Kardinal Martino: Vom Moratorium zur Abschaffung der Todesstrafe.

Internationaler Kongress von Sant’Egidio in Rom

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ROM, 28. Mai 2009 (ZENIT.org).- „Wir müssen die Vereinigten Staaten und China bekehren, damit sie die Todesstrafe abschaffen. Diese beiden Riesen spielen eine ausschlaggebende Rolle auf internationaler Ebene", betonte der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Renato Raffaele Martino, in seiner Ansprache beim IV. Internationalen Kongress der Justizminister, den die Gemeinschaft Sant’Egidio am 25. Mai in Rom veranstaltete.

35 Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, darunter 15 Justizminister sowie Parlamentarier, Verfassungsrichter und Staatsanwälte aus 25 Ländern, trafen sich auf dem Kapitol, um ihren gemeinsamen Weg in Richtung eines möglichen Ziels fortzusetzen: vom Moratorium zur Abschaffung der Todesstrafe.

Seit dem letzten Kongress dieser Art im Jahr 2008 ist in Usbekistan, Burundi, Togo, Ruanda und Gabun die Todesstrafe abgeschafft worden. „Wo es um die Abschaffung der Todesstrafe geht“, so Kardinal Martino, „da bin ich dabei. Ich war 16 Jahre lang als Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen tätig, und an allen Initiativen bei denen es um das Moratorium der Todesstrafe ging, das erst vor kurzem gebilligt wurde, habe ich Tag und Nacht mitgearbeitet. Natürlich ist diese Initiative der Gemeinschaft von Sant’Egidio wunderschön, denn sie setzt sich weiterhin für eine Kultur des Lebens ein, der sich die Todesstrafe nicht entgegen setzen kann. Auf dem bisherigen Weg wurden wichtige Fortschritte gemacht, wie zum Beispiel die jüngste Abschaffung der Todesstrafe im Staat New Mexico in den Vereinigten Staaten, doch wir wissen wohl, dass es noch viele Schritte zu tun gilt, wo dieses Verbrechen noch angewandt wird. Wir müssen erreichen, dass die Todesstrafe in der ganzen Welt abgeschafft wird, denn sie ist ein Zeichen der mangelnden Zivilisierung: Man kann kein Verbrechen mit einem anderen Verbrechen bestrafen.“

Mario Marazziti von der Gemeinschaft Sant’Egidio erläuterte: „Dieses alljährliche Treffen ermöglicht es uns, eine Analyse darüber anzustellen, in welchen Ländern die Todesstrafe noch gilt und in welchen nicht."

Seit dem historischen Datum im Dezember 2007, als die 62. UNO-Vollversammlung jenen Text annahm, der die Staaten, in denen die Todesstrafe beibehalten wird, dazu aufforderte, ein Moratorium für den Vollzug dieser Strafe anzuwenden, seien weitere große Fortschritte gemacht worden, hob er hervor. „Heute ist die Todesstrafe in 120 Staaten de iure oder de facto abgeschafft - doch es gibt immer noch zu viele, die sie anwenden."

Auf diesem Weg hin zu einer umfassenden Zivilisierung betonte der stellvertretende Vorsitzende des Obersten Rates der Richterschaft in Italien, Nicola Mancino, die Rolle Europas und insbesondere Italiens. „Der Kampf gegen die Todesstrafe“, so Mancino, „ist ein Kampf um Zivilisierung, Kultur des Lebens und Gerechtigkeit. Europa ist die Wiege der Zivilisation und des Lebens."

Außerdem bekräftigte Mancino: „Der Vertrag von Nizza, der die Rechte der europäischen Bürger festlegt, setzt für die Zugehörigkeit zur Europäischen Union voraus, dass das Leben geschützt wird und de iure, nicht nur de facto, die Todesstrafe ausgeschlossen wird. Wir sind davon überzeugt, dass die Todesstrafe, die einem Verbrechen auf keinen Fall vorbeugen kann, die Menschheit der Zivilisierung beraubt.“

Bei dem Kongress in Rom ergriff auch der südafrikanische Justizminister Jeffery Thamsanqua Radede das Wort. Er betonte, dass die Verfassung des neuen Südafrika, nach der Apartheid, unter den Grundrechten auch den Ausschluss der Todesstrafe festlege - um zu zeigen, dass sich auch in einem von der Geschichte so schwer gezeichneten Land der Geist der Versöhnung, eine neue Gesellschaft und ein neues Zusammenleben durchsetzen könne.