Kardinal Martino verbreitet in Lateinamerika Kernaussagen der kirchlichen Soziallehre

Ansprache in Quito (Ecuador) über wahre Demokratie und menschengerechte Armutsbekämpfung

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QUITO, 1. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Eine Demokratie ohne Werte und ohne die Bemühungen, Armut zu bekämpfen, schadet der Gesellschaft. Das betonte Kardinal Renato Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, am Samstag in Quito (Ecuador). Der Kurienkardinal eröffnete dort eine Konferenz, die sich vor dem Hintergrund der politischen Landschaft Lateinamerikas mit der sozialen Verantwortung der Regierenden im Licht der katholischen Soziallehre befasste.



Während der zwölftägigen Reise von Kardinal Martino durch Lateinamerika sind Aufenthalte in Ecuador, Brasilien und Argentinien vorgesehen. Bei den Begegnungen sollen die Kernfragen der kirchlichen Soziallehre erörtert werden.

In seiner Ansprache führte der Präsident des genannten Dikasteriums aus, dass authentische Demokratie nicht aus der Befolgung von Regeln resultiere. Sie sei vielmehr das Ergebnis jener Werte, die den demokratischen Prozessen zugrunde liegen.

Wie der Päpstliche Rates für Gerechtigkeit und Frieden berichtete, warnte Kardinal Martino vor den Gefahren und Risiken einer Demokratie, die durch Oligarchen gebildet wird, die „sich weigern, ihre Vormachtstellung und ihre Privilegien in Frage zu stellen“, oder durch „Gruppen, die sich um eine tatsächliche Macht herum bilden und die Freiheit der Bürger vernachlässigen“.

Der Kardinal unterschied zwischen der „Demokratie des Pilatus, die auf eine mehr oder minder sichtbare Weise die Frage der Wahrheit mit skeptischer Ironie behandelt“, und der „Demokratie des Nero oder auch des Barabbas, die die Wahrheit zur Abstimmung freigibt und sie dem Gegröle einer führungslosen Menge anvertraut“.

Kardinal Martino wies darüber hinaus darauf hin, dass die Kirche zu einer gewaltlosen Armutsbekämpfung aufrufe, „ohne mittels unhaltbarer Versprechen kurzlebige Messianismen und gängige Demagogien zu schüren“. Die Armutsbekämpfung müsse dabei auf den Grundsätzen der sozialen Gerechtigkeit, der Solidarität und der Subsidiarität aufbauen, damit die Armen nicht als ein Problem behandelt würden, sondern als Personen und als Protagonisten einer neuen Zukunft.