Kardinal Maradiaga: So wird Franziskus die Kirche verändern

Interview mit dem Vorsitzenden des Rates der acht Kardinäle

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 454 klicks

Der Präsident von Caritas Internationalis, Kardinal Oscar Maradiaga, gab in den vergangenen Tagen der italienischen Zeitung „L'Unità“ ein langes Interview zu den Reformbewegungen von Papst Franziskus innerhalb der Kirche. Der Kardinal aus Honduras ist der Vorsitzende des Rates der acht Kardinäle, die den Pontifex beratend in der Leitung der katholischen Kirche und der Reform der Kurie unterstützen. Die Gruppe der aus fünf Kontinenten stammenden Kardinäle hatte den Papst nach einer dreitätigen Sitzung nach Assisi begleitet.

Maradiaga sagte, eines der größten Anliegen des Papstes sei die Reform der Bischofssynode. Ziel sei es, den Anliegen der einzelnen Bischöfe der verschiedenen Länder mehr Rechnung zu tragen, unter anderem mit Hilfe des Internets. Dies sei ein interessanter Gesichtspunkt, so der Vorsitzende des Rates, da die Beziehung der Bischöfe mit dem Pontifex bisher keine besondere Aufmerksamkeit erhalten habe.

Ein weiteres Anliegen von Papst Franziskus sei die Reform des Staatssekretariats, wiesowie die Erneuerung der römischen Kurie und der Kongregationen. So spiele man mit dem Gedanken, einen „Moderator curiae“ einzusetzen, um so die Arbeit des Staatssekretärs zu erleichtern. Dabei würden die Vorschläge, die von verschiedenen Seiten gesammelt worden seien, eine große Rolle spielen, da in direkter Zusammenarbeit mit den Bischöfen vor Ort neue Ziele erreicht werden sollten.

Die Veränderungen der römischen Kurie seien vor allem personeller Natur. Wie der Rat der Kardinäle gemeinsam mit Papst Franziskus festgestellt habe, sei die römische Kurie mit ihren Kongregationen in den vergangenen Jahren unverhältnismäßig angewachsen. Man stehe noch am Anfang der Arbeiten, so Kardinal Maradiaga.

Bezüglich der Veränderungen der IOR wollte sich der Vorsitzende des Rates der acht Kardinäle nicht näher äußern und blieb vage. In jedem Fall solle das Verhältnis von Stiftung und Bank geklärt werden. ZeitZurzeit beschäftige sich eine Kommission mit der Thematik, die ihre Ergebnisse an den Rat der Kardinäle weiterleiten werde. Oberste Priorität habe dabei die Transparenz, auch um die Zukunft der IOR entscheiden zu können.

Während des Interviews fasste Kardinal Maradiaga kurz die Entwicklungen während der letzten drei Pontifikate zusammen. So habe niemand wissen können, dass während der Amtszeit von Johannes Paul II. der eiserne Vorhang fallen würde. Anschließend habe Benedikt XVI. feste theologische Grundlagen geschaffen und diese mit Liebe, Hoffnung und Glaube verbunden. Mit Papst Franziskus sei die Zeit gekommen, „das Volk Gottes mit Hilfe der Zuneigung und einfachen, aber existenziellen Dingen, dem christlichen Leben anzunähern.“ So müsse auch die Kurie solchermaßen organisiert werden, dass sie nicht über allem stehe, sondern mittendrin und der Welt diene.

Abschließend sagte Kardinal Maradiaga, die Globalisierung habe die ohnehin schon großen Institutionen wachsen lassen und vernichtende Schäden bei den einfachen Menschen hinterlassen. Die Wirtschaft dürfe nicht nur auf dem Profit basieren, sondern benötige mehr Solidarität.

Die Originalfassung des Interviews in italienischer Sprache kann man hier nachlesen