Kardinal Martino: Technik ohne ethische Maßstäbe, eine Bedrohung für die Würde des Menschen

Eröffnung der spanischen Sozialen Woche in Toledo

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TOLEDO, 7. November 2006 (ZENIT.org).- Die Achtung der Menschenrechte sei durch die Trennung von Technologie und Ethik bedroht, erklärte Kardinal Renato Martino, Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, am Donnerstag anlässlich der Eröffnung der viertägigen spanischen Sozialen Woche zum Thema „Menschenrechte – Fundament zur Errichtung einer universalen Kultur“ in Toledo.



Um die Herausforderungen zu verstehen, die den Schutz der Menschenrechte erschwerten, sei es notwendig, „die schwierige Beziehung zwischen Technologie und Ethik“ zu beleuchten, die die Menschheit „in zwei neue Blöcke der Zukunft“ teile.

Die eine Seite befürworte, dass sich die „Handlungsfreiheit“ von selbst ergebe, während die andere Seite darauf verweise, dass die Handlungsfreiheit ihren Grund nicht in sich selbst finde, sondern dass sie vielmehr in etwas anderem fundiert sein müsse, und zwar in der „Würde der menschlichen Person“.

Ein Verständnis von Technik, das keine ethischen Maßstäbe anerkenne, degradiere den Menschen zu „einem historischen, kulturellen und künstlich hergestellten Produkt“. Wenn die Verbvundenheit zu „Natur, Tradition und Schöpfung“ verloren gingen, sei der Mensch nicht länger ein sich selbst entwerfendes „Vorhaben“, sondern ein von außen „gesteuertes“ Objekt.

In diesem Sinn gerate auch die soziale Dimension des Menschen, die auf den anderen ausgerichtet ist, zugunsten einer ich-zentrierten Perspektive ins Hintertreffen; von „Pflichten“ werde dann nicht mehr gesprochen, sondern lediglich von „Rechten“, und es entstehe ein „absolutes Verbot zu verbieten“.

Kurienkardinal Martino wies darauf hin, dass sich auch auf vielen anderen Gebieten negative absolute Ansprüche breit machten: Den Terrorismus bezeichnete er als „ein technisches Konzept von Politik“, und den Säkularismus als eine „wertneutrale und von absoluten Wahrheiten freie“ Vision der Gesellschaft.

Eine große Gefahr für die Menschenrechte gehe von jenen Kulturen aus, die von „Effizienz, praktischem Materialismus sowie von einem utilitaristischen und hedonistischen Individualismus“ geprägt seien, die im Letzten „von einem Skeptizismus im Bereich der Epistemologie und der Ethik herrühren“.

Das zugrunde liegende Problem ist nach Kardinal Martino die „anthropologische Frage“. Sollte die „ganzheitliche Sicht des Menschen“ ihre Stellung als Dreh- und Angelpunkt verlieren, sei auch der „juristische Schutz der Menschenrechte“ nicht mehr zu gewährleisten.