Kardinal Martino veröffentlicht Buch über Subsidiaritätsprinzip

„Der Gerechtigkeit und dem Frieden dienen"

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ROM, 4. Dezember 2009 (ZENIT.org).- Der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Renato Martino, behandelt in seinem neuen Buch die Soziallehre der Kirche und ihre weltweite Anwendung aus einem weiten Blickwinkel. Unter dem Titel „Der Gerechtigkeit und dem Frieden dienen" richtet der einstige Vertreter des Heiligen Stuhls vor den Vereinten Nationen seinen Fokus besonders auf die Bedeutsamkeit des Prinzips der Subsidiarität.

Das Buch, das vorigen Monat von der vatikanischen Verlagsanstalt veröffentlicht wurde, beinhaltet einige der herausragendsten Ansprachen des 77-jährigen emeritierten Kurienkardinals. Dabei berücksichtigt Kardinal Martino Themen wie internationale Zusammenarbeit, Arbeit, Frieden, Menschenrechte, Technologie, Allgemeinwohl und die Notwendigkeit einer weltweiten politischen Autorität. Seine Überlegungen stehen dabei im Lichte der katholischen Soziallehre als einem Mittel der Evangelisation.

Der Kardinal war vom Jahr 2002 bis vorigen Monat Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Von 2006 bis zum 28. Februar dieses Jahres war er zudem Präsident des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs. Von 1986 bis zum Jahr 2002 war er Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen betrachtet er in seinem Buch die verschiedenen Aspekte der Globalisierung und globaler Lenkung, dabei immer die Bedeutsamkeit der Subsidiarität betonend, der zufolge eine höher geordnete Einheit sich nicht in die inneren Angelegenheiten einer untergeordneten Gemeinschaft einmischen darf. Wie der Katechismus der katholischen Kirche erklärt, stellt sich das Subsidiaritätsprinzip allen Formen des Kollektivismus entgegen und setzt der staatlichen Intervention Grenzen. Es zielt darauf ab, die Beziehungen zwischen Individuen und Gesellschaften zu harmonisieren. Es ist auf die Einrichtung einer wahrhaften internationalen Ordnung ausgerichtet.

Kardinal Martino betont auch den Primat der Liebe über der Gerechtigkeit. Er sagt, dass der wahre Weg, dem armen Menschen zu helfen, der sei, nicht mit dessen Armut im sozialen Sinne anzufangen, sondern mit der Armut Christi. Ohne sich auf die Soziallehre der katholischen Kirche zu beziehen, laufe derjenige, der sich der Gerechtigkeit und den Menschenrechten, der Entwicklung und der Verteidigung der Armen widme, Gefahr, den Blick auf den theologischen Ort zu verlieren, von dem aus er seinen Einsatz richtig auslege. (mk)