Kardinal Marc Ouellet: Das Wort Gottes im Leben der Kirche

Einführender Diskussionsbeitrag des Generalrelators

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ROM, 7. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den Vortrag, den gestern, Montag, der Generalrelator der Bischofssynode, Kardinal Marc Ouellet, zum Auftakt der Arbeitsgespräche der Synodenväter gehalten hat.

Der Erzbischof von Québec (Kanada) beleuchtete die Identität des Wortes Gottes und zeigte auf, wie es in der Kirche und in der kirchlichen Evangelisierungstätigkeit zum Tragen kommt

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EINLEITUNG

"An den Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: 'So spricht Er, der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde: Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.' Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt" (Apg 2, 8.10-11).
Wir sind zur XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode zusammengekommen, um zu hören, was der Heilige Geist in unseren Tagen den Kirchen im Hinblick auf "das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche" sagt. Wir teilen die vom heiligen Cäsarius von Arles zum Ausdruck gebrachte Überzeugung der Kirchenväter, wonach "das Licht der Seele und ihre ewige Nahrung nichts anderes sind als das Wort Gottes, ohne das die Seele weder in den Genuss des Sehens noch des Lebens kommen kann: unser Leib stirbt, wenn er keine Nahrung zu sich nimmt; in gleicher Weise geht unsere Seele zugrunde, wenn sie nicht das Wort Gottes empfängt".[1]

Das Ziel der Synode ist vor allem pastoraler und missionarischer Art. Es besteht darin, gemeinsam das Wort Gottes zu hören, um zu erkennen, wie der Heilige Geist und die Kirche auf das Geschenk des menschgewordenen Wortes antworten durch die Liebe zur Heiligen Schrift und die Verkündigung des Reiches Gottes an die ganze Menschheit. Machen wir uns das Gebet des heiligen Paulus zu eigen, das uns in das Herz des Geheimnisses der Offenbarung einsenkt: Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird, und bitte, er möge euch aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit gewähren, dass ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmt. Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt. Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können, er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten. Amen (Eph 3, 14-21).

Die Synode wird pastorale Richtlinien vorlegen, um die "die Praxis der Begegnung mit dem Wort Gottes als Quelle des Lebens zu stärken",[2] wobei sie ihre Aufmerksamkeit auf die Rezeption des II. Vatikanischen Konzils hinsichtlich des Wortes Gottes im Blick auf die ekklesiologische Erneuerung, die Ökumene und den Dialog mit den Nationen und Religionen richten wird.

Jenseits aller theoretischen Diskussionen sind wir eingeladen, die Haltung des Konzils anzunehmen: "Wenn es das Wort Gottes fromm hört und unerschrocken verkündet, folgt das heilige Konzil den Worten des heiligen Johannes: 'Wir verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus' (1 Joh 1, 2-3)" (DV 1).

Dank der trinitarischen und christozentrischen Vision des II. Vatikanischen Konzils hat die Kirche das Wissen um ihr eigenes Geheimnis und ihre Sendung erneuert. Die dogmatische Konstitution Lumen Gentium und die Pastoralkonstitution Gaudium et spes entwickeln eine Ekklesiologie der Gemeinschaft, die auf einer erneuerten Auffassung von der göttlichen Offenbarung basiert. In der Tat hat die dogmatische Konstitution Dei Verbum einen wahren Wendepunkt bedeutet hinsichtlich der Art und Weise, wie mit der göttlichen Offenbarung umgegangen wird. Anstatt wie zuvor der noetischen Dimension der Glaubenswahrheiten den Vorzug zu geben, haben die Konzilsväter den Akzent auf die dynamische und dialogale Dimension [3] der Offenbarung als persönliche Selbstmitteilung Gottes gelegt. Sie haben damit die Grundlagen gesetzt für eine lebendigere Begegnung und einen lebendigeren Dialog zwischen Gott, der ruft, und seinem Volk, das antwortet.
Dieser Wendepunkt wurde von den Theologen, den Exegeten und den Hirten weithin als entscheidendes Ereignis gewürdigt.[4] Dennoch ist gemeinhin bekannt, dass die Konstitution Dei Verbum unzureichend rezipiert wurde und dass der Wendepunkt, den sie mit sich gebracht hat, noch nicht die erwünschten und erwarteten Früchte im Leben und in der Sendung der Kirche gezeitigt hat.[5] Unter Berücksichtigung der erreichten Erfolge muss man sich fragen, warum das Modell der persönlichen Kommunikation [6] noch nicht tiefer das Bewusstsein der Kirche, ihr Beten, ihre pastorale Praxis sowie die theologischen und exegetischen Methoden durchdrungen hat. Die Synode muss konkrete Lösungsvorschläge machen, um diese Lücken zu schließen und die Unwissenheit hinsichtlich der Schrift zu überwinden, die zu den aktuellen Schwierigkeiten im Bereich der Evangelisierung gehört.

Wir müssen zugeben, dass das Glaubensleben und der missionarische Elan der Christen tief in Mitleidenschaft gezogen wird von verschiedenen soziokulturellen Phänomenen wie der Säkularisierung, dem religiösen Pluralismus, der explosionsartigen weltweiten Ausbreitung der Medien mit all den verschiedenartigen Konsequenzen dieser Phänomene, namentlich der zunehmenden Kluft zwischen armen und reichen Menschen, der Ausbreitung esoterischer Sekten, der Bedrohungen für den Frieden, ganz zu schweigen von den aktuellen Angriffen auf das menschliche Leben und die Familie.[7]

Zu diesen soziokulturellen Phänomenen kommen die Schwierigkeiten im Innern der Kirche hinzu, wie etwa die Glaubensvermittlung in der Familie, die Mängel in der katechetischen Ausbildung, die Spannungen zwischen kirchlichem Lehramt und akademischer Theologie, die innere Krise der Exegese und ihre Beziehung zur Theologie und, allgemein gesagt, "eine gewisse Kluft zwischen den Experten und den Hirten sowie zwischen den Experten und den einfachen Menschen der christlichen Gemeinschaften" (IL 7a).
Die Synode muss sich der großen Herausforderung der Glaubensvermittlung durch das Wort Gottes in unserer Zeit stellen. In einer pluralistischen Welt, die von Relativismus und Esoterik geprägt ist,[8] wirft selbst der Begriff der göttlichen Offenbarung Fragen auf und erfordert genauere Erklärungen.

Convocatio
, communio, missio. Anhand dieser drei Schlüsselbegriffe, die die dreifache dynamische, persönliche und dialogale Dimension der christlichen Offenbarung beschreiben, werden wir die thematische Struktur des Instrumentum Laboris aufzeigen. Das Wort Gottes ruft Menschen zusammen, es lässt uns durch den Glaubensgehorsam Anteil haben am Plan Gottes, und es sendet das erwählte Volk zu allen Nationen aus. Dieses Wort des Bundes findet seinen Höhepunkt in Maria, die gläubig das menschgewordenen Wort aufnimmt, nach dem sich die Nationen sehnen. Wir werden auf die drei Dimensionen des Wortes des Bundes zu sprechen kommen, so wie der Heilige Geist sie in der Heilsgeschichte, in der Heiligen Schrift und in der kirchlichen Tradition konkret Gestalt annehmen lässt.

Bitten wir den Heiligen Geist, in uns den Wunsch zu vertiefen, das Wort Gottes wiederzuentdecken, das stets aktuell und niemals veraltet ist. Dieses Wort hat die Macht, die Kirche gleichsam "auf die Welt zu bringen", sie zu verjüngen und im Hinblick auf die Mission neue Hoffnung zu wecken. Benedikt XVI. hat uns in Erinnerung gerufen, dass diese große Hoffnung auf der Gewissheit beruht, dass "Gott die Liebe ist"[10] und dass "Gott sich in Christus gezeigt hat"[11], um das Heil aller zu erwirken.

I. CONVOCATIO : IDENTITÄT DES WORTES GOTTES

A. GOTT SPRICHT

"In principio erat Verbum, et Verbum erat apud Deum, et Deus erat Verbum" (Joh 1, 1s).

Zu Beginn dieser Überlegungen wollen wir vom Geheimnis Gottes ausgehen, so wie es uns in der Heiligen Schrift offenbart ist. Der Gott der Offenbarung ist ein Gott, der spricht; er ist ein Gott, der in seinem innersten Wesen Logos ist und der sich der Menschheit auf verschiedenste Weise zu erkennen gibt (Hebr 1,1). Dank der Bibel fühlt sich die Menschheit von Gott angesprochen; der Heilige Geist befähigt sie, das Wort Gottes zu hören und aufzunehmen, wodurch sie zur Ecclesia wird, zur Gemeinschaft, die sich um das Wort Gottes herum versammelt. Diese gläubige Gemeinschaft erhält ihre Identität und ihre Sendung durch das Wort Gottes, das sie begründet, nährt und sie in den Dienst am Reich Gottes stellt.[12]

Wir wollen zu Beginn die verschiedenen Bedeutungen des Wortes Gottes genauer klären. Der Prolog des Johannesevangeliums bietet die höchste und umfassendste Perspektive für diese Erklärungen. Mit dem Terminus Logos bezeichnet der Evangelist eine transzendente Wirklichkeit, die bei Gott war und die Gott selbst ist. Dieser Logos ist "bei Gott, und das Wort war Gott" ( ) (Joh 1, 1); im Anfang war es bei Gott, das heißt vor allen Dingen, in Gott selbst ( ). Der Schlußteil des Prologs präzisiert die persönliche göttliche Natur des Logos mit folgenden Worten: "Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht" (Joh 1, 18).

In seinen Briefen an die Kolosser und an die Epheser beschreibt der heilige Paulus auf sehr ähnliche Weise das Geheimnis Christi, des Wortes Gottes: "Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare… alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen" (Kol 1, 15-16). In seinem Heilsplan wollte Gott "in Christus alles vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist. Durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt und eingesetzt, nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschließt; wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher auf Christus gehofft haben" (Eph 1, 10-12).

B. DAS WORT VOM NEUEN UND EWIGEN BUND IN JESUS CHRISTUS

Mit dem Wort Gottes wird also zunächst Gott selbst bezeichnet, der spricht und in seinem Inneren ein göttliches Wort zum Ausdruck bringt, das seinem innersten Geheimnis zugehört. Dieses göttliche Wort ist der Ursprung aller Dinge, "denn ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist" (Joh 1, 3). Er spricht die verschiedensten Sprachen, insbesondere jene der materiellen Schöpfung, jene des Lebens und jene des Menschen. "In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen" (Joh 1, 4). Auch spricht er auf besondere und mitunter dramatische Weise in der Geschichte der Menschen, vor allem durch die Erwählung eines Volkes, durch das Gesetz des Mose und durch die Propheten.

Nachdem er schließlich auf verschiedene Weise gesprochen hat (vgl. Hebr 1,1), erneuert und krönt er alles auf einzigartige, vollkommene und entgültige Weise in Jesus Christus. "Et Verbum caro factum est et habitavit in nobis" (Joh 1, 14). Das Mysterium des menschgewordenen Gotteswortes bildet den Mittelpunkt des Prologs und des gesamten Neuen Testaments: "Denn es ist Jesus Christus - wer ihn sieht, sieht auch den Vater (vgl. Joh 14,9) -, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und abschließt und durch göttliches Zeugnis bekräftigt, daß Jesus Christus der 'Gott mit uns ist'" (DV 4).

