Kardinal Lozano Barragán: Gesundheitstechnologie – Segen oder Fluch

Vortrag über den katholischen Bioethik-Ansatz

| 1438 klicks

ROM, 3. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Was technisch machbar ist, ist nach Worten von Kardinal Javier Lozano Barragán, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, nicht automatisch ethisch zulässig. Deshalb sprach sich der Kurienkardinal am Freitag anlässlich der Fachtagung „Gesundheit, Technologie und das Allgemeinwohl“ an der Päpstlichen Universität Gregoriana für eine Bioethik aus, die für das Transzendente offen. Die Veranstaltung war vom Päpstlichen Rat und vom Acton Institute organisiert worden.



In seinem Vortrag zum Thema „Die Zukunft des Gesundheitswesens – Technologie im Dienst am Menschen“ hob der 74 Jahre alte Kardinal hervor, dass der biomedizinischen Technologie im Bereich der Diagnose und der Behandlung von Krankheiten in der Zukunft große Möglichkeiten offenstünden; es sei jedoch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass „Technologie und Medizin nur einen Teil des Gesundheitswesens darstellen, und dass übermäßiges Beharren auf ihren Möglichkeiten zur Verlagerung des Schwerpunkts führen könnte: von der menschlichen Person weg, hin zur Befriedigung der Nachfrage seitens der Anbieter.“ Das entscheidende Kriterium für den Gebrauch von Technologien müsse aber immer „das Wohl des Menschen“ sein.

Was die Debatte in den Humanwissenschaften und experimentellen Wissenschaften angeht, wies Kardinal Lozano Barragán darauf hin, wie wichtig es sei, sich der Frage auszusetzen, wie man mit dem menschlichen Leben, seinen Fehlfunktionen und den möglichen „Verbesserung“ in rechter Weise umzugehen habe, welche Verfahren konkret verfolgt werden könnten und welche Abweichungen vermieden werden müssten. „Wird die Technologie sich selbst überlassen, kann sie den Menschen aufbauen oder zerstören“, betonte der Kardinal. Technologie an sich sei „blind und ambivalent“ – selbst wenn sie äußerst „fortschrittlich und großartig“ erscheine.

Wahre Bioethik als Wissenschaft, die sich mit dem rechten Verhalten in den beiden Bereichen Gesundheit und Leben befasse, sei in erster Linie „das Projekt, das das menschliche Leben verbessert und als seine Grundlage alle Human- und Gesundheitswissenschaften einschließt.“

In der katholischen Perspektive sei die Bioethik, „die offen, ‚objektiv‘ und real ist und keinen Zwang ausübt, für eine volle Beziehung mit Gott, dem allmächtigen Vater, offen. Die Grundlage einer wahrhaft universalen objektiven Moral, einer wirklich globalen Ethik, sollte daher die menschliche Natur in ihrer gesamten Komplexität sein, und somit auch das natürliche Sittengesetz.“

Als Definition der katholischen Bioethik schlug Kardinal Lozano Barragán „die systematische und detaillierte Untersuchung des menschlichen Verhaltens durch die Gesundheits- und Humanwissenschaften“ vor, „um in Christus durch die Kraft des Heiligen Geistes zum Vater, der Fülle des Lebens, zu gelangen.“ Das sei die einzige Ethik, die „objektive Gültigkeit besitzt und zu der alle authentischen Werte der nichtchristlichen Ethiken hintendieren und als solche Kennzeichen der einzigen Wirklichkeit sind, die über die Illusion des ewigen Fortdauerns des irdischen Lebens hinausgeht.“