Kardinal Martino prangert Skandal der Kindersoldaten an

Weltweit 600.000 Kindersoldaten im Einsatz

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KAMPALA, 21. August 2007 (ZENIT.org).- „Das Drama der Kindersoldaten kann nicht als gelöst gelten, nur weil in einem Land die Feindseligkeiten, in denen diese Minderjährigen bis gestern im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen mit einbezogen wurden, aufgehört haben“, bekräftigte Kardinal Renato Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, bei seinem Pastoralbesuch in Uganda.



Während seines Aufenthalts in diesem krisegeschüttelten afrikanischen Land zögerte Kardinal Martino Anfang August nicht, die internationale Gemeinschaft zu einer größeren Beteiligung zur Bewältigung dieses dringenden Problems aufzurufen. Eine „offene Frage“ sei es zudem, dass in zahlreichen Ländern aller Vermittlungsversuche zum Trotz keine erfolgreiche Wiedereingliederung dieser ehemaligen Kämpfer in die Zivilgesellschaft garantiert werden konnte.

Kurienkardinal Martino offenbarte nicht nur die Tragödie der jungen Menschen, die gezwungen würden, zum Gewehr zu greifen, sondern auch die Tatsache, dass „viele Jugendliche, die in den Reihen der Guerillabanden gekämpft haben, am Ende nicht nur auf der Straße landen…, sondern auch in der Prostitution“. Zum Wohl der ehemaligen Kindersoldaten sei eine größere Bewusstseinsbildung unentbehrlich. Nur so könnten sie in den Genuss einer gesunden Ausbildung kommen und dabei unterstützt werden, sich in die Arbeitswelt zu integrieren.

Kardinal Martino betonte diesbezüglich, dass internationale Sponsoren alles in ihrer Macht Stehende tun müssten, um Kindersoldaten Möglichkeiten der Rehabilitation anzubieten und zu garantieren.

Im Norden Ugandas wurde Kardinal Martino am 6. August vom Erzbischof von Gulu, John Baptist Odama, empfangen. Ziel seiner Reise war es, Frieden und Gerechtigkeit in die Flüchtlingslager zu bringen – dorthin, wo noch heute die Opfer des blutigen Bürgerkriegs leben, der seit den 80er-Jahren Tod und Zerstörung gesät hat.

„Von diesem Teil der Welt aus will ich ihnen die Gefühle von Papst Benedikt XVI. übermitteln“, erklärte Kardinal Martino. „Ich richte mich an alle Männer und Frauen guten Willens, damit alle Kriege so bald wie möglich ein Ende nehmen, und ich tue dies im Bewusstsein, dass es keine Konflikte der Kategorie A oder der Kategorie B gibt.“

Bereits vor drei Jahren hatte Kardinal Martino dem Norden des Landes einen Besuch abgestattet, und so würdigte er die Ausdauer der Regierung von Kampala, die sich unermüdlich um eine friedliche Lösung zugunsten der Zivilbevölkerung eingesetzt habe. Besonders hob der Kardinal die Bemühungen um die Volksgruppe der „Acholi“ hervor, die durch den Bürgerkrieg besonders gelitten hat.

„Von diesem Land aus, in dem über 30.000 Kindersoldaten von den Rebellen der ‚Armee des Widerstandes im Herrn‘ entführt worden sind, wende ich mich an alle, die eine solche Entwürdigung von Menschen zulassen, und fordere sie auf, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden“. In der Folge erinnerte Kardinal Martino seine Zuhörer an die weltweit größten bewaffneten Konflikte, deren Zahl auf 17 gestiegen sei, und betonte, dass es nun darum gehe, mit den Mitteln der internationalen Diplomatie gegen jede Gewalt vorzugehen. Es müsse unbedingt verhindert werden, dass diese Kriege durch unerlaubten Waffenhandel, soziales Unrecht, die Ignoranz der Ersten Welt und „dunkle Wirtschaftsinteressen“ weiter genährt würden.

Das Internationale Kinderhilfswerk UNICEF spricht in seinem jüngsten Bericht von einer Gesamtzahl von weltweit 600.000 Kindersoldaten.