Kardinal Lehmann ruft zur Solidarität mit verfolgten Christen auf

Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ nimmt Nahen Osten in den Blick

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BERLIN, 13. September 2007 (ZENIT.org).- Zur Solidarität mit den Christen im Nahen Osten hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, am Donnerstag in Berlin aufgerufen.



Die Lage der Christen in Israel, Ägypten, Palästina und dem Irak steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ der Deutschen Bischofskonferenz. Die deutschen Bischöfe wollen mit ihr die Aufmerksamkeit von Kirchengemeinden und Öffentlichkeit auf die Situation jener Christen lenken, deren Menschenrechte, besonders das Recht auf Religionsfreiheit, eingeschränkt und missachtet werden, erklärte Kardinal Lehmann bei der Vorstellung des diesjährigen Schwerpunktthemas.

Eine von Kardinal Lehmann in Berlin präsentierte Arbeitshilfe (pdf-Format) der Deutschen Bischofskonferenz schildert beispielhaft die Situation von Christen in Israel, Ägypten, Palästina und dem Irak. „Ohne die Solidarität und die Unterstützung der Schwesterkirchen aus dem Ausland können die Christen in dieser Region mittelfristig nicht überleben“, betonte der Kardinal.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz unterstrich in seiner Ansprache, dass die unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in diesen Ländern eine pauschale Beurteilung der Situation der dort lebenden Christen verbieten. Generell seien Christen in dieser Region jedoch vielfältigen Benachteiligungen und Bedrängnissen ausgesetzt und viele verließen deshalb ihre Heimatländer: „Die ältesten christlichen Gemeinden stehen mancherorts vor dem Aus.“

Wie bedrückend die Lage der Christen im Irak ist, schilderte Pfarrer Peter Patto, im Irak geborener Seelsorger für die chaldäisch-katholischen Christen in Deutschland. Immer mehr der ehemals rund 800.000 irakischen Christen würden ihre Heimat verlassen. Besonders infolge des Golfkriegs im Jahr 2003 seien sie unverschuldet zum Opfer der Politik im Nahen Osten geworden und könnten als Minderheit dem Druck der brutalen Gewalt nicht lange standhalten. Allein in den vergangenen drei Jahren seien 16 Kirchen durch Bombenanschläge zerstört und drei Priester ermordet worden. Christliche Frauen und Mädchen würden Opfer von Vergewaltigungen, tausende Familien würden entführt oder erpresst.

In Ägypten bestimmten vor allem subtile Ausgrenzung und Benachteiligung das christliche Leben, so Kardinal Lehmann. Christen, die rund zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, würden aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens herausgedrängt. Gerade für eine solche Minderheitenkirche sei es von großer Bedeutung, dass die Kirchen in Europa immer wieder das Signal aussenden: „Ihr seid nicht vergessen!“

In Israel seien Christen wegen ihres Glaubens und als Araber gleich in einer doppelten Minderheitensituation. Durch ihre Arbeit leiste die Kirche dennoch einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in Israel und in Palästina und trage auch zur Entspannung der Verhältnisse bei. Neben der materiellen Hilfe fühle sich die katholische Kirche in Deutschland auch zum „beständigen Eintreten für einen gerechten Frieden in der Region verpflichtet, nach dem sich die meisten Israelis und Palästinenser, Juden, Muslime und Christen sehnen.“

Grundsätzlich, so betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, bedeute Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen dreierlei: das Gebet für die Glaubensgeschwister; finanzielle und materielle Unterstützung, wie sie beispielsweise durch die Hilfswerke und die jährliche Palmsonntags-Kollekte in den Gottesdiensten geleistet werde, und die Herstellung von Öffentlichkeit, indem die Situation der Christen auch hierzulande immer wieder zur Sprache gebracht werde.

„Die Zuwendung zu allen Bedrängten und Gedemütigten, gleich welcher Religion, ist den Christen bleibende Verpflichtung“, erklärte Kardinal Lehmann. Als Kirche in einem Land, in dem Christen überall in gesicherter Freiheit leben, seien Christen auch verpflichtet, den eigenen Glaubensbrüdern und -schwestern, die um des Glaubens willen bedrängt werden, zur Seite zu stehen. „Wenn wir zu dieser Solidarität nicht fähig wären, würden wir den eigenen Glauben verraten, und auch unsere allgemeine, universale Solidarität wäre schal.“

[Die Informationsbroschüre „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Naher Osten“ (= Arbeitshilfe Nr. 210) kann auch beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz bestellt werden: Fax: 0228/103-330; E-Mail: broschueren@dbk.de]