Kardinal Lehmann und Papst Franziskus sprechen über Limburg

Schnelle Klärung erwünscht

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 306 klicks

Wie Kardinal Lehmann mitteilte, habe er Papst Franziskus in einer Audienz am Samstag um eine rasche Klärung des Falls Limburg gebeten. Der Abschlussbericht der Kommission, die von der deutschen Bischofskonferenz eingesetzt worden war, um die Fakten des Limburger Bauvorhabens und anderer Vorgänge im Bistum zusammenzutragen, werde Ende Januar vorliegen, so Lehmann. „Radio Vatikan“ veröffentlichte ein Interview mit Kardinal Lehmann im Anschluss an die Audienz bei Papst Franziskus, bei dem es unter anderem auch um die Familienseelsorge ging. Bezüglich dessen, was er dem Pontifex über Limburg mitgeteilt habe, sagte er:

„Ich bin ja sozusagen seit 30 Jahren ein Nachbar Limburgs. Ich habe Franz-Peter Tebartz-van Elst schon vorher als Theologen gekannt, und in den beiden Malen, in denen ich mich öffentlich über ihn geäußert habe, habe ich gesagt, dass er ein hochintelligenter, höflicher und kommunikativer Mensch sei. Ich kann also nichts feststellen von Protz und Verschwenderischem. Da war doch eine üble Kampagne in Medien festzustellen. Aber es hatte seine Gründe gehabt: Ich glaube, es ist nicht nur das viele Geld, das verbraucht wurde, das Problem sondern auch diese Geheimhaltungspolitik, die gemacht worden ist. Dazu kommt noch, dass er selber nie eine Zahl der Kosten genannt hat. Das ist schon sehr problematisch.“

Über die Sicht des Papstes bezüglich des Falls sagte er, er habe einen positiven Eindruck gehabt.

„Ich habe den Eindruck, dass er sehr authentisch informiert ist und auch verschiedene Quellen hat. Da habe ich den Eindruck, dass er sich ein eigenes Urteil bildet. Ich habe ihm gesagt, dass wir abwarten sollten bis die entsprechende Kommission den Bericht abliefert. Das sollte angeblich Ende des Monats der Fall sein. Auf jeden Fall darf es nicht mehr so lange gehen, weil die Limburger auch physisch und nervlich schon sehr verwundet sind. Ich habe auf jeden Fall den Eindruck, dass der Papst gut informiert und behutsam, schonungsvoll gegenüber den beteiligten Menschen vorgeht. Er betrachtet das Ganze mit relativer Gelassenheit. Ich habe dem Papst auch klar gesagt, dass ich Sorge habe, wenn wir das nicht bald klären. Dass die Aufbruchsstimmung, die der Papst hervorgerufen hat, so auch wieder in Spannung und Widerspruch zurückversetzt werden kann. Ich habe den Eindruck, dass er das sehr klar sieht.“

Auf die Frage hin, was bezüglich des Themas der wiederverheirateten Geschiedenen von Seiten des Vatikans in der Familienseelsorge zu erwarten sei, sagte Kardinal Lehmann:

„Die Frage kann man nicht umgehen, aber die darf man nicht zuerst angehen. Ich kämpfe seit 1971 zu dem Thema, und es war mir immer klar, dass die Sache wiederkommen wird. Das ist nicht etwas, das man mit einem schnellen Verbot regelt. Ich habe dem Papst auch gesagt, dass es äußerste Zeit ist, darüber zu befinden. Die Praxis in den Gemeinden ist sehr unterschiedlich. Ich denke, dass das Erste, was gesagt werden muss, lautet: Menschen aus zerstörten oder gestörten Beziehungen und wiederverheiratete Geschiedene haben in der Kirche einen Platz. Das sagt ja schon ,Familiaris consortio‘ sehr deutlich. Das ist aber längst nicht überall bekannt. Die Leute meinen immer noch, jeder sei automatisch exkommuniziert. Es ist aber auch klar, dass die Situationen klar unterschieden werden müssen. Ich kann nicht einfach grundsätzlich von Barmherzigkeit überall predigen, es gibt auch Situationen, wo Leute böswillig verlassen werden. Zur Barmherzigkeit gehört auch die Gerechtigkeit. Ich kann nicht von Barmherzigkeit reden, ohne das Verhältnis zur Gerechtigkeit zu klären. Deswegen ist vieles im Augenblick weniger tief reflektiert, als das eigentlich schon der Fall gewesen ist. Ich denke, die Chance liegt darin, und das habe ich dem Papst auch gesagt. Wir werden ein Jahr lang Zeit haben, um darüber nachzudenken. Mir scheint, der Papst ist sehr fest entschlossen, weil er weiß, dass dies auch ein Stück weit ein Test ist.“