Das Wort Gottes, das in der Heiligen Schrift bezeugt ist, hat somit unterschiedliche Formen und birgt unterschiedliche Bedeutungsebenen in sich. Es beschreibt Gott selbst, der spricht, sein göttliches Wort, sein schöpferisches und heilbringendes Wort, und schließlich das in Jesus Christus, "dem Mittler und der Fülle der göttlichen Offenbarung" (DV 2), menschgewordene Wort. Bei Lukas wird das Wort Gottes mit der mündlichen Lehre Jesu gleichgesetzt (Lk 5, 1-3), ja sogar mit der österlichen Botschaft, dem Kerygma, das, durch die Verkündigung der Apostel, "wächst und sich vermehrt", so als wäre es ein lebendiger Organismus (Apg 12,24). Dieses Wort Gottes, das eins und vielfältig, dynamisch und eschatologisch, persönlich und kindgleich ist, wohnt der Kirche durch den Glauben inne und belebt sie; es ist in den Heiligen Schriften enthalten als historisches und literarisches Zeugnis, als heiliges Vermächtnis, das für die ganze Menschheit
bestimmt ist. Daher also diese neue und entscheidende Form des Wortes Gottes, der heilige Text, die schriftlich abgefasste Form, die das Volk Gottes als Zeugnis des Neuen Bundes ansah. Daher auch die Schriften des Neuen Testaments, die die Kirche ihrerseits vom Heiligen Geist und aus der apostolischen Überlieferung empfangen hat. Diese Schriften sieht sie als normativ und definitiv für ihr Leben und für ihre Sendung an.

Kurz gesagt, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes ist ein dialogales und sogar trinitarisches Wort. Es wird dem Menschen in Jesus Christus angeboten, um ihn in die trinitarische Gemeinschaft einzuführen, damit er dort seine volle Identität finde. Gemäß dem Prolog des Johannes richtet sich dieses persönliche Wort Gottes an die Menschheit, wobei sich sofort die Frage nach seiner Aufnahme stellt: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf "; aber "allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden" (Joh 1, 12).
Gott spricht und somit wird der Mensch zu einem Wesen, das angesprochen wird. Diese anthropologische Dimension der göttlichen Offenbarung wird kurz erwähnt in der Konstitution Dei Verbum 2: "Durch Christus, das menschgewordene Wort, haben die Menschen im Heiligen Geist Zugang zum Vater und erhalten Anteil an der göttlichen Natur". Zu diesem anthropologischen Thema haben die Kirchenväter die traditionelle Lehre vom Imago Dei entwickelt. Der heilige Irenäus zum Beispiel spricht in einem Kommentar zum heiligen Paulus vom Sohn und vom Heiligen Geist als von den "Händen des Vaters", die den Menschen nach dem "Bild und Gleichnis Gottes" formen.[13] Es ist wichtig, sich die anthropologische Dimension der göttlichen Offenbarung vor Augen zu halten, da sie heutzutage eine sehr wichtige Rolle in der Hermeneutik der biblischen Texte spielt. Das II. Vatikanische Konzil hat die dialogale Identität des Menschen ausgehend vom Wort Gottes in Christus neudefiniert. "Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf. Denn Adam, der erste Mensch, war das Vorausbild des zukünftigen, nämlich Christi des Herrn. Christus, der neue Adam, macht eben in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung" (GS 22§ 1). In diesem christologischen Licht betrachtet, hat es also den Anschein, dass der Mensch durch die Annahme dieser erhabenen Berufung im Glauben und in der Liebe Zugang bekommt zu seiner vollkommenen persönlichen Identität in der Kirche, jenes Mysteriums der Gemeinschaft und "Volkes, das in der Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes versammelt ist".[14] Müsste man auf pastoraler Ebene nicht klären, ob diese dialogale und kindgleiche Theoanthropologie, die auf Christus gründet, den ihr gebührenden Platz in der Liturgie, der Katechese und der theologischen Lehre einnimmt? "In den Heiligen Büchern", so ruft DV in Erinnerung, "kommt ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf. Und solche Gewalt und Kraft liegt im Worte Gottes, daß es für die Kirche Halt und Leben, für die Kinder der Kirche Glaubensstärke, Seelenspeise und reiner, unversieglicher Quell des geistlichen Lebens ist." (DV 21).

Die göttliche Berufung des Menschen, so haben wir gesagt, erhellt sich im Geheimnis des menschgewordenen Wortes, im neuen Adam. Diese Berufung verleiht dem Menschen seine transzendente Dynamik in Form einer tiefen Sehnsucht nach Gott, die in sein Innerstes eingeschrieben ist. Der Mensch ist ein Wesen, das die Sehnsucht nach dem Unendlichen in sich trägt, aber er ist auch ein Wesen, das im Dienst steht und dem Wort Gottes gehorcht: "Ich bin die Magd des Herrn" (Lk 1,38). Die gesamte Anthropologie ist in diesem Textabschnitt enthalten, in dem von der Sehnsucht nach dem Dienen die Rede ist, die den Menschen zu einem kirchlichen Wesen macht, zu einer anima ecclesiastica.

C. DIE BRAUT DES MENSCHGEWORDENEN WORTES

1. Die Tochter Sion und die Ecclesia

"In Gemeinschaft mit der ganzen Kirche gedenken wir deiner Heiligen. Wir ehren vor allem Maria, die glorreiche, allzeit jungfräuliche Mutter unseres Herrn und Gottes Jesus Christus" (Römisches Hochgebet). Eine Frau, Maria, erfüllt auf vollkommene Weise den an die Menschheit ergangenen Ruf Gottes durch ihr "Ja"zum Wort des Bundes und zu seiner Sendung. Durch ihre göttliche Mutterschaft und ihre geistliche Mutterschaft erscheint Maria als Vorbild und ständiges Urbild der Kirche, so wie die frühe Kirche. Lasst uns innehalten in der Betrachtung Mariens als Gestalt, die gleichsam den Angelpunkt bildet zwischen dem alten und dem neuen Bund und die den Übergang vollzieht vom Glauben Israels hin zum Glauben der Kirche. Betrachten wir den Bericht von der Verkündigung, die unübertrefflicher Ursprung und Vorbild der Selbstmitteilung Gottes und der Glaubenserfahrung der Kirche ist. Er wird uns als Paradigma dienen, um die dialogale Identität des Wortes Gottes in der Kirche zu verstehen. Auf Seiten Gottes, der spricht, scheint in aller Klarheit die trinitarische Dimension der göttlichen Offenbarung auf. Der Engel spricht bei der Verkündigung im Namen Gottes, des Vaters, der die Initiative ergreift und sich an sein Geschöpf wendet, um ihm seine Berufung und seine Sendung mitzuteilen. Es handelt sich um ein Ereignis der Gnade, bei dem die Botschaft mitgeteilt wird ungeachtet der Furcht und des Erstaunens seines Geschöpfes: "Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben." In dem lebhaften Dialog, der hierauf folgt, spricht Maria dann: "Wie soll dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" Der Engel gibt ihr zur Antwort: "Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten dich überschatten" (Lk 1,35).

Über diese trinitarische Dimension des Berichtes von der Verkündigung hinaus zeigt uns der Dialog Mariens mit dem Engel zugleich die lebhafte Reaktion der Angesprochenen, ihre Angst, ihre Verlegenheit und ihre Bitte um eine Erklärung. Gott achtet die Freiheit seines Geschöpfes; daher erwähnt er auch das Zeichen der Fruchtbarkeit von Elisabet, was Maria gestattet, auf zugleich übernatürliche und vollkommen menschliche Weise ihre Zustimmung zu geben: "Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort" (Lk 1,38). Als Braut des lebendigen Gottes wird Maria durch die Gnade des Heiligen Geistes zur Mutter des göttlichen Sohnes.

In dem Augenblick, in dem Maria ihre bedingungslose Zustimmung zur Botschaft des Engels gibt, geht das trinitarische Leben in ihre Seele, ihr Herz und ihren Schoß ein. Die Kirche des Neuen Testaments beginnt dann zu existieren, als das menschgewordene Wort aufgenommen, innig geliebt und ihm in voller Verfügbarkeit gegenüber dem Heiligen Geist gedient wird. Dieses Leben der Gemeinschaft mit dem göttlichen Wort im Heiligen Geist beginnt mit der Botschaft des Engels und sie erstreckt sich über das gesamte Leben Mariens hinweg. Dieses Leben schließt alle Etappen des Wachsens und der Sendung des menschgewordenen Wortes ein, insbesondere die eschatologische Szene des Kreuzes, als Maria von Jesus selbst die Botschaft der Fülle ihrer geistlichen Mutterschaft empfängt: "Frau, siehe dein Sohn." (Joh 19,26). Auf all diesen Etappen hat Maria durch "ihr anfängliches und dauerhaftes JA" [15] Anteil am Leben Gottes, der sich hingibt, wobei sie selbst auf vollkommene Weise an seinem Heilsplan für die ganze Menschheit mitarbeitet. Sie ist die neue Eva, die vom heiligen Irenäus besungen wird, die als Braut des Lammes an der universalen Fruchtbarkeit des menschgewordenen Wortes teilhat.

Die Szene von der Verkündigung und das Leben Mariens veranschaulichen und wiederholen die Struktur des Bundes des Wortes Gottes und den Glauben in seiner Eigenschaft als Antwort. Sie lassen die persönliche und trinitarische Natur des Glaubens zur Geltung kommen, der in der Hingabe der eigenen Person an Gott besteht, der wiederum sich hingibt, in dem er sich offenbart.[16] "Diese Haltung ist die Haltung der Heiligen. Sie ist auch Haltung der Kirche, die sich unablässig zu ihrem Herrn bekehrt als Antwort auf das Wort, das er an sie richtet".[17]

Daher erscheint uns die Aufmerksamkeit gegenüber der Gestalt Mariens als Modell und sogar als Urbild [18] des Glaubens von wesentlicher Bedeutung zu sein, um konkret einen Paradigmenwechsel zu bewirken in der Beziehung zum Wort Gottes. Dieser Paradigmenwechsel
folgt nicht der Philosophie des jeweiligen Tages, sondern der Wiederentdeckung des ursprünglichen Ortes des Wortes Gottes, dem vitalen Dialog des dreifaltigen Gottes mit seiner Braut, der Kirche, die sich in der heiligen Liturgie vollzieht. "Zur Erfüllung dieses großen Werkes, durch das Gott vollkommen verherrlicht und die Menschen geheiligt werden, schließt sich Christus ständig der Kirche an, seiner geliebten Braut, die ihn als ihren Herrn anruft und durch ihn Gott, dem ewigen Vater, die Ehre erweist".[19]

2. Überlieferung, Schrift, Lehramt

Die Liturgie als einen lebendigen Dialog der Kirche mit Gott zu bezeichnen bedeutet von der Überlieferung in ihrem ursprünglichen Sinn zu sprechen, nämlich von der lebendigen Übermittlung des Geheimnisses vom Neuen Bund. Die Überlieferung besteht aus der apostolischen Verkündigung, sie geht den Heiligen Schriften voraus, entwickelt sie und begleitet sie ständig. Das verkündete Wort Gottes bringt den Glauben hervor, dessen Höhepunkt die Taufe und die Eucharistie ist. Denn dort bringt Gott in Christus den Menschen sein Leben dar, "um sie einzuladen, mit ihm in Gemeinschaft zu treten und sie in diese Gemeinschaft aufzunehmen" (DV 2). Dort antwortet die Kirche auch im Namen der ganzen Menschheit auf den Gott des Bundes, indem sie sich mit Christus zu seiner Ehre und für das Heil der Welt darbringt.

In der lebendigen Tradition der Kirche nimmt das Wort Gottes den ersten Platz ein: es ist der lebendige Christus. Das geschriebene Wort legt Zeugnis hiervon ab. Die Heilige Schrift ist in der Tat ein historischer Beleg und ein unersetzlicher kanonischer Bezugspunkt für das Gebet, das Leben und die Lehre der Kirche. Dennoch ist die Schrift nicht das gesamte Wort, sie kann nicht völlig mit ihm identifiziert werden. Daher ist die Unterscheidung zwischen dem Wort und der Schrift so wichtig, ebenso wie zwischen dem Buchstaben und dem Geist. Der heilige Paulus hebt mit Nachdruck hervor, dass wir Diener "eines Neuen Bundes sind, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig" (2 Kor 3,6). Es ist einsichtig, dass der Buchstabe der Heiligen Schrift eine vorrangige und normative Rolle in der Kirche spielt, aber "das Christentum kann nicht als eine 'Religion des Buches' bezeichnet werden: es ist die Religion des Wortes - aber nicht allein und vorrangig der Wortes in schriftlicher Form. Es ist die Religion des Wortes, und zwar nicht eines 'geschriebenen und stummen Wortes, sondern des menschgewordenen und lebendigen Wortes"[20]. Diese Religion des Wortes ist jedoch untrennbar verbunden mit dem geschriebenen Wort, zu dem es in einer komplexen, aber wesentlichen Beziehung steht.

