Kardinal Martínez Sistach: „Spe salvi“ ist eine Antwort auf die Säkularisierung

Aufruf zum Studium der zweiten Enzyklika Benedikts XVI.

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BARCELONA, 6. Dezember (ZENIT.org).- Spe salvi, die zweite Enzyklika Benedikts XVI., ist in den Augen des Neo-Kardinals Lluís Martínez Sistach das Lehrschreiben eines Hirten und Intellektuellen, der vor allem den Dialog mit der modernen Welt fördern will. Die christlichen Gemeinden und die christlich geprägten universitären Einrichtungen rief der Erzbischof von Barcelona (Spanien) dazu auf, den päpstlichen Text eingehend zu studieren.

„Gestatten Sie mir, einen Wunsch zu äußern: Diese Enzyklika sollte Gegenstand der Betrachtung und des Dialogs in den christlichen Gemeinden sein, vor allem in dieser Adventzeit und auch in der nächsten Fastenzeit“, bekräftigt der Kardinal in seinem Hirtenbrief zum kommenden zweiten Adventsonntag.

„Ich denke, dass sich die christlich geprägten Institutionen, die im universitären Bereich tätig sind, dieses päpstliche Lehrschreiben zu Eigen machen sollten; ganz konkret besonders all jene Werke, die sich der Förderung des Dialogs zwischen dem Christentum und den aktuellen kulturellen Strömungen widmen.“

Der Kardinal fügte hinzu, dass die neue Enzyklika – genauso wie Deus caritas est – einen „sehr persönlichen Stempel dessen trägt, der jahrelang Theologieprofessor an der Universität war. Papst Ratzinger äußert sich in seiner zweifachen Beschaffenheit als Intellektueller und Hirte – oder als intellektueller Hirte.“

Bei seiner „Analyse zur Lage der modernen Kultur“, in der er sich vor allem mit den Philosophen und Theologen des deutschsprachigen Raums auseinandersetze, die einen so großen Einfluss auf Europa hatten, bediene sich der Heilige Vater eines Stils, der von Liebenswürdigkeit zeuge, zum Dialog ermutige und positiv sei.

„Was ist die Absicht und der Kern dieses Schreibens?“, fragt Kardinal Martínez Sistach. „Meiner Ansicht nach übernimmt Benedikt XVI. etwas, was zu den Hauptanliegen seines direkten Vorgängers Johannes Paul II. gehört hat: Papst Wojtyla nahm sich vor, mit der ganzen Energie, über die er aufgrund seines Charakters und als Mann der Aktion verfügte, auf die Herausforderung der Säkularisierung zu antworten. Das tat er mit seinen großartigen Fähigkeiten und vor allem im Bereich der Aktion. Benedikt XVI. greift dieselbe Herausforderung auf, tut es aber auf einer tieferen Ebene, im Gespräch vor allem mit den Humanismen unserer Zeit; und er setzt den Dialog dort an, wo in den Augen vieler Menschen die schwerwiegendsten Fragen unserer Zeit entschieden werden: auf der Ebene des Menschenbildes, im Bereich der Anthropologie.“

In den Augen des Heiligen Vaters habe die Hoffnung einen konkreten Inhalt, hebt der katalanische Purpurträger hervor: „Gott, den wahren Gott erkennen – das ist es, was man unter ‚Hoffnung empfangen‘ versteht.“

Wie sein Vorgänger lade Benedikt XVI. die moderne Welt wie den christlichen Glauben zu Dialog und Selbstkritik ein.