Kardinal Marc Ouellet als Gesandter des Papstes bei Heilig-Rock-Wallfahrt

500-Jahr-Feier der Wallfahrt zu einer der kostbarsten Reliquien der Christenheit

| 1529 klicks

Von Jan Bentz

ROM, 6. März 2012 (ZENIT.org). – Der kanadische Kardinal Marc Ouellet, Präfekt der Bischofskongregation, wurde von Papst Benedikt XVI. dafür bestimmt, ihn bei der Eröffnungszeremonie der kommenden Heilig-Rock-Wallfahrt am 13. April in Trier zu vertreten, wie der Heilige Stuhl verlauten ließ. Die Wallfahrt vom 13. April bis 13. Mai findet zum Anlass der 500-Jahr-Feier der ersten Heilig-Rock-Wallfahrt statt. Der Heilige Rock ist eine Reliquie, die nach der Überlieferung von der hl. Helena, der Mutter von Kaiser Konstantin, im 4. Jahrhundert im Heiligen Land gefunden und nach Trier gebracht wurde. Hier wird er, im 11. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt , im Dom aufbewahrt.

Das Leitwort der Wallfahrt 2012 lautet: „Und führe zusammen, was getrennt ist“. Zum ersten Mal in der Geschichte der Wallfahrt werden sich auch evangelische Christen beteiligen. Ein „Internationales Ökumenisches Forum“ nimmt an den Vorbereitungen teil, zu denen auch der Einsatz von 180 „Papstbänken“ aus Freiburg gehört, die hier als Wallfahrtsbänke zum Einsatz kommen und anschließend verkauft werden. Es wird eine tägliche „Ökumenische 10-Minuten-Andacht" in der (evangelischen) Konstantin-Basilika stattfinden und am 5. Mai ein „Tag der Ökumene"; vom 31. Januar bis 3. Februar gab es zudem ein Internationales Ökumenisches Forum mit Kurienkardinal Kurt Koch, Präses Schneider und dem Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen, Olav Fykse Tveit, zu dem auch Orthodoxe und Freikirchler eingeladen waren. „Um die ökumenischen Beziehungen nicht zu konterkarieren", wie er sagt, hat Bischof Ackermann darauf verzichtet, den Papst um einen besonderen Ablass für die Heilig-Rock-Wallfahrt zu bitten.

Der Bischof äußerte nunmehr seine Freude über die Zelebration der Eröffnungs-Eucharistiefeier durch den kanadischen Kardinal. Es sei eine Ehre für das Bistum. Die Wallfahrt sei auch eine Chance für die Kirche in Deutschland, so der Ortsbischof. Es seien bereits Gruppen aus ganz Deutschland registriert, aber ebenfalls Besucher aus ganz Europa und der ganzen Welt. Der Bischof lud dazu ein, die Fastenzeit nicht nur zur Vorbereitung auf Ostern, sondern auch auf diese Wallfahrt zu nutzen. Mit einem Heilig-Rock-Fest am 6. Mai 2011 hatte das Jahr der geistlichen Vorbereitung des Bistums auf die Heilig-Rock-Wallfahrt begonnen.

Zu dem Ereignis werden mehrere 100.000 Gläubige und Pilger erwartet. Am Wochenende vom 20. bis 22. April ist die Wallfahrt für die Gruppen vorgesehen, die die römische Liturgie in der außerordentlichen Form feiern möchten, wofür Walter Kardinal Brandmüller aus Rom anreist. Er wird am 21. April ein Pontifikalamt im Kirchengebäude der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin zelebrieren sowie am Nachmittag eine feierliche Pontifikalvesper am selben Ort. Am Sonntag werden dann ein Stationsgottesdienst in St. Paulin (der heilige Paulinus war ein Märtyrerbischof und gehört zu den großen Bischofsgestalten des Abendlandes, der im Kampf um die Gottheit Christi starb) und ein levitiertes Hochamt in St. Maximin stattfinden. In der Kirche St. Paulin finden sich auch Gräber ungezählter Trierer Märtyrer, die unter Kaiser Diokletian im Jahr 286 ihr Blut vergossen haben.

Die im Trierer Dom aufbewahrte Reliquie gehört zu den wertvollsten der Christenheit und ist der Tradition gemäß das ungeteilte Gewand Jesu Christi, wovon im Johannesevangelium berichtet wird: Ein Teil der Gewänder Jesu wurden nach dessen Kreuzigung verteilt, der Leibrock Jesu indessen verlost, da er den Soldaten für eine Zerteilung zu kostbar erschien. Denn er war „von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht“ (Joh 19,23). Die Mutter von König Konstantin hatte ihn bei einer historisch eindeutig belegten Reise in den Jahren 327 oder 328 im Heiligen Land aufgefunden und dann nach Trier gebracht. Das älteste Zeugnis für die Annahme, dass der Heilige Rock eine Gabe der hl. Helena ist, stellt die „Gesta Treverorum“ dar, die trierische Chronik des frühen 12. Jahrhunderts. Auch ist sicher belegt, dass der Heilige Rock am 1. Mai 1196 vom Westchor in den neuen Altar des Ostchors gebracht wurde. Im Jahr 1512 wurde dann in Gegenwart von Kaiser Maximilian unter Erzbischof Richard von Greiffenklau der Hochaltar eröffnet und die erste Wallfahrt zum Heiligen Rock begangen. Papst Leo X. hat in einer Bulle im Jahre 1515 die Echtheit des Gewandes bekräftigt.

Seit der Domrenovierung 1974 wird der Heilige Rock in seinem Holzschrein aus dem Jahre 1891 liegend unter einem klimatisierten Glasschrein aufbewahrt. Die Heilig-Rock-Kapelle ist nur während der Heilig-Rock-Tage zugänglich, das Gewand ist aber nicht sichtbar. Die Ereignisse der Vergangenheit und die ungünstigen Aufbewahrungsbedingungen haben dazu beigetragen, dass sich der ursprüngliche Textilzustand sehr verändert hat, da des Öfteren Ausbesserungen vorgenommen werden mussten.

Gezeigt wird das heilige Gewand nur ganz selten: in der Vergangenheit in den Jahren 1933, 1959 und 1996.