Die Einheit zwischen der lebendigen Überlieferung und der Heiligen Schrift gründet auf dem Beistand des Heiligen Geistes für jene, die einen pastoralen Dienst ausführen: "Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft" (DV 10).

Dieser Beistand, den der Heilige Geist dem Lehramt schenkt (vgl. 2 Tim 1,14) vervollständigt sein Wirken in der Schöpfung und in der Heilsgeschichte. In der Tat ist der Heilige Geist in der Geschichte am Wirken, wobei er "Taten" und "Worte" hervorbringt, die die Ereignisse gedeutet haben und die in den Heiligen Büchern schriftlich niedergelegt sind (DV I,2). Die historisch-kritische Exegese hat unser Bewußtsein geschärft für die komplexe menschliche Vermittlung bei der Abfassung der Heiligen Texte, und dennoch hat der Heilige Geist die ganze Heilsgeschichte geleitet, er hat ihre mündliche und schriftliche Interpretation inspiriert und ihren Höhepunkt in Christus und der Kirche gestaltet.

Der heilige Paulus beschreibt in poetischer Weise "das Wort Gottes" als "Schwert des Geistes" (Eph 6, 17). Er stellt dabei in besonderer Weise die Rolle des Heiligen Geistes im Heilsplan Gottes heraus, vor allem in seinem meisterhaften Brief an die Epheser (vgl. 1,13; 2,22; 3,5). Wir möchten nun anmerken, dass das Wirken des Heiligen Geistes nicht der dialogalen Dimension und der lehrmässigen Dimension entgegensteht, wie es das Lehramt der Kirche in Erinnerung ruft, wobei es in DV den Schwerpunkt auf die persönlich-dialogale Dimension legt, ausgehend von der Selbstmitteilung Gottes in Christus. "Es zeigt sich also, daß die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluß Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, daß keines ohne die anderen besteht und daß alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen." (DV 10).

Trotz dieses delikaten Gleichgewichtes, das viele Auswirkungen auf ökumenischer Ebene hat, bleiben Spannungen bestehen, und das Nachdenken über grundlegende Fragen muss weiterentwickelt werden, denn diese haben großen Einfluss darauf, wie die Schrift gelesen und ausgelegt wird und wie sie fruchtbringend im Leben und in der Sendung der Kirche verwendet wird.

Convocatio
: Gott ruft durch sein Wort seine Geschöpfe ins Leben. Er ruft den Menschen zum Dialog in seinem Sohn und er beruft die Kirche dazu, im Heiligen Geist an seinem göttlichen Leben Anteil zu haben. Wir wollen diesen Teil über die Identität des Wortes Gottes mit einem Abschnitt über die Kirche, die Braut des menschgewordenen Wortes, abschließen. Trotz der Komplexität der Beziehungen zwischen Schrift, Überlieferung und Lehramt gewährleistet der Heilige Geist die Einheit des Ganzen, vor allem wenn man sich die eine Antwort beinhaltende, bräutliche Dynamik des Bundes vor Augen führt. Indem wir die kirchlichen Aspekte der Schrift, der Überlieferung und des Lehramtes in den Kontext einer marianischen Ekklesiologie stellen, laden wir zu einem Paradigmenwechsel ein, wobei sich der Schwerpunkt von der noetischen Dimension zur persönlichen Dimension der Offenbarung verlagert. Die archetypische Gestalt Mariens gestattet, die dynamische Dimension des Wortes Gottes und der persönlichen Natur des Glaubens als Gabe seiner selbst zur Geltung zu bringen, indem sie die Kirche einlädt, sich unter das Wort Gottes zu stellen und verfügbar zu sein gegenüber dem Wirken des Geistes

II. COMMUNIO: DAS WORT GOTTES IM LEBEN DER KIRCHE

In diesem zweiten Teil sprechen wir vom Wort Gottes im Leben der Kirche, wobei wir beim Dialog der Kirche mit Gott in der heiligen Liturgie beginnen wollen, die gleichsam die Wiege des Wortes Gottes ist, sein Sitz im Leben [21]. Danach werden wir die Lectio divina und die kirchliche Auslegung der Heiligen Schrift behandeln, wobei wir den Schwerpunkt auf die Suche nach dem geistlichen Sinn legen und dazu einladen werden, die Exegese mit den Kirchenvätern zu verbinden.

A. DER DIALOG DER KIRCHE MIT GOTT, DER SPRICHT

1.Die heilige Liturgie

Die Liturgie wird angesehen als Ausübung des priesterlichen Amtes Jesu Christi, eine Übung, bei der der gesamte öffentliche Kult vom mystischen Leib Jesu Christi vollzogen wird, das heißt vom Haupt und von seinen Gliedern (vgl. SC 7). Daher stellt die Konstitution Sacrosanctum concilium die verschiedenen Formen der Gegenwart Christi in der Liturgie heraus: "Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht - denn 'derselbe bringt das Opfer jetzt dar durch den Dienst der Priester, der sich einst am Kreuz selbst dargebracht hat' -, wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten. Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so daß, wenn immer einer tauft, Christus selber tauft." Christus ist "gegenwärtig in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden." (SC 7).

"Er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden." Man kann gar nicht oft genug an die pastoralen Auswirkungen dieser feierlichen Worte des Konzils erinnern. Sie rufen uns ins Gedächtnis, dass die Hauptperson der heiligen Liturgie Christus selbst ist, der sich an sein Volk wendet und sich aus Liebe im Opfer seinem Vater hingibt für das Heil der Welt. Auch wenn beim Vollzug der liturgischen Riten die Kirche die Hauptrolle zu spielen scheint, spielt sie tatsächlich aber stets eine untergeordnete Rolle im Dienste des Wortes und dessen, der spricht. Der Ekklesiozentrismus ist der Konzilsreform fremd. Wenn das Wort Gottes verkündet wird, ist es Christus, der im Namen seines Vaters spricht, und der Heilige Geist befähigt uns, sein Wort aufzunehmen und an seinem Leben Anteil zu haben. Die liturgische Versammlung muss auf sein Wort ausgerichtet sein und nicht auf sich selbst. Andernfalls wird sie zu nichts anderem als einer beliebigen sozialen Gruppe.

Die Kirche lehrt uns, indem sie uns all dies ständig ins Gedächtnis ruft, dass das Wort Gottes in erster Linie Gott ist, der spricht. Schon im Ersten Bund spricht Gott zu seinem Volk durch Mose, der ihm dann die Antwort des Volkes auf die Worte des Herrn überbringt: "Alles, was der Herr befohlen hat, wollen wir tun." (Ex 19,8)[22]. Gott spricht weniger, um uns zu belehren, als um uns sich selbst mitzuteilen und "uns in seine Gemeinschaft hineinzunehmen" (DV 2). Der Heilige Geist verwirklicht diese Gemeinschaft, in dem er die Gemeinde um sein Wort versammelt und das österliche Geheimnis Christi vergegenwärtigt, wobei er sich selbst in der Kommunion hingibt. Denn gemäß der Schrift gipfelt die Sendung des menschgewordenen Wortes in der Mitteilung des göttlichen Geistes.[23] In diesem trinitarischen und pneumatologischen Licht betrachtet, wird es klarer deutlich, dass die heilige Liturgie der lebendige Dialog ist zwischen Gott, der spricht, und der Gemeinschaft, die hört und Antwort gibt durch ihren Lobpreis, ihre Danksagung und ihr Engagement im Leben und in der Sendung. Wie soll man bei den Gläubigen das Bewußtsein dafür schärfen, dass die Liturgie die Ausübung des priesterlichen Amtes Jesu Christi ist, dem die Kirche als seine geliebte Braut zutiefst verbunden ist? Welche Konsequenzen müsste die Wiederentdeckung dieses ursprünglichen Ortes des Wortes Gottes auf die biblische Hermeneutik, die Eucharistiefeier und besonders auf den Stellenwert und die Funktion des Wortgottesdienstes einschließlich der Homilie haben?

a) Wort und Eucharistie

"Die Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlaß das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht" (DV 21). Als sie den Wortgottesdienst und die Eucharistiefeier mit den zwei Tischen verglich, wollte DV zu Recht die Bedeutung des Wortes Gottes hervorheben. Dieser Ausdruck nimmt einen traditionellen Gedanken wieder auf, den beispielsweise Origines sehr gut dargelegt hat, als er zum Respekt vor dem Wort Gottes wie auch vor dem Leib Christi ermahnt: "So wie ihr, da es sich um seinen Leib handelt, zu Recht alle Vorsicht walten lasst, warum wollt ihr dann, dass die Missachtung des Wortes Gottes eine geringere Züchtigung nach sich ziehe als die seines Leibes?".[24] Wenn wir darauf Wert legen, die Metapher von den beiden Tischen beizubehalten, müssten wir dann nicht auch die Art, ihnen Verehrung entgegenzubringen, in all ihren Nuancen darstellen?[25] Müssen wir nicht auch vor allem ihre Einheit hervorheben, da sie beide den Gläubigen dasselbe "Brot des Lebens"schenken (Joh 6,35-58)? Sowohl unter der Gestalt des Brotes, an das wir glauben, als auch des Brotes, das wir essen, lässt uns das verkündete Wort und das über die Hostien gesprochene Wort teilhaben am selben sakramentalen Ereignis. Der Wortgottesdienst trägt eine geistliche Kraft in sich, die gesteigert wird durch ihre enge Verbindung mit dem Vollzug des österlichen Geheimnisses: das Wort Gottes wird durch die Kraft des Heiligen Geistes zum sakramentalen Fleisch. Dieses sakramentale Geheimnis vollzieht sich durch Worte, wie es das Konzil von Trient in Erinnerung ruft [26], sowie durch das Wirken des Heiligen Geistes, der auf dem geweihten Diener ruht in der Epiklese ausdrücklich angerufen wird.

Der Heilige Geist verleiht dem Wort Gottes in der Liturgie eine performative Kraft, das heißt es ist "voll Leben und voll Kraft" (Hebr 4,12). Das bedeutet, dass das liturgische Wort ebenso wie das Evangelium "nicht nur Mitteilung von Wißbarem (ist); es ist Mitteilung, die Tatsachen wirkt und das Leben verändert".[27] Diese performative Kraft des liturgischen Wortes hängt von der Tatsache ab, dass derjenige, der spricht, durch sein Wort nicht in erster Linie belehren, sondern sich selbst mitteilen will. Derjenige, der hört und antwortet, hängt nicht nur abstrakten Wahrheiten an, sondern er setzt sich persönlich mit seinem ganzen Leben ein, wobei er seine Identität als Glied des Leibes Christi zeigt. Der Heilige Geist ist der Schlüssel zu dieser lebenswichtigen Kommunikation. Er ist es, der den sakramentalen und kirchlichen Leib formt, so wie er in Maria seinen fleischlichen Leib und, nach den Worten des Origines, den "Leib der Schrift" geformt hat.[28] So kommt mit dem Sohn und dem Heiligen Geist "ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf." (DV 21). Wie soll man nun Jünger und Diener heranbilden, die fähig sind, die trinitarische und antwortartige Dimension der Liturgie zur Geltung zu bringen? Diese pastoralen Auswirkungen erfordern nicht nur eine Reform der biblischen Studien, sondern auch eine Wiederaufwertung der Schriftbetrachtung.

b) Die Homilie

Obwohl beim Konzil über die Reform der Homiletik beraten wurde, spüren wir noch die Unzufriedenheit vieler Gläubiger angesichts des Dienstes der Verkündigung. Diese Unzufriedenheit erklärt zum Teil den Wechsel vieler Katholiken zu anderen religiösen Gruppen. Wir wissen, dass es, um die Lücken in der Verkündigung zu schließen, nicht genügt, dem Wort Gottes die Priorität einzuräumen. Es ist auch nötig, dass es im mystagogischen Kontext der Liturgie richtig ausgelegt wird. Auch genügt es nicht, sich der Exegese zu bedienen, oder neue pädagogische oder technologische Mittel zu verwenden. Es ist auch nicht ausreichend, dass das persönliche Leben des Priesters in tiefem Einklang mit dem verkündeten Wort steht. All dies ist sehr wichtig, es kann aber dem Vollzug des österlichen Geheimnisses Christi fremd bleiben. Wie kann man den Homileten helfen, das Leben und das Wort in Verbindung zu bringen mit diesem eschatologischen Ereignis, das ins Herz der Gemeinde eingeht? Die Homilie muss die spirituelle und damit christologische Tiefe der Heiligen Schrift erreichen.[29] Wie kann man den Hang zum Moralismus vermeiden und vielmehr an die Entschlossenheit des Glaubens appellieren?

