gleichen Zeit aber vom Kampf partikularer Identitäten zerrissenen und von Gewalt durchfurchten Welt aufgetragen? Was bedeutet es für die Kirche, für ihre Gestalt und ihr Handeln, dass sie sich – mit einem Wort des Zweiten Vatikanischen Konzils – als „Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug […] für die Einheit der ganzen Menschheit“[22] versteht? Tatsächlich, so scheint mir, verfügen wir als Kirche für den Umgang mit der weltweiten kulturellen Umbruchsituation über Möglichkeiten, die außerhalb des Aktionsradius politischer und zivilgesellschaftlicher Kräfte liegen. Diese Möglichkeiten sind zugleich unsere Aufgaben.

Die wohl wichtigste Herausforderung besteht darin, dass die Kirche in sich selbst die Spannungseinheit zwischen Universalität und kulturell geprägten Partikularidentitäten verwirklicht – zwischen dem einen Glauben und der Vielfalt seiner unterschiedlichen Gestalten in den Kulturen der Welt. Die Verwurzelung des Christentums in einer Kultur ist indes alles andere als ein harmloser und konfliktfreier Vorgang. Denn keineswegs kann einfach vorausgesetzt werden, dass das Selbstverständnis von Mensch und Gesellschaft, das sich in den Kulturen ausspricht, mit der Botschaft des Christentums einfach kompatibel ist. Die Begegnung von Kultur und Glaube enthält deshalb immer auch ein Moment von Konfrontation, und die Kirche bleibt sich und ihrer Botschaft nur treu, wenn sie in diesen Prozessen ihren Herrn, Jesus Christus selbst, als unterscheidendes Kriterium zur Sprache bringt. Christliche Religions- und Ideologiekritik ist ein unverzichtbares Element in allen Inkulturationsprozessen.
In diesen Überlegungen ist bereits angedeutet, dass es sich bei der Verwirklichung einer im Glauben geeinten und zugleich kulturell pluriformen Kirche um ein fundamentales dialogisches Geschehen handelt. Dies wird noch klarer, wenn man bedenkt, dass die Kirche und ihre Botschaft den verschiedenen Kulturen niemals als Abstraktum gegenübertreten, sondern ihrerseits durch geschichtlich gewachsene kulturelle Prägungen bestimmt sind. Das Ringen um Einheit und Vielfalt vollzieht sich daher wesentlich als ein beständiger interkultureller Dialog, der auf die Beiträge der verschiedenen Ortskirchen angewiesen ist. Auf diese Weise gewinnt die kirchliche Communio ihre konkrete Gestalt. Vor allem durch ihre Missionswerke, die den weltweiten Dialog innerhalb der Kirche fördern sollen, nimmt auch die Kirche in Deutschland aktiv an diesen Prozessen teil.

Zu den Wegen einer interkulturellen Verständigung, die die Identitätskonflikte in der heutigen Welt wenigstens mildern und zivilisieren können, zählt auch der interreligiöse Dialog, über den ich in meiner Ansprache beim St. Michael-Jahresempfang 2006 ausführlich gesprochen habe.[23] Wenn er mit großer Nüchternheit und ohne Illusionen, zugleich mit wachem Herzen und dem Willen zu gegenseitigem Verstehen geführt wird, kann dieser Dialog dazu beitragen, kulturell-religiösen Verfeindungen entgegenzuwirken.[24] Es ist deshalb gut, dass die Hilfswerke Dialogprogramme der katholischen Ortskirchen mit anderen Religionen unterstützen und auch von den lokalen Kirchen getragene Projekte interreligiöser Zusammenarbeit in Fragen von Entwicklung und Armutsbekämpfung ermöglichen.

