Kardinal Martino: „Es gibt keine Entwicklung ohne Gott“

Vollversammlung des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden im Vatikan

| 1444 klicks

ROM, 21. November 2007 (ZENIT.org).- „Es gibt keine wahre Entwicklung ohne Berufung, und es gibt keine Berufung ohne Gott.“ Mit diesen Worten leitete der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden am gestrigen Dienstag in Rom die Vollversammlung seines Dikasteriums anlässlich des 40. Jahrestages der Enzyklika Populorum progressio Pauls VI. über die Entwicklung der Völker ein.



Der Kardinal hob in seiner Ansprache die Aktualität der Enzyklika angesichts der Herausforderungen hinsichtlich der Wahrheit des Menschen, des Dialogs und der Globalisierung hervor. Er setzte hierzu einige Themen ins Licht, die bereits in „Populorum progressio“ angesprochen werden: die Sicht der ganzheitlichen Entwicklung; den Appell an den Willen aller Menschen, um die Wunde des Hungers anzugehen und zu lösen; den Hinweis auf die Dringlichkeit einer einstimmigen Mobilmachung der internationalen Gemeinschaft.

Für den Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden ergebe sich aus dem päpstlichen Dokument eine dreifache Aufgabe: Zunächst der Einsatz für einen „Humanismus, der für das Absolute offen ist“ – da ohne Gott die ganze Menschheit Mühe habe, ihre Berufung zu einer einzigen Familie zu entdecken –; dann der Einsatz für „ein neues Denken hinsichtlich des menschlichen Handelns, das die technische Vorherrschaft des Tuns gegenüber dem Geben beziehungsweise der Produktion gegenüber der Aufnahme überwindet“, und zum Schluss das Engagement für „die Brüderlichkeit unter den Menschen“, mit dem Ziel, die Entwicklung von einer einseitigen materialistischen Interpretation zu befreien.

Kardinal Martino stellte unter Bezugnahme auf Nr. 15 von „Populorum progressio“ fest, dass es ohne einen Plan für uns und ohne uns als Plan keine Entwicklung gebe, und bekräftigte, dass Entwicklung keine Option, sondern eine Pflicht sei.

„Ohne Gott tut sich der Mensch schwer, in seiner Natur eine Berufung zu lesen. Ohne Gott tun sich die Völker schwer, in ihrer Geschichte und in ihrer Kultur eine Berufung auszumachen. Ohne Gott tut sich die ganze Menschheit schwer, die Berufung zu erkennen, eine einzige Familie zu sein.“

Der Kardinal gedachte seines Vorgängers im Amt des Präsidenten des Dikasteriums, des vietnamesischen Kardinals François Xavier Nguyên Van Thuân (1928-2002), dessen Seligsprechungsprozess am 16. September 2007 aufgenommen worden war, um anschließend das Programm der Arbeiten der Vollversammlung vorzustellen und den II. Weltkongress der kirchlichen Organisationen anzukündigen, die Gerechtigkeit und Frieden weltweit zum Durchbruch verhelfen wollen. Der dreitägige Kongress, der morgen, Donnerstag, eröffnet wird, steht unter dem Thema: „40. Jahrestag von ‚Populorum Progressio‘ – die Entwicklung des ganzen Menschen, die Entwicklung aller Menschen“.

Die Teilnehmer werden sich mit den aktuellen Herausforderungen im Licht der Soziallehre der Kirche auseinandersetzen. Vor allem werden sie die Themen Humanökologie, Pluralismus und interkultureller Dialog sowie die neue Art der „Governance“ im Bereich der Globalisierung in den Blick nehmen. Eine Vertiefung des pastoralen Engagements der Kirche bei der ganzheitlichen und solidarischen Entwicklung sei beabsichtigt.

Während des Kongresses sind Wortmeldungen von Kardinal-Staatsekretär Tarcisio Bertone, Kardinal Martino und Kardinal Telesphore Toppo vorgesehen. Weitere Relatoren sind der Mailänder Weihbischof und Rektor der norditalienischen theologischen Fakultät, Franco Brambilla; der indonesianische Politologe Pius Suratman Kartasasmita; der aus Kanada stammende Spezialist für Internationale Politik Louis Sabourin; die argentinische Philosophin Maria Celestina Donadio und der kongolesische Wirtschaftswissenschaftler Evariste Mabi Mulumba.