Kardinal Lehmann tritt am 18. Februar als Vorsitzender der Bischofskonferenz zurück

Ein Generationswechsel sei notwendig, bekräftigt der Bischof von Mainz

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BONN, 15. Januar 2008 (ZENIT.org).- „Es kommt darauf an, die Zeichen der Zeit in Unterscheidung der Geister aus dem Glauben zu deuten und so als irdische Menschen nach dem Himmlischen zu streben, ohne den Bodenkontakt zu verlieren.“ Kardinal Karl Lehmann, der im ersten Interview der ZENIT- Reihe „Who is who: Die Hirten des deutschsprachigen Raums“ ausführlich auf sein persönliches Glaubensleben und seinen Hirtendienst zu sprechen kam (vgl. „Der Glaube gibt mir Zuversicht“), hat heute, Dienstag, seinen Rücktritt von der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz angekündigt, die er beinahe 21 Jahre lang als Vorsitzender geleitet hat.

Der Mainzer Bischof will sich nach einem heute veröffentlichten Brief an die Mitglieder der Bischofskonferenz am 18. Februar 2008 aus diesem Amt zurückziehen: nach der Frühjahrsvollversammlung von 11. bis 14. Februar in Würzburg und der Geburtstagsfeier für Friedrich Kardinal Wetter, der am 17. Februar 80 Jahre alt wird.

Mit den im Dezember erlittenen Herz-Rhythmus-Störungen sei, so Kardinal Lehmann, eine eindeutige Zäsur erreicht, die ihm in Zukunft eine Ausschöpfung seiner Kräfte im bisherigen Maß nicht mehr erlaube. Deshalb mache er nun von der bereits am 20. September 2005 bei seiner Wiederwahl angekündigten Möglichkeit Gebrauch, die vierte Sechs-Jahres-Amtszeit nicht voll auszuschöpfen.

Ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt mache auch einen guten Sinn, weil die jüngsten Bischofsernennungen einen notwendigen Generationswechsel und Zeit für eine Wachablösung anzeigten, schreibt Kardinal Lehmann. Er sei dankbar, wenn er noch einige Jahre dem Bistum Mainz dienen könne. Auch werde er gerne seine Kenntnisse, Informationen und Erfahrungen weiter in die Bischofskonferenz einbringen und sich noch stärker Grundsatzfragen widmen. Dabei liege ihm auch die schwierige Situation der Ökumene am Herzen.

Im Namen der deutschen Bischöfe dankte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff (Aachen), Kardinal Lehmann für seinen „unermüdlichen Einsatz“ für die Bischofskonferenz während der vergangenen mehr als 20 Jahre und würdigte ihn als „herausragenden und zuverlässigen Repräsentanten der Kirche und ihrer Sendung“. In einer ersten Stellungnahme hob Bischof Dr. Mussinghoff hervor, dass Kardinal Lehmann durch „sein profundes theologisches Wissen, seine geistige Aufgeschlossenheit, seine Umsicht und die große Fähigkeit zu integrieren und zu einen“ eine unschätzbare Hilfe für die deutschen Bischöfe und ihr Zusammenwirken sei. Gleichwohl verdiene seine Entscheidung, aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung zu stellen, „Verständnis und uneingeschränkten Respekt“. Eine Würdigung des Wirkens von Karl Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz werde auf der Frühjahrsvollversammlung stattfinden.

Karl Kardinal Lehmann (vgl. Lebenslauf) wurde am 22. September 1987 in Fulda als Nachfolger von Joseph Kardinal Höffner (Köln) zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Nach Wiederwahlen am 21. September 1993, 21. September 1999 und 20. September 2005 wird er seine vierte Amtszeit zum 18. Februar 2008 vorzeitig beenden.

Die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die vom 11. bis 14. Februar in Würzburg zusammentritt, wird während der Vollversammlung einen Nachfolger von Kardinal Lehmann im Amt des Vorsitzenden wählen.