Eine letzte Bemerkung: Wie ich versucht habe zu zeigen, gehört die Ausbreitung der westlichen Zivilisationen zu den Merkmalen der heutigen Globalisierung. Dieser Prozess wird von vielen als leidvoll empfunden; er ist mit Gefahren und Verlusten verbunden. So muss es nicht verwundern, dass angesichts der offenkundigen Ambivalenzen mancherorts auch in der Kirche ein Generalressentiment gegen die moderne Welt heranwächst. Eine solche Haltung darf aber den Weg der Christen letztlich nicht bestimmen. Gerade wir als Kirche in Deutschland und in der westlichen Welt haben hier einen besonderen Auftrag. Den Partnern im Osten und Süden schulden wir das Zeugnis unserer eigenen oft schmerzvollen, im Ganzen aber doch produktiven Auseinandersetzung mit der europäischen Moderne – mit technischer Rationalität, Aufklärung, Demokratie, Autonomie und Individualisierung. Wir verfügen über Erfahrungen, die anderen nützen können und die wir ihnen deshalb nicht vorenthalten dürfen. Die Weltkirche ist keine Gemeinschaft des Wehklagens über den stets problematischen Lauf des Weltgeschehens. Sie ist eine solidarische Lerngemeinschaft im Glauben, die sich auch den schwierigen Herausforderungen zu stellen weiß, die die heutige Globalisierung an uns heranträgt. Denn wir glauben an einen Gott, der Herr aller Geschichte ist. Gerne wiederhole ich hier das Wort eines Laien aus der Frühzeit des christlichen Glaubens, mit dem ich auch schließen möchte. Es ist der Schluss des 6. Kapitels des Briefes an Diognet: „An einen solchen erhabenen Platz hat Gott selbst sie (die Christen) versetzt, den zu verlassen ihnen nicht zusteht.“[25]
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[1] Der Begriff „Werke“ klingt alltäglich, fast etwas banal. Er scheint identisch zu sein mit gemeinsamen Bemühungen, die organisiert und institutionalisiert werden. Er reicht jedoch weit zurück, wenn man z.B. an die Kollekte des Paulus für die Jerusalemer Urgemeinde denkt (vgl. Gal 2,10; 2 Kor 8; 9; Apg 4,34 f., vgl. schon Ex 25,2 ff.). Der Begriff der „opera“ (Werke) hat im Zweiten Vatikanischen Konzil (vgl. AL 8; 29,38; PO 11; OT 2) und im Kirchlichen Gesetzbuch von 1983 (CIC cann. 114,2; 222,1; 258; 282,2; 294; 298,1; 781-785,1; 792; 839,1; 1254,2) eine ziemlich hohe Bedeutung, wird aber etwas diffus gebraucht. Eine grundlegende theologische Reflexion tut not. Ich habe bis jetzt in der theologisch-kanonistischen Literatur noch nichts gefunden, was diese Aufgabe erfüllen könnte.
[2] Zur theologischen Grundlegung der weltkirchlichen Arbeit in Deutschland und der kirchlichen Hilfswerke vgl. Allen Völkern Sein Heil. Die Mission der Weltkirche (=Die deutschen Bischöfe Nr. 76), Bonn 2004; Die eine Sendung und die vielen Dienste. Zum Selbstverständnis weltkirchlich orientierter Einrichtungen und Initiativen heute (=Die deutschen Bischöfe Nr. 65), Bonn 2000; Karl Kardinal Lehmann, Umkehr zum Leben für alle. Ursprung und Tragweite der missionarischen Grunddimension des christlichen Glaubens. Eröffnungsreferat bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda am 20.09.2004 (=Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Nr. 25), Bonn 2004; jetzt in: Ders., Zuversicht aus dem Glauben, Freiburg i.Br. 2006, 476-498.
[3] Karl Rahner hat das hier Gemeinte auf die Formel gebracht: „Die Kirche ist, als die eine nicht bloß als die äußerliche Summe von einzelnen, Subjekt der Gottes- und Nächstenliebe und zwar als geschichtliche und gesellschaftliche Größe“ (Karl Rahner, Misereor: Zeichen der Hoffnung. Theologische Begründung der kirchlichen Entwicklungsarbeit, in: Misereor - Zeichen der Hoffnung. Beiträge zur kirchlichen Entwicklungsarbeit, hrsg. von der Bischöflichen Kommission für Misereor, München 1976, 71-79, hier: 75) = Karl Rahner, Schriften zur Theologie XIV., Zürich 1980, 273-283, hier: 277 ff.
