Kardinal Lehmann: Kinder sind ein Geschenk Gottes und erfreuen das Herz

Woche für das Leben 2005 (9-16. April)

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BONN, 3. März 2005 (ZENIT.org).- "KinderSegen – Hoffnung für das Leben" lautet das Leitthema der "Woche für das Leben" (9-16. April) in den kommenden drei Jahren. Diese Gemeinschaftsinitiative der katholischen und evangelischen Kirche ziele darauf ab, "ein lebensfreundliches Ethos und den Schutz des Lebens in der Gesellschaft" zu fördern, sagte Kardinal Lehmann, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, diesen Montag anlässlich der Vorstellung der Aktion.



"Kinder stehen in den kommenden drei Jahren im Mittelpunkt der 'Woche für das Leben', weil wir überzeugt sind: Um lebensfreundlich zu sein, braucht jede Gesellschaft eine besondere Wertschätzung der Kinder. In einer Gesellschaft ohne Kinder kann niemand leben wollen. Die immer weiter zurückgehende Kinderzahl – sie liegt in Deutschland durchschnittlich in etwa bei 1,3 Kindern pro Frau - oder die Tatsache, dass von den 1965 geborenen Frauen ein Drittel kinderlos bleiben, von den Akademikerinnen dieses Jahrgangs sogar knapp die Hälfte, sind alarmierende Anzeichen einer Krise", erklärte der deutsche Kardinal gemäß einer Pressemeldung der Pressestelle der deutschen Bischofskonferenz.

Die vom Kardinal angesprochene Krise der Kinderlosigkeit führe "zu einer demographischen 'Unterjüngung' der Gesellschaft, die sich destabilisierend auf die Sozialsysteme und darüber hinaus auf den gesamten ökonomischen Bereich auswirkt. Kinder sind für das biologische, soziale und ökonomische Fortbestehen einer Gesellschaft auch heute notwendig."

Der katholischen und der evangelischen Kirche gehe es aber um weit mehr, denn Kinder seien nicht nur ein ökonomischer Faktor, betonte Kardinal Lehmann. "Die Geburt eines Kindes ist – zumindest in den allermeisten Fällen – ein Grund zur Dankbarkeit und Freude. Kinder machen Mut zur Zukunft und geben der Gemeinschaft von Mann und Frau eine neue Dimension, 'sie erfrischen das Leben und erfreuen das Herz'", zitierte er Friedrich Schleiermacher.

"Jedes Kind ist jedoch auch ein Geschenk Gottes. Es kündet von der Liebe und der unverbrüchlichen Treue des Schöpfers zu seiner Schöpfung. Ein Geschenk in einem so ursprünglichen Sinn des Wortes ist eine Bereicherung, die dem Leben des Beschenkten eine neue Richtung gibt. Jede Mutter und jeder Vater kann ihnen berichten, wie sehr die Kinder ihr Leben verändert haben. Kinder eröffnen die Möglichkeit, auf neue Weise tiefe und dauerhafte Beziehungen einzugehen und so – in aller Freude und allem Leid – das Leben neu zu entdecken. Diese lebensverändernde Bedeutung haben Kinder nicht nur für ihre Eltern. Jeder, der mit Kindern lebt, sie sieht, mit ihnen spricht, hat Teil am Neuen, das Kinder in die Welt bringen."

Dieses große Geschenk müsse aber auch tatsächlich angenommen werden, sagte der Bischof von Mainz. "Eltern müssen sich auf das neue Leben mit Kindern einlassen, aber auch die Gemeinschaft muss sich darauf einstellen, dass Kinder ihren Schutzraum brauchen, um sich entfalten zu können.