Das Instrumentum laboris legt besonderen Wert auf die Bibelstelle Lukas 4,21, in der von der "ersten Homilie" die Rede ist, die Jesus in der Synagoge von Nazaret gehalten hat: "Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt." Das Lukasevangelium führt diese Textpassage auf sehr feierliche Weise ein und macht sie gleichsam zu einer Zusammenfassung der Verkündigung und der Geschicke Jesu. In gewisser Weise war die Szene in der Synagoge von Nazaret ein Sinnbild seines Lebens. Die Menschen waren erstaunt über die Botschaft der Gnade, die von seinen Lippen kam, aber am Ende waren sie bereit, ihm den Todesstoß zu versetzen. Der Beginn seiner Predigttätigkeit war der Prolog des Ostergeheimnisses.

"Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt" (Lk 4,21). Zwischen dem Heute des Auferstandenen und dem Heute der Gemeinde steht die Vermittlung der Heiligen Schrift, die der Mund des Homileten, vom Heiligen Geist erfüllt, verkündet. "Sie staunten darüber, wie begnadet er redete" (LK 4,22). Erleuchtet vom Heiligen Geist, dient der auf einfache und vertraute Weise dargelegte Text als Vermittlung der Begegnung zwischen Christus und der Gemeinde. Die Erfüllung der Schrift vollzieht sich somit im Glauben der Gemeinde, die Christus als Wort Gottes aufnimmt. Das Heute, das den Prediger interessiert, ist das Heute des Glaubens, die im Glauben getroffene Entscheidung, sich Christus zu überantworten und ihm zu gehorchen, bis hin zu den sittlichen Anforderungen des Evangeliums.

Der Priester als Diener des Wortes Gottes vervollständigt das, was an der Verkündigung Jesu gegenüber seinem Leib, der Kirche, fehlt. Er teilt die Mühen der Vorbereitung, die Schwierigkeiten des Mitteilens, aber vor allem die Freude darüber, Werkzeug des Heiligen Geistes im Dienst an einem sehr tiefgehenden Ereignis zu sein: "der Mensch nimmt die Liebesgabe Gottes an, der ihm in Christus entgegenkommt".[30]

c) Das Stundengebet

Gott spricht auch weiterhin mit seinem Volk durch seinen Sohn im Heiligen Geist, "nicht nur durch die Feier der Eucharistie, sondern auch auf anderen Wegen und vor allem durch die Übung des Stundengebets" (SC 83). Jesus Christus "hat uns in diesem Erdental diesen Hymnus gegeben, der auf ewig im Himmel gesungen wird. In diesen himmlischen Lobgesang stimmt die ganze Menschenfamilie ein." "Auf diese Weise", so schreibt der heilige Augustinus, "betet unser Herr Jesus Christus, der einzige Erlöser seines mystischen Leibes, für uns, er betet in uns, und er nimmt unsere Bitten entgegen. Er bittet für uns wie unser Priester, er bittet in uns wie unser Haupt, er nimmt unsere Bitten entgegen wie unser Gott. Erkennen wir daher, das wir in ihm sprechen und dass er in uns spricht".[31]

Das Stundengebet ist Teil des Vollzugs des priesterlichen Amtes Jesu Christi, dem sich die Kirche tiefinnerlich anschließt als Braut des menschgewordenen Wortes. Die Erneuerung des Stundengebetes, die vom Konzil durchgeführt wurde, hat große Früchte in der Kirche gebracht dank der Entwicklung einer umfassenderen Praxis mit vereinfachten Formen, die den häufigen, vom Gebet durchdrungenen Kontakt mit dem Wort Gottes ermöglichen. Diese monastische und gemeinschaftliche Praxis, die auch von der Lektüre der Kirchenväter bereichert wird, bleibt ein konstitutives Element der kirchlichen Überlieferung und stellt somit einen wichtigen Bezugspunkt für die Auslegung der Heiligen Schrift in der Kirche dar.

Die kirchliche Übung verkörpert das spirituelle Ziel der Heiligen Schrift und bringt das unübertreffliche Gebet der Psalmen zur Geltung. "Gewiß, die ganze Heilige Schrift, vom Alten bis zum Neuen Testament, ist von Gott inspiriert und dient seiner Lehre, so wie sie geschrieben steht; und auch das Buch der Psalmen, schreibt der heilige Athanasius, bietet wie ein Paradies, das die Früchte aller anderen Bücher in sich birgt, seine Gesänge und fügt in der Psalmodie seine eigenen Früchte hinzu[32]. Wer die Psalmen singt, steht gleichsam vor einem "Spiegel", in dem er seine eigenen Gefühle wiederentdecken kann, so wie Augustinus, der bekennt, dass so "die Wahrheit von Eifer getragen in mein Herz einging, meine Tränen flossen, und es tat mir so wohl".[33]

Die Synode müsste in Erinnerung rufen, wie sehr die eifrige Übung des Stundengebets nach den Vorschriften der jeweiligen Gemeinschaften, ein wertvoller Sauerteig des gemeinschaftlichen Lebens und der Freude ist".[34] Es verkörpert die Sequela Christi, die Einheit zwischen Braut und Bräutigam im Lobgebet der Liebe und der Fürbitte zur Ehre Gottes und für das Heil der Welt.

2. Die Lectio divina

Die Überlieferung der Kirche fördert auch die Praxis der Lectio divina als weise Betrachtung der Heiligen Schrift, so wie Maria in ihrem Herzen über alle Geheimnisse aus dem Leben Jesu nachdachte. "Maria suchte den geistlichen Sinn der Schrift und fand ihn, indem sie ihn in Beziehung brachte (symballousa) zu den Worten, zum Leben Jesu und zu den Ereignissen, die sie nach und nach in ihrer eigenen Lebensgeschichte entdeckte". Auf diese Weise wird Maria zu einem Sinnbild für uns alle, für den Glauben der einfachen Menschen und für den der Kirchenlehrer, die studieren, forschen und die Art und Weise festlegen, wie das Evangelium bekannt wird.[35]

"Ich möchte vor allem die alte Tradition der Lectio divina in Erinnerung rufen und empfehlen", schreibt Papst Benedikt XVI. "Sie sollen daran denken, daß Gebet die Lesung der Heiligen Schrift begleiten muß, damit sie zu einem Gespräch werde zwischen Gott und Mensch; denn ihn reden wir an, wenn wir beten; ihn hören wir, wenn wir Gottes Weisungen lesen" (DV 25). Wenn diese Praxis in rechter Weise gefördert wird, kann sie der Kirche, und hiervon bin ich überzeugt, einen neuen geistlichen Frühling bescheren".[36]

Damit die Übung der Lectio divina noch fruchtbringender gepflegt wird, vermittelt uns der Text DV 23 den richtigen Blick, indem er die Kirche, die Braut des menschgewordenen Wortes erwähnt, die vom Heiligen Geist beseelt und belehrt wird. Diese bräutliche Ekklesiologie vermittelt eine Atmosphäre der Liebe und Gegenseitigkeit, welche die Betrachtung der Schrift begünstigt. Dieser wertvolle Hinweis hilft uns, uns der ekklesiologischen Voraussetzungen bewußt zu werden, die eine wichtigere Rolle im Dialog mit Gott spielen als die heiligen Texte selbst. In dem Maße, in dem die Kirche sich in ihren Gliedern als geliebte Braut erkennt, als Objekt der Liebe und des Auserwähltseins, wird sie sich ganz von selbst voll Liebe der Heiligen Schrift als immer sprudelnder Quell der göttlichen Liebe zuwenden.[37]

"Vor diesem Hintergrund müssen wir die außergewöhnliche Exegese der Kirchenväter zur Kenntnis nehmen, recht verstehen und wiedererlangen ebenso wie die großartige mittelalterliche Intuition des 'vierfachen Schriftsinns', die in keinster Weise an Bedeutung verloren haben.[38]

Die Pflege der Lectio divina wird reiche Früchte bringen und uns in eine Atmosphäre des Vertrauens gegenüber der Heiligen Schrift hineinnehmen. Dies setzt eine Exegese des Textes voraus "im Geiste dessen, der ihn geschrieben hat" (DV 12). In diesem Kontext kann man gar nicht genug "das Studium der Kirchenväter des Ostens und des Westens sowie der heiligen Liturgie" empfehlen (DV 23).

Kurz gesagt: die Lectio divina kann viel zum Dialog der Kirche mit Gott, zur Ausbildung der Schüler und der christlichen Gemeinschaften beitragen, wie auch zur Annäherung der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften "durch die gemeinsame geistliche Lektüre des Wortes Gottes".[39]

Es ist wünschenswert, dass die Synode die Suche nach neuen, einfachen und anziehenden Strategien ermutigt, die dem ganzen christlichen Volk oder bestimmten Gruppen von Gläubigen angepasst werden, um den freudige Pflege einer beständigen persönlichen und gemeinschaftlichen Lektüre des Wortes Gottes zu fördern.

B. Die Auslegung der Heiligen Schrift in der Kirche

1. Problematische Elemente

Die Auslegung der Heiligen Schrift in der Kirche hat seit den apostolischen Anfängen wiederholt Anlass gegeben zu Konflikten und Spannungen. Schismen und Trennungen haben weitere Hindernisse aufgerichtet. Mit diesen bedauerlichen Ereignissen einhergehend, haben sich nicht nur die Exegese und die Theologie voneinander entfernt, sondern auch von der spirituellen Auslegung der Heiligen Schrift, die im Zeitalter der Kirchenväter üblich war.[40] Das kontemplative Beispiel der monastischen und patristischen Theologie ist - unter dem Einfluss der zu bekämpfenden Irrtümer und der historischen, philosophischen und wissenschaftlichen Entdeckungen - verdrängt worden von einer spekulativen und oft polemischen Form der Theologie. Hinzu kommt noch die anthropozentrische Wende des modernen Denkens, das die Metaphysik des Seins zugunsten einer immanentistischen Epistemologie zurückweist. Als Gefangener des magischen Zirkels des "cogito" (Ricoeur), ist der Mensch fasziniert von seinen eigenen spekulativen Heldentaten (Hegel), aber er verliert den Sinn für das Staunen vor dem Geheimnis des Seins und der Offenbarung.[41]

In diesem Kontext der Trennung und des Konfliktes zwischen Glauben und Vernunft wohnt man einer Infragestellung der Einheit der Heiligen Schrift bei sowie einer übermäßigen Fragmentierung der Interpretationen. Von nun an gibt es keine Übereinstimmung mehr hinsichtlich des inneren Bezugs von Exegese und Glauben, und die Spannungen zwischen Exegeten, Hirten und Theologen vergrößern sich.[42] Sicher wird die historisch-kritische Exegese immer mehr durch andere Methoden ergänzt, von denen einige an die Tradition und Geschichte der Exegese anknüpfen.[43] Aber muss nicht im allgemeinen, nachdem man sich Jahrzehnte lang auf die menschlichen Aspekte der Übermittlung der Heiligen Schrift konzentriert hat, die göttliche Tiefe der inspirierten Texte wiedergefunden werden, ohne dabei die wertvollen Errungenschaften der neuen Methodologien preiszugeben?