[4] Papst Benedikt XVI. hat seine erste Enzyklika unter dieses Schriftwort gestellt: DEUS CARITAS EST. Die Enzyklika leuchtet das christliche Verständnis der göttlichen und der menschlichen Liebe in ihren verschiedenen Dimensionen aus und formuliert verlässliche Orientierungen für den Dienst der Liebe in unserer Zeit. Besondere Anerkennung finden dabei auch die im sozialen und caritativen Bereich tätigen kirchlichen Einrichtungen. (Papst Benedikt XVI., Enzyklika DEUS CARITAS EST [= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 171], Bonn 2005.), vgl. auch Karl Lehmann, Das Zentrum der christlichen Botschaft, in: Benedikt XVI., Gott ist die Liebe, Freiburg i. Br. 2006, 121-138.
[5] Vgl. dazu Karl Rahner, oben Anm. 3.
[6] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“, Art. 26.
[7] Vgl. ebd., Art. 23. Vgl. dazu Karl Lehmann, Der Bischof in der Lehre des II. Vatikanischen Konzils, in: Kanon: Jahrbuch der Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen. Bd. 7: Der Bischof und seine Eparchie, Wien 1985, 11-22. Vgl. auch meine Festansprache anlässlich des 75. Geburtstages von Bischof em. Manfred Müller, Regensburg: „Der Bischof – Zeuge Jesu Christi vor allen Menschen“ (Manuskript, November 2001), online: http://www.bistummainz.de/bm/dcms/sites/bistum/bistum/kardinal/texte/texte_2001/mueller.html; vgl. ergänzend auch meinen Vortrag „Bischof als Beruf“ im Rahmen der Vortragsreihe „Profile der Berufung“ in der Evangelischen Akademie zu Berlin am 19. März 2003 (Manuskript), online: http://www.bistummainz.de/bm/dcms/sites/bistum/bistum/kardinal/texte/texte_2003/bischof.html.
[8] Zu dieser umfassenden Katholizität vgl. vorläufig Karl Lehmann, Glauben bezeugen, Gesellschaft gestalten, Freiburg i. Br. 1993, 308-315, sowie mein Eröffnungsreferat bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 24.09.2007 in Fulda.
[9] Dies schließt differenzierte Zuständigkeiten nicht aus. So ist MISSIO sowohl der deutsche Zweig des Päpstlichen Werks der Glaubensverbreitung als auch ein Werk der deutschen Bischöfe. MISSIO hat darüber hinaus auch den Charakter einer Mitgliedervereinigung. – Caritas international ist ein Werk des Deutschen Caritasverbandes, nimmt seine Aufgabe der Katastrophenhilfe jedoch (auch) für die deutschen Bistümer wahr.
[10] Vgl. K. Lehmann, Perspektiven zur theologischen Grundlegung christlicher Mission, Eröffnungsvortrag, in: WeltMission – Internationaler Kongress der Katholischen Kirche. Dokumentation (=Arbeitshilfen 202), hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2006, 19-52.
[11] Vgl. meine Laudatio auf die Sternsinger anlässlich der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises 2004; in Auszügen dokumentiert in: Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. (Hg.), Der Preis des Westfälischen Friedens 2004, o.O. [Münster] o.J. [2005], 24-25.
[12] Nach wie vor lesenswert: Die vielen Gesichter der Globalisierung. Perspektiven einer menschengerechten Weltordnung. Eine Studie der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ und der kirchlichen Werke Adveniat, Caritas international, Misereor, missio Aachen, missio München und Renovabis. Herausgegeben von der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 1999. Nachdrücklich möchte ich auf die zahlreichen Studien dieser Sachverständigengruppe, die dem Bereich Weltkirche und Migration der Deutschen Bischofskonferenz zugeordnet ist, hinweisen. Diese Arbeit verdiente wegen der Qualität und Unabhängigkeit der Studien kirchlich und gesellschaftlich eine viel höhere Beachtung. Dies gilt für die Einzelstudien, aber auch für die Buchreihen „Forum Weltkirche: Entwicklung und Frieden“ und „Projekte“.
