Kardinal Martino: Vier inspirierende Prinzipien für die Weltwirtschaft

Würdigung des Krisentreffens der G 8-Arbeitsminister in Rom

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ROM, 1. April 2009 (ZENIT.org).- Lob aus dem Vatikan erntete ein Gipfeltreffen von G-8-Arbeitsministern, das von der italienischen Regierung initiiert wurde. Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden („Justitia et Pax"), bezeichnete die Initiative in der Sonntagsausgabe des Osservatore Romano als „beachtlich".

Bei der dreitägigen Begegnung, die gestern, Dienstag, zu Ende ging, wurde über „menschliche Auswirkungen" der Finanzkrise nachgedacht. Unter dem Slogan „People first" diskutierten die Teilnehmer über Sozialmassnahmen zur Eindämmung der Wirtschaftskrise. Geleitet wurden die Gespräche vom italienischen Arbeitsminister Maurizio Sacconi. Sie dienten auch als Vorbereitung auf den G20-Gipfel, der morgen, Donnerstag, in London beginnen wird, und waren auch eine Reaktion auf Demonstrationen, die europaweit im Vorfeld des Treffens in London stattfanden.

Martino lobte die Veranstaltung, da sie im Dienst der Würde der Person gestanden habe: „Diese Themen sind wichtig für die Kirche und im Herzen der kirchlichen Soziallehre." Auf das Prinzip der Würde der Person sei die katholische Soziallehre gegründet; sie sei „Grundpfeiler der Gesellschaft und Ziel aller Sozialeneinrichtungen". Deshalb fordere die Kirche, dass „in Zeiten des wirtschaftlichen Umsturzes Institutionen des sozialen Schutzes gestärkt werden müssen, damit eine Person in den Genuss ihrer fundamentalen Rechte kommen kann, die durch diese Krise gefährdet werden".

Kardinal Martino wies darauf hin, dass der Mensch durch seine Arbeit und nicht durch Geld oder Technologie der Protagonist von Entwicklung sei. „Und deshalb kann die Ökonomie nur durch Arbeit wieder vorankommen." Die Weltwirtschaftskrise sei ein Anlass, „die globale Ökonomie und das Finanzsystem zu überdenken", die durch Phänomene wie die Globalisierung, die Migration und Fragen der Umwelt in Frage gestellt worden seien. „Neue inspirierende Prinzipien", die von der Brüderlichkeit zwischen den Völkern ausgingen, müssten artikuliert werden.

Das erste dieser Prinzipien sei „das universelle Gemeinwohl", das Johannes XXIII. in Pacem in Terris thematisiert habe und das darin bestehe, „die Menschheit als Familie aufzufassen". Als zweites Prinzip nannte Martino den „Geist der internationalen Kooperation auf ökonomischem und finanziellem Gebiet", was bedeute, dass man „abgesehen von der strengen Marktlogik" auch der „Pflicht zur Solidarität" Aufmerksamkeit schenke. Solidarität wiederum schließe stärkere Teilnahme an Entscheidungsprozessen ein, und zwar von Seiten entwickelter wie unterentwickelter Länder, genauso wie von Seiten internationaler Organisationen und der zivilen Gesellschaft im Allgemeinen.

Als drittes Prinzip führte der Kardinal die Subsidiarität an, aus der hervorgehe, dass arme Staaten nicht nur als Problem betrachtet werden dürften, „sondern als Subjekte und Protagonisten der neuen und humaneren Zukunft der ganzen Welt". Viertes Prinzip sei das der Verantwortung, was sich in der Praxis in „Transparenz, Rechenschaftspflicht, Beständigkeit und Koordination zwischen ökonomischen Entitäten und der Regierung und der Zivilgesellschaft" niederschlage.

Kardinal Martino unterstrich die Notwendigkeit, Strategien zur Bekämpfung der Arbeit zu finden. „Schließlich findet der Friede, auch der soziale Friede, seine Grundlegung in einer vernünftigen und moralischen Ordnung der Gesellschaft... Er stützt sich auf eine richte Auffassung der Person und beinhaltet den Aufbau einer auf Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gegründeten Ordnung."