Man kann nicht genug Wert darauf legen, denn die Krise der Exegese und die theologische Hermeneutik ziehen das geistliche Leben des Volkes Gottes und sein Vertrauen in die Heilige Schrift stark in Mitleidenschaft. Sie belastet auch die kirchliche Gemeinschaft wegen der oft schädlichen angespannten Atmosphäre zwischen der universitären Theologie und dem kirchlichen Lehramt. Angesichts dieser heiklen Situation und ohne in die Diskussionen der verschiedenen Schulen einzutreten, muss die Synode eine Orientierung geben, um die Beziehungen zu verbessern und um die Errungenschaften der biblischen und hermeneutischen Wissenschaften in die kirchliche Auslegung der Heiligen Schriften.[44]

Die in dieser Hinsicht von der Kongregation für die Glaubenslehre geförderten Dialoge sollten intensiviert werden, um die Streitfragen auf multidisziplinäre Weise und im Respekt der jeweiligen Kompetenzen zu vertiefen und so das Urteil der Kirche vorzubereiten, "deren gottergebener Auftrag und Dienst es ist, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen" (DV 12). Die Päpstliche Bibelkommission und die Internationale Theologische Kommission spielen eine wichtige und in diesem Zusammenhang sehr geschätzte Rolle. Die Synode könnte dem wertvollen Beitrag dieser Institutionen ihre Anerkennung aussprechen und zu gemeinsamen Sitzungen ermutigen [45], um den Dialog zwischen Hirten, Theologen und Exegeten zu fördern. Sie könnte auch Treffen dieser Art auf regionaler Ebene vorschlagen, die dazu beitragen würden, ein gesundes Klima der Gemeinschaft und des Dienstes am Wort Gottes zu schaffen. Die Synode könnte unter anderem den Vorschlag machen, dass man den geistlichen Sinn der Heiligen Schrift zum tragenden Element dieser Suche nach Einheit macht.[46]

2. Der geistliche Sinn der Heiligen Schrift

"Der erfahrene Theologe erkennt ohne Umschweife", schreibt Pater de Lubac, "dass das Vorhandensein eines zweifachen Schriftsinns, des wörtlichen und des geistlichen, eine unveräußerliche Vorgabe der Tradition ist. Sie ist Teil des christlichen Erbes. Er [der geistliche Schriftsinn] ist, wiederholen wir es mit den Vätern, das Neue Testament selbst, mit all seiner Fruchtbarkeit, das sich uns offenbart als 'Erfüllung und Transfiguration des Alten Testaments'" [47] Nach dem heiligen Thomas von Aquin setzt der geistliche Sinn den wörtlichen Sinn voraus und stützt sich auf ihn.[48] Jedoch muss jede symbolische oder geistliche Interpretation eine Homogenität mit dem wörtlichen Sinn bewahren. Denn "ließe man einen heterogenen Sinn zu, würde man die biblische Botschaft in ihren Wurzeln treffen und subjektiver Willkür überlassen, denn diese Botschaft ist ein Wort, das Gott in der Geschichte gesprochen hat."[49] Man würde einem unkontrollierbaren Subjektivismus die Tür öffnen.

Diese Befürchtung eines Subjektivismus und die fehlende zeitgenössische Reflexion über die Inspiration der Heiligen Schrift erklären, dass sich die zeitgenössische katholische Exegese nur langsam wirklich für den geistlichen Sinn der Heiligen Schrift interessiert.[50] Dennoch zeichnet sich eine bedeutsame Entwicklung in dieser Richtung ab. "In der Regel", schreibt die Päpstliche Bibelkommission, "läßt sich der geistliche Sinn in der Perspektive des christlichen Glaubens als der Sinn definieren, den die biblischen Texte ausdrücken, wenn sie unter dem Einfluß des Heiligen Geistes im Kontext des österlichen Mysteriums Christi und des daraus folgenden neuen Lebens gelesen werden."[51] Diese Definition stimmt sehr gut überein mit der Ausrichtung von DV 12, wo darauf hingewiesen wird, dass die biblischen Texte in dem Geist auszulegen sind, in dem sie geschrieben wurden.

Denn es ist der Heilige Geist, der die Ereignisse des Alten und des Neuen Testaments vorbereitet hat, einem Fortschreiten entsprechend, das von der Verheißung zur Erfüllung führt; durch den Heiligen Geist wurden diese Ereignisse durch prophetische Worte und symbolische oder weisheitliche "relectures" ausgelegt, um das Volk Gottes durch Läuterungen und schrittweise Vertiefungen zur Begegnung mit Jesus Christus zu führen, der Fülle der Offenbarung. Im Grunde bleibt der geistliche Sinn der Heiligen Schrift, der "wahre Sinn, der des Heiligen Geistes".[52] "Was mich angeht", schreibt der heilige Bernhard, "suche ich, so wie es mich der Herr gelehrt hat, in den verborgenen Tiefen des heiligen Wortes seinen Heiligen Geist und seinen lebendigen Sinn; das ist meine Aufgabe, denn ich glaube an Jesus Christus. Wie sollte ich nicht versuchen, aus diesem toten Wort ohne Geschmack eine köstliche und heilsame geistliche Nahrung zu gewinnen, so wie man die Spreu vom Weizen trennt, die Nuss von ihrer Schale oder wie man das Mark aus einem Knochen saugt? Ich möchte diesen Buchstaben nicht, der nach Fleisch schmeckt und den tötet, der ihn verschlingt. Aber das, was unter seiner Hülle verborgen ist, stammt vom Heiligen Geist".[53]

Die Praxis der geistlichen Auslegung der Heiligen Schrift erfordert hier eine pneumatologische Vertiefung. Es reicht nicht aus, "unter dem Einfluss des Heiligen Geistes" die Heilige Schrift zu lesen, man muss im Buchstaben den Geist wahrnehmen, der in ihm enthalten ist. So ist der Heilige Geist nicht nur eine von außen wirkende Kraft der Abfassung der Bibel; er ist derjenige, der sich in der Bibel in Übereinstimmung mit dem Wort des Vaters, Jesus Christus, ausdrückt. In Weiterführung dieser Untersuchung wäre es angemessen, wenn sich die Synode der Frage stellen würde, ob möglicherweise eine Enzyklika über die Interpretation der Heiligen Schrift in der Kirche angemessen wäre.

3. Exegese und Theologie

Exegese und Theologie beschäftigen sich mit demselben Objekt, dem Wort Gottes, aber aus verschiedenen und einander ergänzenden Perspektiven. Der Exeget studiert den "Buchstaben" der Heiligen Schrift "in dem Geist, in dem sie geschrieben worden ist [54]", für eine "rechte Ermittlung des Sinnes der heiligen Texte" (DV 12). Er schenkt der historischen Genese der Texte Aufmerksamkeit, ihrer literarischen Gattung, ihrer Strukturierung, aber auch der Beziehung zwischen den verschiedenen Büchern der Bibel und den beiden Testamenten. Die Synode sollte das wiederauflebende Interesse für die kanonische Herangehensweise an die Heilige Schrift begrüßen sowie die Bemühungen, Synthesen biblischer Theologie vorzuschlagen als interessante Schritte in Richtung auf ein globales Verstehen der Heiligen Schrift. Auch der Theologe bemüht sich, den "Buchstaben" auszulegen entsprechend der "Einheit der ganzen Schrift, unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche" (DV 12), der philosophischen und anderer Sprechweisen, die die Kultur seiner Zeit kennzeichnen. Dabei sollte er so weit wie möglich die besonderen Sensibilitäten seiner Zeitgenossen respektieren.

Exegeten und Theologen wissen, dass "die Heiligen Schriften das Wort Gottes enthalten und, weil inspiriert, wahrhaft Wort Gottes sind: Deshalb sei das Studium des heiligen Buches gleichsam die Seele der heiligen Theologie" (DV 24). Dieses Wort Gottes ist immer und zugleich das Wort des Glaubens, das Zeugnis eines Volkes und seiner inspirierten Verfasser. Deshalb müssen die exegetischen und theologischen Methoden die Wechselbeziehung von "Buchstabe", Heiligem Geist und Glauben in ihrer Auslegungsarbeit widerspiegeln. Die Bundesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk wohnt dem Text selbst inne und verlangt eine Interpretation, die nicht nur noetisch, sondern auch dynamisch und dialogal ist. Kurz gesagt, entweder legen Exegeten und Theologen die Bibel gewissenhaft im Glauben und im Hören auf den Heiligen Geist aus, oder sie halten sich bei den oberflächlichen Charakteristika des Textes auf, wenn sie sich auf historische, linguistische oder literarische Überlegungen beschränken.

Unter den dringenden Forschungsaufgaben kommt der Vertiefung der theologischen Epistemologie anhand der Kirchenväter und der Heiligen besondere Wichtigkeit zu. Durch ihre persönliche und methodische Haltung des kontemplativen Glaubens öffnen sie sich der Tiefe des Textes, das heißt der Gegenwart Gottes, der jetzt durch ihn spricht und den Hörer persönlich anspricht. Daher stammt ihr Zeugnis einer "Wissenschaft der Liebe" [55], die der bevorzugte Weg zur Kenntnis Gottes bleibt. "Die inspirierte Richtigkeit, mit der die am wenigsten spekulativen Heiligen bestimmte Aspekte des christlichen Lebens unterstreichen, kann unvorhersehbare Auswirkungen auf die lebendige Theologie der Kirche haben. Denken wir an die Regel des heiligen Benedikt, das Testament des heiligen Franziskus, an die Exerzitien des heiligen Ignatius" [56]. Auch wenn die betreffenden Heiligen keine Berufstheologen sind, dienen die besonderen Akzente als "Kanon" und Regeln zur Auslegung der Offenbarung, denn "diejenigen, die lieben, wissen am meisten über Gott. Auf sie muss der Theologe hören".[57] Die heilige Therese vom Kinde Jesu wusste, dass ihr Weg der geistlichen Kindschaft ein nachzuahmendes Vorbild war und in der Bibel weist der heilige Paulus auf sich selbst als Vorbild hin.

"Für eine abgeschlossene anthropologische Ethik wird die Freimütigkeit, mit der der heilige Paulus an sich selbst die Heiligkeit aufzeigt - um die dogmatische Wahrheit aufzuzeigen - und die Analyse seiner eigenen Existenz vor der ganzen Kirche und der Welt unterbreitet, wird immer etwas schockierendes an sich haben. Aber auf kirchlicher Ebene ist sie nichts weiter als der exakte und folgsame Widerschein der außerordentlichen Bekräftigung Christi, die Bekräftigung dessen, dass er selbst in seinem lebendigen Dasein die Wahrheit Gottes ist".[58] Die Art und Weise, wie der heilige Franziskus die Schrift verstanden hat, unterscheidet sich in wichtigen Punkten von der Auffassung seiner Biographen. Diese sind mit den wissenschaftlichen Methoden der damaligen Zeit vertraut und lassen sich auf eine symbolische Exegese ein, in der der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. Beim heiligen Franziskus ist dies anders: er hat keine Vorstellung von den zu seiner Zeit geltenden hermeneutischen Prinzipien. Seine Exegese ist realistisch, konkret, seine Vorstellungskraft ist an den Buchstaben der Heiligen Schrift gebunden". [59] Mit einem Wort, die Heiligen betrachten mit den Augen des Geistes die Tiefen Gottes, die in der Heiligen Schrift aufscheinen.[60] "Die Heiligen sind für das Evangelium das, was der Gesang im Verhältnis zu den Noten ist", schreibt der heilige Franz von Sales.[61]

III. MISSIO : Das Wort Gottes in der Sendung der Kirche

Wir haben das Wort Gottes in das Leben der Kirche hineingestellt unter dem Zeichen der Communio, denn das im Glauben angenommene Wort führt uns ein in die Gemeinschaft der Dreifaltigkeit. Die Erfahrung dieser Gemeinschaft führt zu einer immer tiefergehenden Bekehrung zur Liebe und einer Teilhabe an der missionarischen und eschatologischen Dynamik des Wortes Gottes. Beseelt vom Geist des Pfingstereignisses, will diese Synode dieser Dynamik folgen.