[13] Zum Phänomen der Globalisierung vgl. neben vielen weiteren Stellungnahmen, Gastkommentaren und Interviews des Autors auch: K. Lehmann, Globalisierung gestalten, in: Rheinische Post 52 (1997) Nr. 299, 24.12.1997, 2; ders., Globalisierung und christliches Menschenbild – Anmerkungen aus theologischer Sicht, in: Wahl, Rainer / Wieland, Joachim (Hrsg.), Das Recht des Menschen in der Welt. Kolloquium aus Anlass des 70. Geburtstags von Ernst-Wolfgang Böckenförde, Berlin 2002, 15-30; ders., Der Prozess der Globalisierung braucht eine Antwort, in: KNA Dokumente, Nr 12/2006, Bonn, 8-19.
[14] Josef Kardinal Frings, Abenteuer im Heiligen Geist. Rede vor der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda, 15.-21. August 1958, in: Misereor – Zeichen der Hoffnung. Beiträge zur kirchlichen Entwicklungsarbeit, herausgegeben von der Bischöflichen Kommission für Misereor, München 1976, hier: S. 23; dazu Josef Saier (Hg.), Abenteuer im Hl. Geist = Edition weltweite Solidarität 6, Aachen 2004, darin auch mein Beitrag: Misereor. Bleibende Perspektiven im Wandel der Zeit, 79-89.
[15] Vgl. dazu Karl Lehmann, Notwendiger Wandel der Sozialen Marktwirtschaft? Ludwig-Erhard-Lectures, Berlin 2002 (Lit.).
[16] Vgl. oben Anm. 12.
[17] Josef Joffe, Die Hypermacht. Warum die USA die Welt beherrschen, München / Wien 2006, 90: „Diese Sätze [des Kommunistischen Manifests], die vor über einhundertfünfzig Jahren niedergeschrieben wurden, bieten noch immer die beste Kurzbeschreibung der Moderne – und der Globalisierung.“
[18] Zum Globalisierungsphänomen vgl. Karl Lehmann (oben Anm. 13) mit zahlreichen Literaturangaben. Vgl. neuerdings die Reihe „Generation Global“ als Suhrkamp-Taschenbuch, Frankfurt 2007.
[19] Hermann Lübbe, Interview in Goethe-Institut online, Dezember 2005; vgl. ders., Die Zivilisationsökumene. Globalisierung kulturell, technisch und politisch, München 2005; ders., Modernisierungsgewinner, München 2004.
[20] Es dürfte kein Zufall sein, dass auch in Westeuropa und in den Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund der Migration – die ja in ihren Formen und ihrer Intensität nach ihrerseits ein Aspekt von Globalisierung ist – ein neues Nachdenken über die Identität der eigenen Gesellschaften eingesetzt hat. Ein Beispiel dafür ist die in den USA lebhaft geführte Diskussion über Samuel P. Huntingtons Studie „Who are we? Die Krise der amerikanischen Identität“, Hamburg / Wien 2004.
[21] K. O. Hondrich, Wieder Krieg, Frankfurt am Main 2002, S. 45; K.O. Hondrich/C. Koch-Arzberger (Hg.), Solidarität in der modernen Gesellschaft, Frankfurt a.M. 1992; K.O. Hondrich, Liebe in Zeiten der Weltgesellschaft, Frankfurt 2005 (2. Aufl.,); U. Beck, Weltrisikogesellschaft, Frankfurt 2007; Th. Bonacker/A. Reckwitz (Hg.), Kulturen der Moderne, Frankfurt 2007, 7 ff.; 71 ff.; 97 ff.; 140 ff.; 173 ff.; R. Winter/P.V. Zima (Hg.), Kritische Theorie heute, Bielefeld 2007.
[22] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“, Art. 1, 8, 48. Vgl. K. Lehmann, Neuer Mut zum Kirchesein, Freiburg i. Br. 1982 u.ä.
[23] Vgl. Benedikt XVI., Glaube und Vernunft, Freiburg i. Br. 2006, 97-133.
[24] Vgl. Karl Lehmann, Die Notwendigkeit des interreligiösen Gesprächs und das Verhältnis der Kirche zum Islam, Vortrag, mehrfach im September 2007 gehalten, im Druck (u.a. Georges-Anawati-Stiftung/Paxbank / Bistum Mainz).
[25] Der Brief an Diognet = Christliche Meister 18, Einsiedeln 1982, 6.10, 22.

[Von der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung gestelltes Redemanuskript]