Kardinal Maradiaga: Unterentwicklung bedeutet Konfliktförderung

Internationaler Caritas-Präsident ruft zum Kampf gegen unwürdige Lebensbedingungen auf

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ROM, 23. November 2007 (ZENIT.org).- „Wenn Entwicklung der neue Name für Friedens ist, dann ist die Unterentwicklung Ursache von Spannungen und Konflikten. Darum ist die umfassende Entwicklung der Menschheit eine Antwort auf den Anruf Gottes“, betonte Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga SDB am zweiten Arbeitstag der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden.



Der Erzbischof von Tegucigalpa (Honduras) und Präsident des internationalen Caritas-Dachverbands wies darauf hin, dass die Soziallehre der Kirche „die Werte und Prinzipien definiert, die dem wirtschaftlichen, sozialen und politischen Leben des Menschen eine Sinndeutung aus der Perspektive des Evangeliums her ermöglichen“.

Nach Worten des Kardinals soll das christliche Entwicklungsmodell als „ein spezifischer innerer Maßstab des Menschen verstanden werden, der als Abbild und Ebenbild Gottes geschaffen ist“.

Das Ziel jeder Entwicklung, so der internationale Caritas-Präsident, „ist nicht nur die Gleichstellung der gesamten Bevölkerung auf das Niveau der reichen Länder“. Vielmehr sollten die Menschen auf der Grundlage dieses solidarischen Einsatzes ein immer würdigeres Leben führen können; ein Leben, das die Kreativität jedes Einzelnen fördert und es ihm ermöglicht, auf Gottes Ruf zu antworten.

Der Kardinal plädierte für eine Entwicklung mit einem „ganzheitlichen menschlichen Gesicht“ und fügte in diesem Zusammenhang hinzu, „dass die volle Entfaltung der menschlichen Person durch die Steigerung der Produktivität und Effizienz der Arbeit gefördert wird“, was aber nicht dazu führen dürfe, ein Unternehmen nur als Kapitalgesellschaft zu sehen; es müsse immer auch als „eine Gesellschaft von Personen“ betrachtet werden.

Aus diesem Grund verweise die katholische Soziallehre auf das Konzept der sozialen Verantwortung, denn die Unternehmen hätten schließlich den Menschen und das Gemeinwohl in ihrer Prioritätenliste ganz oben.

„Genauso wie es eine kollektive Verantwortung zur Vermeidung eines Krieges gibt, muss es eine kollektive Verantwortung zur Förderung der Entwicklung geben“, bekräftigte Kardinal Maradiaga. „Es ist möglich, eine Sozialwirtschaft aufzubauen, die dem guten Funktionieren des gemeinsamen Marktes dient, ja das ist sogar ein Muss.“

Die Unterentwicklung in Lateinamerika, die je nach dem jeweiligen Land ihre ganz besonderen Merkmale hat, zeuge von einer „Situation voller Ungerechtigkeit, die Spannungen fördert, die ihrerseits gegen den Frieden gerichtet sind“.

Vor diesem Hintergrund rief der internationale Caritas-Präsident zur Schaffung einer gerechten Ordnung auf, deren grundlegende Prinzipien „Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Solidarität untrennbar miteinander verbunden“ seien.

„In der Evangelisierungstätigkeit müssen die Liebestätigkeit und der Kampf für Gerechtigkeit als ständiger Blickpunkt von Kirche erachtet werden.“