"Das Wort des Herrn aber wuchs und breitete sich aus", sagt uns die Apostelgeschichte (Apg 12,24). Es fand Anhänger unter den Juden und den Heiden, wie Petrus selbst vor der Gemeinschaft von Jerusalem bezeugte, als er von der Ausgießung des Heiligen Geistes über die Heiden sprach. "So wuchs das Wort des Herrn mit Macht und wurde stark" (Apg 19,20), indem es die Kirche wachsen ließ und ihr den Frieden des Reiches Gottes mitteilte (vgl. Apg 9,31).

A. Das Evangelium vom Reich Gottes verkünden

1. Die Kirche, Dienerin des Wortes

Die Kirche "hat ein lebendiges Bewusstsein, dass das Wort des Heilands - 'Ich muss die Frohbotschaft vom Reich Gottes verkünden' - voll und ganz auch von ihr gilt. Mit dem heiligen Paulus fügt sie gern hinzu: 'Von der Verkündigung des Evangeliums bleibt mir kein Ruhm. Es ist meine Pflicht. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!'" (1 Kor 9,16). Das Herz des Sendungsauftrags der Kirche ist, zu evangelisieren. Evangelisieren bedeutet: "zu predigen und zu unterweisen, Mittlerin des Geschenkes der Gnade zu sein, die Sünder mit Gott zu versöhnen, das Opfer Christi in der heiligen Messe immer gegenwärtig zu setzen, welche die Gedächtnisfeier seines Todes und seiner glorreichen Auferstehung ist" (EN 14). "Evangelisieren besagt für die Kirche, die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und sie durch deren Einfluss von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern: 'Seht, ich mache alles neu!' (Apg 21,5)" (EN 18).
In der Erfüllung ihres Evangelisierungsauftrags nimmt die Kirche das Wort Gottes an und dient ihm. Durch die prophetische Rede, die Liturgie und die Diakonie bezeugt die Kirche die persönliche Dynamik des fleischgewordenen Wortes. Bischöfe, Priester, Diakone, Laien und Gottgeweihte bleiben dem Wort unterstellt und handeln in Übereinstimmung mit ihm, dem Charisma entsprechend, das sie vom Heiligen Geist empfangen haben. Indem die Kirche so mit dem Wort Gottes zusammenarbeitet, hat sie an der Mission des Heiligen Geistes teil, der "die versprengten Kinder Gottes wieder sammelt" (Joh 11,52) "in Christus" (Eph 1,10), dem Herrn.

2. Der historische Jesus der Evangelien

Wie in apostolischer Zeit verkündet die Kirche das Reich Gottes, das heißt Jesus, den Christus, so wie ihn die Evangelien zeigen. Diese Aufgabe aber wurde belastet durch den Einfluss verschiedener Strömungen der Exegese, die einen Graben aufrissen zwischen dem "historischen Jesus" und dem "Christus des Glaubens". Diese exegetischen Strömungen haben den historischen Wert der Evangelien in Frage gestellt und so die Glaubwürdigkeit der Texte untergraben. "Eine solche Situation ist dramatisch für den Glauben, weil sein eigentlicher Bezugspunkt unsicher wird: Die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt, droht ins Leere zu greifen", schreibt Benedikt XVI.[62] Es ist wahr, dass die biblische Forschung seitdem, seit einigen Jahrzehnten den historischen Wert der Evangelien wieder anerkennt [63] und selbst deren biographischen Charakter erneut bekräftigt.[64] Die Kenntnis dieser Resultate ist nicht weit genug verbreitet und hat den negativen Einfluss der rationalistischen Exegese auf das geistliche Leben und das missionarische Zeugnis der Christen nicht korrigiert.

In diesem Kontext ist die Veröffentlichung des Buches "Jesus von Nazareth" durch Papst Benedikt XVI. ein wichtiges Ereignis, das den Zugang zur authentischen Gestalt Jesu frei macht. Der Heilige Vater zeigt, dass die göttliche Identität Jesu, die in den Evangelien historisch belegt ist, aus den Texten selbst und aus dem kohärenten und glaubwürdigen Zeugnis des Neuen Testaments hervor scheint. Bei gleichzeitiger Anerkennung der positiven Resultate der historisch-kritischen Exegese unterstreicht er ihre methodologischen Grenzen und wünscht die Weiterentwicklung der "kanonischen Exegese" zur Vervollständigung der theologischen Interpretation. Die befreiende Haltung Benedikts XVI. besteht darin, "den Evangelien zu trauen" und "den Jesus der Evangelien als den wirklichen Jesus, als den 'historischen Jesus' im eigentlichen Sinn darzustellen". [65]

Das Buch ist "in keiner Weise ein lehramtlicher Akt" [66], aber deswegen ist es nicht weniger ein Leuchtturm, der vor Klippen und Schiffbruch bewahrt. Sein Zeugnis nähert die Theologie und die Exegese einander an durch die harmonische Einheit zwischen der wissenschaftlichen Kompetenz und dem persönlichen Zeugnis einer kirchlichen Autorität. Es versteht sich von selbst, dass ein solches Werk die Verwirrung beseitigen hilft, die von gewissen Phänomenen der Medien [67] verbreitet wurde. Und es trägt dazu bei, den Dialog der Kirche mit der zeitgenössischen Kultur wiederzubeleben. Die Synode könnte in diesem Buch einen wichtigen Ort für die Neubegründung einer kontemplativen Kultur der Evangelien sehen.

B. Zeugnis geben von Gott, der die Liebe ist

1. Der Primat der Liebe

Wenn der Geist heute zur Kirche spricht und sie an die Heilige Schrift erinnert, ruft er sie zu einem neuen Zeugnis der Liebe und der Einheit auf, um die Glaubwürdigkeit des Evangeliums zu erhöhen vor einer Welt, die empfänglicher ist für Zeugen als für Lehrmeister. "Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt" (Joh 13,35). Dieses Zeichen der gegenseitigen Liebe setzt das Zeugnis Gottes fort, denn so nimmt die Liebe Jesu selbst Gestalt an, der gesagt hat: "Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben" (Joh 13,34). Dieses "wie" bedeutet: liebt einander mit derselben Liebe, mit der ich euch liebe. Das gesamte hohepriesterliche Gebet Jesu, Zusammenfassung seines Paschaopfers, zielt darauf ab, die Menschheit am Zeugnis der Einheit der Trinität teilhaben zu lassen: "Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich" (Joh 17,22-23). Gregor von Nyssa setzt die Herrlichkeit mit dem Heiligen Geist gleich [68], der auch mit Christus betet, damit seine Jünger in der Wahrheit geheiligt sind, das heißt vollendet, verzehrt in der Einheit. Dieses feierliche Gebet verdeutlicht sehr gut, dass die Treue zum Liebesgebot nicht nur das Heil des Gläubigen betrifft, sondern auch und vor allem die Glaubwürdigkeit der Trinität in der Welt. "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast" (Joh 17,21).

Das Zeugnis des Wortes Gottes erfordert folglich von den missionarischen Jüngern [69], dass sie authentische Zeugen des Primates der Liebe über die Erkenntnis sind. Der heilige Paulus bekräftigt ohne Umschweife im "Hohenlied der Liebe" des ersten Korintherbriefs (1 Kor 13,1-3) wie auch in seiner Mahnung an die Philipper: "Seid einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig" (Phil 2,2) nach dem Vorbild Christi in seiner Kenosis. "Es sind nicht die trockenen Lehrbücher, die - auch wenn sie voll unbezweifelbarer Wahrheiten sind - für die Welt die Wahrheit des Evangeliums zum Ausdruck bringen und glaubwürdig machen können, es ist das Leben der Heiligen, die vom Heiligen Geist Christi ergriffen worden sind. Christus hat keine andere Apologetik vorgesehen (Joh 13,35)".[70]

2. Das ökumenische Zeugnis

Seit dem offiziellen Eintritt der katholischen Kirche in die ökumenische Bewegung haben die Päpste die Einheit der Christen als eine Priorität angesehen. Darüber hinaus hat die ökumenische Annäherung den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften erlaubt, gemeinsam ihre Treue zum Wort Gottes zu hinterfragen. Obwohl die ökumenischen Treffen und Dialoge Früchte der Brüderlichkeit, der Versöhnung und der gegenseitigen Unterstützung gebracht haben, ist die gegenwärtige Situation gekennzeichnet von einem gewissen Unbehagen, das zu einer tieferen Bekehrung zum "geistlichen Ökumenismus" aufruft.[71] "Diese Bekehrung des Herzens und die Heiligkeit des Lebens ist in Verbindung mit dem privaten und öffentlichen Gebet für die Einheit der Christen als die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung anzusehen" (UR 8).

Diese Weisung des Konzils ist weiterhin aktuell, so fordert auch der Heilige Vater auf: "Gemeinsam das Wort Gottes hören; die Lectio divina der Bibel pflegen, das heißt das an das Gebet gebundene Lesen der Heiligen Schrift; sich überraschen lassen von der Neuheit des Wortes Gottes, die nie alt wird und sich nie erschöpft; unsere Taubheit für jene Worte überwinden, die nicht mit unseren Vorurteilen und unseren Meinungen übereinstimmen; hören und studieren in der Gemeinschaft der Gläubigen aller Zeiten; all das stellt einen Weg dar, der beschritten werden muss, um die Einheit im Glauben zu erreichen, als Antwort auf das Hören des Wortes".[72]

Unter den zahlreichen ökumenischen Zeugnissen unserer Zeit wollen wir als Beispiel die von Chiara Lubich gegründete Fokolar-Bewegung erwähnen, deren Spiritualität der Einheit die "gegenseitige Liebe" und den Gehorsam gegenüber dem "Wort des Lebens" betont. Die Pädagogik dieser Bewegung gibt zu Recht dem dynamischen Element der Liebe den Vorrang vor dem noetischen Element des Wortes Gottes. Diese Priorität verlangt von allen ökumenischen Partnern eine immer tiefere Bekehrung zum liebevollen Plan des dreifaltigen Gottes, den der Heilige Geist zur Erfüllung bringen will mit "Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können" (Röm 8, 26).

Es ist von Bedeutung, dass diese katholische und ökumenische Bewegung - sollte man nicht eher nur "katholisch" sagen, das heißt ökumenisch? - kirchenrechtlich den Namen "Werk Mariens" trägt. Man kann hier - wie im übrigen auch in anderen Bewegungen [73] - ein glückliches und harmonisches Zusammenfließen der biblischen, der ökumenischen und der marianischen Bewegung erkennen, dank einer beharrlichen Beschäftigung mit dem Wort Gottes, das in die Tat umgesetzt und miteinander geteilt wird. [74] Diese Zeugnis erinnert daran, dass die Einheit der Christen und deren missionarische Wirksamkeit nicht in erster Linie "unser Werk" sind, sondern das Werk des Heiligen Geistes und Mariens [75].

C. Der Dialog mit den Nationen und Religionen

1. Im Dienst des Menschen

Die missionarische Aktivität der Kirche wurzelt, wir haben es bereits gesagt, in der Sendung Jesu und des Heiligen Geistes, welche die trinitarische Gemeinschaft in allen Kulturen der Welt offenbart und verbreitet. Die universale heilbringende Tragweite des Paschamysteriums Christi verlangt die Verkündigung der Frohen Botschaft an alle Völker und auch an alle Religionen. Das Wort Gottes lädt alle Menschen zu einem Dialog mit Gott ein, der in Jesus Christus, dem einzigen Mittler, alle Menschen retten will (1 Tim 2,5; Hebr 8,6; 9,5; 12,24). Die missionarische Aktivität der Kirche bezeugt ihre Liebe zum "ganzen Christus" ("Christus totus"), der alle Kulturen umfasst. In ihrem Bemühen um die Evangelisierung der Kulturen ist das Ziel dieser Aktivität die Einheit der Menschheit in Jesus Christus, aber in der Achtung und Aufnahme aller menschlichen Werte.[76] "Schließlich Brüder: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!" (Phil 4,8).

