Kardinal Martino: Die positiven Auswirkungen der Globalisierung

2. Weltkongress für kirchliche Organisationen im Dienst der Gerechtigkeit und des Friedens

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ROM, 28. November 2007 (ZENIT.org).- Auch wenn die heutige Zeit von einer „unbeschreiblichen Leidenslast“ gekennzeichnet sei, machen sich nach Worten von Kardinal Renato Martino Anzeichen „einzigartiger und viel versprechender“ Möglichkeiten bemerkbar.



Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden bekräftigte dies nach dem 2. Weltkongress für jene kirchlichen Organisationen, die sich weltweit für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Die zweitägige Tagung wurde vom genannten Dikasterium in Rom veranstaltet und ging am Samstag zu Ende. Sie war – genauso wie die Vollversammlung des Päpstlichen Rates, die direkt davor stattfand – der Betrachtung der Enzyklika Populorum Progressio von Papst Paul VI. gewidmet, die vor 40 Jahren erschienen ist.

Im Abschlussdokument des Kongresses heißt es: „Die unbeschreibliche Leidenslast, die durch neue Bruderkriege, den blutigen Auftritt des Terrorismus auf der Weltbühne und den anhaltenden Anstieg der skandalösen Ungleichheit zwischen ärmeren und reicheren Ländern verursacht wird, sollten keine Gefühle der Verzweiflung und der lähmenden Ohnmacht hervorrufen.“

Die heutigen Zeiten, so Kardinal Martino, böten auch „einzigartige und viel versprechenden Möglichkeiten für die integrale Entwicklung und die Solidarität der Menschheit“. Die Globalisierung dürfe nicht einfach „verteufelt“ werden. „Sie kann eine großartige Chance darstellen: unter der Voraussetzung, dass sie wahrhaft auf globale Solidarität und soziale Gerechtigkeit hin ausgerichtet ist – im Licht des universalen Gemeinwohls der vereinten Familie der Völker.“

Auch in Wissenschaft und Technik ortet der Kurienkardinal „hilfreiche“ Ergebnisse. Diesbezüglich hebt er in der Schlussbotschaft hervor, dass die Medizin nunmehr „erfolgreich das Problem der endemischen Krankheiten und der Pandemien angehen“ könne. Überdies wachse das Bewusstsein, dass „die Entwicklung vorrangig ein moralisches Problem ist“.

Im Hinblick auf die neue Enzyklika „Spe salvi“ über die Hoffnung, die Papst Benedikt XVI. am Freitag veröffentlichen wird, erklärt Kardinal Martino: „Die christliche Hoffnung ist die Kraft, die Gott uns schenkt, damit wir seinen Plan der Liebe für den Menschen und für die Geschichte erfüllen, in dem die integrale Entwicklung und die Solidarität eine wesentliche Rolle spielen.“

Bischof Thomas Wenski aus Orlando (USA), der während der Eucharistiefeier am Samstag die Predigt hielt, wies darauf hin, dass „jede Anthropologie, die den Menschen herabwürdigt, indem sie ihn glauben macht, lediglich ein Problem zu sein, eine fehlerhafte und falsche Anthropologie ist, die des Menschen, der als Abbild Gottes geschaffen wurde, unwürdig ist“. Den Menschen als ein bloßes Problem zu erachten, verletze seine Würde.

Deshalb verkünde die katholische Soziallehre eine „positive und konsequente Ethik des Lebens: Kein Mensch stellt ein Problem dar. Für uns Katholiken gibt es daher keine ‚Problemschwangerschaft‘ – sondern nur ein Kind, das ins Leben aufgenommen und vom Recht geschützt werden muss. Der Asylsuchende, der Einwanderer ist kein Problem. Er kann zwar ein Fremder sein, jedoch ein Fremder, der als Bruder umarmt werden soll.“ Selbst Verbrecher – wie schrecklich ihre Verbrechen auch sein mögen – verlören ihre gottgegebene Menschenwürde nicht.

Die Aufgabe des Christen, so Bischof Wenski, bestehe darin, „vorzuleben, wie ein Leben aussieht, wenn Gott zählt, wenn der Mensch zählt.“