Wer von der Notwendigkeit einer höheren Geburtenrate spricht, muss sich auch dafür einsetzen, dass Kinder diesen geschützten Raum tatsächlich vorfinden und dass Eltern tatsächlich in der Lage sind, sich auf Kinder einzulassen und ihnen diesen Schutz zu bieten. Hier gibt es aber noch erhebliche Defizite", stellte Lehmann fest. Er ging dabei auf den ersten Armuts- und Reichtumsbericht der deutschen Bundesregierung ein, in dem festgestellt worden war, "dass in den vergangenen Jahren bei Ehepaaren wie allein Erziehenden das Armutsrisiko mit der Kinderzahl überproportional anstieg. Besonders hart trifft es die allein Erziehenden. Allein erziehende Frauen weisen, so der Bericht, die mit Abstand höchste Sozialhilfequote aller Bevölkerungsgruppen auf. Abhängig von der Anzahl der Kinder lag diese Quote bereits 1998 bei bis zu 34 %.
Nach dem Kinderreport Deutschland 2004, den das Deutsche Kinderhilfswerk kürzlich herausgegeben hat, ist die Sozialhilfequote der Minderjährigen mittlerweile doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung, und sie steigt doppelt so schnell an", fuhr Lehmann fort. "Umso verwunderlicher ist es, wie wenig der kontinuierliche Anstieg der Kinderarmut öffentlich wahrgenommen wird. Dies ist auch deshalb alarmierend, weil Kinderarmut über das Fehlen von Geld hinausgeht. Den Kindern bieten sich schlechtere Lebensperspektiven. Viele wachsen vernachlässigt auf, manche in einem Umfeld von Gewalt, viele isoliert und mit wenig Selbstvertrauen. Dies bedeutet für die Kinder eine große Ungerechtigkeit. Hier gibt es einen dringenden Handlungsbedarf, den die Politik noch viel deutlicher wahrnehmen muss", forderte er.

"Dass ausgerechnet Kinder in vielen Fällen ein Armutsrisiko darstellen, ist absolut inakzeptabel. Menschen, die dadurch in Armut geraten, dass sie Kinder großziehen, fühlen sich zu Recht von der Gesellschaft im Stich gelassen. In einer Situation, in der die Gründung einer Familie eine spürbare ökonomische wie strukturelle Belastung und eine deutliche Benachteiligung gegenüber anderen darstellt, wird es jungen Menschen erschwert, sich auf dieses Neue einzulassen. Wenn Familien etwa durch Sozialbeiträge, Wohnungskosten und Verbrauchssteuern immer stärker belastet werden, dann entsteht zunehmend der Eindruck, Kinder seien eine Art Luxusgut, das sich nur leisten kann, wer die entsprechenden Mittel dazu hat. Daher müssen Familien sowohl strukturell als auch finanziell besser gestellt werden, damit zumindest die ökonomische Benachteiligung einen Ausgleich erfährt."

Aus all den dargelegten Gründen gehe es bei der "Woche für das Leben" im kommenden April darum, die deutsche Gesellschaft zu sensibilisieren, damit "bessere Rahmenbedingungen für das Leben mit Kindern" geschaffen würden. "Gleichzeitig wollen wir dazu ermutigen, die einmalige Chance zu nutzen, die ein Leben mit Kindern bietet: Die Chance, mit Kindern noch einmal neu zu entdecken, was Menschsein heißt und dabei mit großen Schritten in die eigene Zukunft zu gehen. Wer Ja sagt zu Kindern, überschreitet dabei zugleich den Horizont der privaten Zukunft: Er glaubt daran, dass es sich lohnt, ein Mensch zu sein, und schenkt seine Zuversicht weiter. Im Willen zum Kind erweist sich Solidarität über unsere Köpfe und unsere Zeit hinaus. Der Mut zum Kind verbindet sich eng mit der Hoffnung für die Welt", so Lehmann, der abschließend alle an einen abgegriffenen Spruch erinnerte, dessen "Aktualität und tiefe menschliche Bedeutung" aber wieder neu zu entdecken sei: "Kinder sind ein Segen!"

Detaillierte Informationen zur "Woche des Lebens" unter "Kinder – eine Gabe Gottes".