In ihrem liturgischen Dialog mit Gott tritt die Kirche mit ihrer Fürbitte für alle Menschen ein, vor allem für die Ärmsten. Ihre Leidenschaft für das Wort Gottes führt sie auf den Spuren des armen, keuschen und gehorsamen Jesus, um in alle Situationen der Ungerechtigkeit, der Unterdrückung und des Krieges Hoffnung, Versöhnung und Frieden zu bringen. Wie bei dem "guten Samariter" ist diese Sorge um den Menschen, wer auch immer er sei, ein Ausdruck des Mitleids der Kirche für jedes menschliche Leid und Ausdruck ihrer Bereitschaft, den Armen und Leidenden zur Hilfe zu kommen. Im Bewusstsein der Gegenwart Jesu an ihrer Seite - wie auf dem Weg nach Emmaus - legt sie die Schrift aus wie er, "ausgehend von Mose und allen Propheten" und indem sie allen Menschen das Mysterium Jesu, des Erlösers, erläutert: "Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?" (Lk 24, 26).

Diese Exegese Jesu, die die Kirche ohne Unterlass aufnimmt, verbürgt die christologische Interpretation des Ersten Testaments, die die Väter nach Origines und Irenäus umfassend entwickelt haben. In unseren Tagen sind wir - unter Berücksichtigung der tragischen Geschichte der Beziehungen zwischen Israel und der Kirche - nicht nur eingeladen, das den Juden gegenüber begangene Unrecht wiedergutzumachen, sondern auch zu einem "neuen Respekt für die jüdische Auslegung des Alten Testaments".[77] Ein respektvoller und konstruktiver Dialog mit dem Judentum kann außerdem dazu beitragen, auf beiden Seiten die Auslegung der Heiligen Schrift zu vertiefen.[78]

2. Der interreligiöse Dialog

Unter den verschiedenen Dialogpartnern der Kirche mit den Völkern, nimmt das jüdische Volk als Erbe des Ersten Bundes, mit dem wir die Heilige Schrift gemeinsam haben, eine einzigartige Stellung ein. Dieses gemeinsame Erbe lädt uns zur Hoffnung ein, "denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt" (Röm 11,29), wie der heilige Paulus im Brief an die Römer leidenschaftlich bezeugt: "Ja, ich möchte selber verflucht und von Christus getrennt sein um meiner Brüder willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind. Sie sind Israeliten; damit haben sie die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus, der über allem als Gott steht, er ist gepriesen in Ewigkeit. Amen" (Röm 9,3-5). "Damit ihr euch nicht auf eigene Einsicht verlasst, Brüder, sollt ihr dieses Geheimnis wissen: Verstockung liegt auf einem Teil Israels, bis die Heiden in voller Zahl das Heil erlangt haben; dann wird ganz Israel gerettet werden, wie es in der Schrift heißt" (Röm 11,25-26).

Anschließend kommen die Gläubigen des muslimischen Glaubens, die auch in der biblischen Tradition verwurzelt sind und den einen Gott bekennen. Angesichts von Säkularisierung und Liberalismus sind sie Verbündete bei der Verteidigung des menschlichen Lebens und der Bekräftigung der gesellschaftlichen Bedeutung der Religion. Der Dialog mit ihnen ist unter den gegenwärtigen Umständen wichtiger denn je, um "gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen" (NA 3). Das Zeugnis der Märtyrer von Tibhirine in Algerien im Jahr 1996 erhebt diesen Dialog auf ein Niveau, das hinsichtlich des Dienstes an den Menschen und der Versöhnung der Völker in der Geschichte vielleicht noch nie vorher erreicht worden ist. Die kühnen Initiativen Papst Benedikts XVI. treten ein für die beharrliche Fortsetzung des Dialogs mit dem Islam.

Schließlich kommen die Menschen "aus allen Stämmen, Sprachen, Nationen und Völkern" (vgl. Offb 5,9) unter dem Himmel, denn das geopferte Lamm hat sein Blut für alle vergossen. Das Wort Gottes ist insbesondere für die bestimmt, die es noch nie gehört haben, denn im Herzen Gottes und im missionarischen Bewusstsein der Kirche haben die Letzen die Gnade, die Ersten zu sein.[79]

In einer Welt auf dem Weg der Globalisierung ist mit Hilfe der neuen Kommunikationsmittel das Feld der Mission offen für neue Initiativen der Evangelisierung in einem Geist echter Inkulturation. Wir leben in der Ära des Internet und die Zugriffsmöglichkeiten auf die Heilige Schrift haben sich mannigfach vervielfältigt.[80] Die Synode muss die Projekte der Übermittlung und Umsetzung der Heiligen Schriften durch und in diese neuen Ausdrucksweisen, die darauf warten, dem Wort Gottes zu dienen, wahrnehmen, unterscheiden und fördern.

Schluss

"Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? [...] Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. Drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins. Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen, so ist das Zeugnis Gottes gewichtiger" (1 Joh 5,5-9).

Jesus ist immer in der Kirche, um "Zeugnis abzulegen für die Wahrheit" und denen, die an seinen Namen glauben, die Kenntnis des Vaters mitzuteilen, die er in Fülle besitzt. Diese Botschaft des Johannes verdeutlicht das erste Ziel und die Hauptsorge der Synode: Gott, der spricht, von neuem anzuhören und anzunehmen, und die Gnade eines erneuerten Glaubens an sein fleischgewordenes Wort zu erbitten. Im Bewusstsein der mit der dynamischen und dialogalen Sichtweise der Offenbarung verbundenen ekklesiologischen Erneuerung haben wir einige Richtungen der Vertiefung des Wortes Gottes vorgeschlagen, ausgehend vom Glauben Mariens, so wie er sich im Leben der Kirche, in der Liturgie, in der Verkündigung, der Lectio divina, der Exegese und der Theologie fortsetzt.

Die Anwendung dieses marianischen Paradigmas setzt eine pneumatologische Vertiefung der kirchlichen Tradition und der Exegese der Schrift voraus, die sich der performativen Eigenschaft des Wortes Gottes bewusst ist, sie aber sorgfältig von der eucharistischen Gegenwart unterscheidet. Mehr als eine Bibliothek für Gelehrte ist die Bibel ein Tempel, wo die Braut des Hohenliedes die Geständnisse des Geliebten hört und seine Küsse preist (vgl. Hld 1,2). "Wer vom Heiligen Geist belehrt wird, versteht alles", schreibt der heilige Siluan, "seine Seele fühlt sich wie im Himmel, denn der Heilige Geist selbst ist im Himmel und auf der Erde, in der Heiligen Schrift und in den Seelen all derer, die Gott lieben". [81]

Diese eher dynamische als noetische Sicht erfordert eine kontemplativere Theologie, die in der Liturgie, den Kirchenvätern und dem Leben der Heiligen verwurzelt ist, sowie eine im Glauben durchgeführte Exegese, die ihrem Gegenstand entspricht, und auch eine Philosophie des Seins und der Liebe.

Sie macht offen für eine fruchtbarere spirituelle Lektüre der Bibel, eine kirchliche Interpretation der Heiligen Schrift und eine Wiederbelebung des missionarischen Dialogs der Kirche in allen seinen Formen. Die eifrigere Beschäftigung mit der Heiligen Schrift wird das missionarische Gewissen der Kirche verlebendigen und auch ihre Liebe zum Menschen, Bild Gottes, der daran leidet, Gott nicht ähnlich zu sein.
Der heilige Caesarius von Arles ermahnte die Gläubigen seiner Diözese oft, niemals das zu vernachlässigen, was er die "Nahrung der Seele für die Ewigkeit" nannte: "Ich flehe euch an, liebe Brüder, euch mit Eifer der Lektüre der heiligen Texte so viel Zeit, wie ihr nur könnt, zu widmen". [82] Am Ende eines Tages fragte er gerne seine Priester in Bezug auf die Meditation des Wortes Gottes: "Was habt ihr heute gegessen?" Mögen wir dieselbe Verfügbarkeit haben, denselben Geschmack am Wort Gottes und uns unsererseits dieselbe Frage stellen: "Was haben wir heute gegessen?"

Fußnoten

[1] Hl. Caesarius von Arles, Predigt VI.
[2] Instrumentum laboris, 4.
[3] Das Adjektiv "dialogal" ist ein Neologismus. Es wird hier verwendet, um die persönliche Dimension des Glaubens als Antwort und als Dialog mit Gott zu beschreiben. Er entspricht in gewisser Weise der Unterscheidung zwischen "theologisch" und "theologal", wobei der erste Ausdruck den noetischen Aspekt und der zweite den persönlichen Aspekt bezeichnet.
[4] Siehe J. Ratzinger, Kommentar zu Dei Verbum in LThK, 1967; A. Grillmeier in LThK Vat. II, Bd. 2, Freiburg i. Br., 1967 ; H. de Lubac, La Révélation divine, Paris, Cerf, 1983, 190 S. ; A. Vanhoye, La réception dans l'Église de la constitution Dei Verbum. Du Concile Vatican II à nos jours , in Esprit et Vie, Nr. 107, Juni 2004, S. 3-13 ; H. Hoping, Theologischer Kommentar zur Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung. Dei Verbum », in P. Hünermann, B. J. Hilberath (Hrsg), Herders theologischer Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Freiburg-Basel-Wien: Herder, 2005, S. 695-831 ; C. Théobald, La Révélation. Quarante ans après Dei Verbum, in Revue théologique de Louvain 36 (2005), S. 145-165.
[5] Instrumentum laboris, 6.
[6] M. Seckler, Der Begriff der Offenbarung, in Handbuch der Fundamentaltheologie, Ed. W. Kern et.al., Bd.2, Freiburg i. Br., 1985, S. 64-67.
[7] Ebd.
[8] J. Rigal, Le phénomène gnostique , in Esprit et Vie, Nr. 192, April 2008, S. 1-10.
[9] P. Bordeyne und L. Villemin (dir.), L'herméneutique théologique de Vatican II, Paris, Cerf (coll. «Cogitatio Fidei»), 2006, 268 S.
[10] Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est.
[11] Benedikt XVI., Enzyklika Spe salvi, Nr. 9.
[12] Joh 19, 25-27 ; Joh 20, 21-22 ; 1 Petr 2, 9-10.
[13] Hl. Irenäus von Lyon, Adversus haereses, I, 3.
[14] Hl. Cyprian, De Orat. Dom. 23: PL 4, 553.
[15] Instrumentum laboris, 25.
[16] "Wir glauben nicht an Formeln, sondern an die Wirklichkeiten, die diese ausdrücken und die der Glaube uns zu 'berühren' erlaubt. Der Akt des Glaubenden hat seinen Zielpunkt nicht bei der Aussage, sondern bei der [ausgesagten] Wirklichkeit (Thomas von Aquin, S. th. 2-2, 1, 2, ad 2)" (KKK 170). Das Formalobjekt des Glaubens ist die göttliche Person, die mitteilt und in dieser ihrer erhabensten Mitteilung sich selbst schenkt, Jesus Christus, den der Heilige Geist uns zu bekennen befähigt. Der Glaube ist wesentlich trinitarisch, er ist ein Akt der persönlichen Hingabe als Antwort auf die drei-personale Hingabe Gottes. Im Text von Dei Verbum ist zu spüren, dass das Gleichgewicht zwischen dem personalen oder dynamischen Aspekt des Glaubens und dem noetischen Aspekt des Glaubens noch gefunden werden muss.
[17] H. de Lubac, L'Écriture dans la tradition, Aubier, 1966, S. 100.
[18] Das bedeutet, dass das Glaubensleben Mariens mehr als nur ein Vorbild für die Kirche ist, sie ist Mutter, das heißt beständige Quelle des Lebens für die Kirche.
[19] Siehe Conc. Trident., Sess. XXII, 17. Sept. 1562, Decr. De Ss. Eucharist., c. 1. "er wollte seiner geliebten Braut, der Kirche, ein sichtbares Opfer hinterlassen"; Lumen Gentium 4; Dei Verbum 8, 23; Sacrosanctum Concilium, 7. Siehe auch : Eph 5, 21-32; Offb 22, 17; Joh 2; Joh 19, 25-27).
[20] H. de Lubac, L'Écriture dans la tradition, Aubier, 1966, S. 246 ; der Autor verweist auf den hl. Bernhard, Sup. Missus est, h. 4, n. 11, der Maria sagen läßt: "Nec fiat mihi verbum scriptum et mutum, sed incarnatum et vivum" (PL, 183, 86 B).
[21] Zu diesem Ausdruck siehe W. Rordorf, La confession de foi et son 'Sitz im Leben' dans l'Église ancienne in: Novum Testamentum, Bd. 9, Fasc. 3 (Jul., 1967), SS. 225-238; A. Vanhoye, La réception dans l'Église de la constitution dogmatique Dei Verbum. Du Concile Vatican II à aujourd'hui, Esprit et Vie, Nr. 107, Juni 2004, S. 9.
[22] Dieser Antwortcharakter findet einen eindringlichen Ausdruck in der Beschreibung des Ritus, durch den der sinaitische Bund begründet wird (Ex 24, 3.7) und auch in der Erzählung der Vorbereitungsphase (Ex 19, 8).
[23] Joh 19, 30 ; Joh 20, 22 ; Apg 2, 1-13 ; Röm 8, 15-17; Gal 4, 6.
[24] Origenes, Homilien zu Exodus, 13, 3.
[25] Die Redaktionsgeschichte dieses Abschnitts zeigt, dass in der endgültigen Version noch etwas differenziert wurde: man gebrauchte den Ausdruck "sicut et" anstelle von "de velut", um eine Forcierung des Vergleichs im Sinne einer identischen Verehrung zu vermeiden. Siehe H. Hoping, Op. cit., 2005, S. 791.
[26] "Der Leib ist unter der Gestalt des Brotes und das Blut unter der Gestalt des Weines da kraft der Worte." Denz. 1640.
[27] Benedikt XVI., Spe salvi, 2.
[28] Origenes, De principiis, IV, 2.8. ; vgl. Benedikt XVI., Sacramentum caritatis, 12-13.
[29] Siehe H. U. v. Bathasar, Licht des Wortes. Skizzen zu allen Sonntagslesungen ,Paulinus Verlag, Trier, 1987. Er unterstreicht die Einheit der drei Lesungen unter theologischem Gesichtspunkt. Dieser in mehreren Sprachen veröffentlichte Kommentar antwortet auf einen häufig zum Ausdruck gebrachten Wunsch der Homiletiker.
[30] J. Ratzinger, Dogma e predicazione [ital. Ausgabe von Dogma und Verkündigung], Op. cit., S. 50; vgl. Benedikt XVI., Sacramentum caritatis, 46.
[31] Hl. Augustinus, Kommentar zu Psalm 85.
[32] Hl. Pius X., Apostolische Konstitution Divino afflatu, 1911, Liturgie des Heures [franz. Ausgabe des Stundenbuchs], vol. 3, p. 1254.
[33] Ebd.
[34] Am Rande sei die gelungene biblische Erneuerung verschiedener Frömmigkeitsübungen erwähnt, die auch wichtige Gelegenheiten zur Meditation der Heiligen Schrift sind: die eucharistische Anbetung außerhalb der heiligen Messe, der Rosenkranz, der Kreuzweg, etc.
[35] Instrumentum laboris, 25.
[36] Benedikt XVI, Ansprache an den internationalen Kongress zum Thema 'Die Heilige Schrift im Leben der Kirche' (16.09.2005) : AAS 97 (2005) 957. Siehe auch C.M. Martini, La place centrale de la Parole de Dieu dans la vie de l'Église - L'animation biblique de toute la pastorale in Catholic Biblical Federation, no 76/77, 2005, p.33.
[37] Vgl. H. U. v. Balthasar, Sponsa Verbi. Skizzen zur Theologie II, Johannes Verlag, 1961; Theodramatik. II. Die Personen des Spiels. 2. Die Personen in Christus, [franz. Ausgabe S. 209-367] ; H. Rahner, Die Gottgeburt. Die Lehre der Kirchenväter von der Geburt Christi aus dem Herzen der Kirche und der Gläubigen, in Symbole der Kirche (O. Müller, Salzburg, 1964, 13-87) ; L. A. Schökel, Símbolos matrimoniales en la Biblia, Estella, Verbo Divino, 1997.
[38] Instrumentum laboris, 22.
[39] W. Kasper, Dei Verbum Audiens et Proclamans in Catholic Biblical Federation, Nr. 76/77, 2005, S.11. Siehe auch Groupe des Dombes, Pour la conversion des Églises, Paris, 1991.
[40] H. U. v. Balthasar, Retour au Centre, Desclée de Brouwer, 1998, p. 25-57
[41] H. U. v. Balthasar, Theologik 1. Wahrheit der Welt, Johannes Verlag, 1985, p. 11-23 ; Phénoménologie de la Vérité. La Vérité du monde, Beauchesne, 1952.
[42] Siehe dazu I. de la Potterie, L'exégèse chrétienne aujourd'hui, Fayard, 2000, 220 S., insbesondere J. Ratzinger, L'interprétation de la Bible en conflit. Problèmes des fondements et de l'orientation de l'exégèse contemporaine , ebd., S. 65-109.
[43] Päpstliche Bibelkommission, Die Interpretation der Bibel in der Kirche, 1.
[44] J. Ratzinger, L'interprétation de la Bible en conflit , in L'exégèse chrétienne aujourd'hui, Fayard, S. 65-109 ;I. De la Potterie, L'exégèse biblique, science de la foi , in ibid., S. 111-160.
[45] L'interpretazione della Bibbia nella Chiesa. Atti del Simposio promosso della Congregazione per la Dottrina della Fede [Die Interpretation der Kirche in der Bibel. Akten des von der Kongregation für die Glaubenslehre veranstalteten Symposiums], September 1999, Libreria Editrice Vaticana, 2001.
[46] W. Kasper, op. cit., S. 11. "Die geistliche Auslegung der Heiligen Schrift und die Schriftexegese sind Antworten auf das ökumenische und exegetische Unbehagen."
[47] H. de Lubac, L'Écriture dans la tradition, Aubier, 1966, S. 201. Für einen Gesamtüberblick über den meisterhaften Beitrag von Père de Lubac: vgl. R.Voderholzer, Die Einheit der Schrift und ihr geistiger Sinn, Johannes, 1998, 564 S.
[48] S. Thomas d'Aquin, S. th. I, q. 1, a. 10, ad 1.
[49] Päpstliche Bibelkommission, Die Interpretation der Bibel in der Kirche, 2.B.1.
[50] A. Vanhoye, op cit. S. 3-13.
[51] Päpstliche Bibelkommission, op. cit., 2.B.2.
[52] H. U. v. Balthasar, Le sens spirituel de l'Écriture in L'exégèse chrétienne aujourd'hui, op. cit., S. 184.
[53] Hl. Bernhard von Clairvaux, Sermones in Cantica canticorum, 73, 2.
[54] Benedikt XV., Enzyklika Spiritus Paraclitus, 15 Sept. 1920, E. B., 469; Hl. Hieronymus, Kommentar zum Galaterbrief, 5, 19-21, PL 26, 417 A.
[55] Hl. Thérèse von Lisieux, Autobiographische Schriften, B 1r°-v°; F.-M. Léthel, Connaître l'amour du Christ qui surpasse toute connaissance, Carmel, 1989, 593 S. (Die Theologie der Heiligen als Wissenschaft der Liebe, S. 3-7).
[56] H. U. v. Balthasar, Actualité de Lisieux , Vortrag in Notre-Dame de Paris, in Thérèse de Lisieux, Conférence du centenaire 1873-1973, Sondernummer der Nachrichten des "Institut catholique", S. 112.
[57] H. U. v. Balthasar, L'amour seul est digne de foi [Glaubhaft ist nur die Liebe], Aubier, 1966, S. 11.
[58] H. U. v. Balthasar, La Gloire et la Croix , Bd. 1, Aubier, 1961, S. 194.
[59] A. Rotzetter, Mystik und wörtliche Befolgung des Evangeliums bei Franz von Assisi [franz.], in Concilium 169, 1981, S. 86.
[60] Vgl. M. Ouellet, Adrienne von Speyr et le samedi saint de la théologie in Hans Urs von Balthasar - Stiftung, Adrienne von Speyr und ihre spirituelle Theologie, Johannes, 2002, 145 S., S. 31-56.
[61] Hl. Franz von Sales, Briefe CCXXIX [6. Oktober 1604]: Werke XII, Annecy, Dom Henry Benedict Mackey OSB, 1892-1932, S. 299-325.
[62] J. Ratzinger - Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder, 2007, S. 11.
[63] A. Schweitzer, Storia della ricerca sulla vita di Gesù [Geschichte der Forschung über das Leben Jesu], Paideia, 1986 ; J. Jeremias, Il problema del Gesù storico [Das Problem des historischen Jesus], Paideia, 1973.
[64] R. Burridge, What are the Gospels? A Comparaison with Greco-Roman Biography. Cambridge, University press 1992.
[65] J. Ratzinger - Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder, 2007, S. 20.
[66] Ebd. S. 22.
[67] Cf. D. Brown, Da Vinci Code, Jean-Claude Lattès, 2004, 574 S.
[68] Hl. Gregor von Nyssa, 15. Homilie über das Hohelied.
[69] CELAM, Jünger und Missionare Christi, damit unsere Völker das Leben in Fülle haben (Dokument von Aparecida), V. Generalversammlung in Aparecida (Brasilien) vom 13. bis 31. Mai 2007.
[70] H. U. v. Balthasar, « La Gloire et la Croix », op. cit., S. 418.
[71] UR et UUS ; siehe auch W. Kasper, Manuel d'œcuménisme spirituel [Handbuch des geistlichen Ökumenismus], Nouvelle Cité, 2007, 96 S.
[72] Benedikt XVI., Predigt beim Vespergottesdienst am Fest der Bekehrung des heiligen Paulus zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen (25.01.2007).
[73] Insbesondere die Gemeinschaften von Sant'Egidio, Taizé, etc.
[74] C. Lubich, Pensée et spiritualité, Nouvelle Cité, 2003, 510 S.
[75] M. Ouellet, Marie et l'avenir de l'œcuménisme, Communio XXVIII, 1- Januar-Februar 2003, S. 113-125 ; D.-I. Ciobotea; B. Sesboue ; J.-N. Peres ; « Marie : L'oecuménisme à l'épreuve », L'actualité Religieuse dans le Monde, 1987, Nr. 46, S. 17-24.
[76] AG 11 ; EN 20 ; RM 3.
[77] Päpstliche Bibelkommission, Das jüdische Volk und seine heilige Schrift in der christlichen Bibel, 2001 : J. Ratzinger, Vorwort.
[78] Ibid., Nr. 9, 11, 21-22, 85-86.
[79] AG 10.
[80] Zum Beispiel bietet die Biblia Clerus der Kongregation für den Klerus sehr wertvolle Hilfsmittel für die Konsultation, die viel verdanken u.a. der Bible chrétienne, verfasst von Dom Claude-Jean Nesmy und Mère Élisabeth de Solms, Benediktiner der Abtei "La Pierre qui Vire" und Solesmes, veröffentlicht bei: Éditions Anne Sigier.
[81] Hl. Siluan vom Berg Athos, Geistliche Schriften, Spiritualité orientale Nr. 5, Abbaye de Bellefontaine, 1976/1994, S. 30.
[82] Hl. Caesarius von Arles, Sermones VIII, 1; (Vgl. SC 175, S. 349-351).

[Von der Bischofssynode veröffentlichte deutsche Fassung des französischen Originals]