Kardinal Marx beschwört in Trier den einzigartigen Kämpfer gegen den Arianismus

Mut, sich von Mehrheitsmeinungen zu unterscheiden

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 988 klicks

Den einzigen Bischof, der dem heiligen Athanasius auf der Synode von Arles im Jahre 353 im Kampf gegen den Arianismus treu zur Seite stand -einer Irrlehre, die damals von der Mehrheit der Bischöfe weltweit vertreten wurde-, und dessen Gebeine in St. Paulin in Trier ruhen, beschwor Kardinal Marx bei der Eucharistiefeier am 19. Februar während der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe. Gleichzeitig verglich er den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. als einen Akt von „Demut und Freiheit“ mit der Haltung dieses unerschrockenen Kämpfers für die Wahrheit.

Zur Demut gehöre die Kraft der Geduld, der Offenheit für andere Meinungen, die Bereitschaft, nach der Wahrheit zu suchen. Zur Freiheit gehöre Mut, sich von Mehrheitsmeinungen zu unterscheiden, auch ungewöhnliche Wege zu gehen, sich nicht anzupassen, sondern den eigenen Überzeugungen zu folgen: „Da können wir von einem Mann wie dem heiligen Paulinus lernen“, so Marx. Auch der Papst „zeige durch die Art seiner Amtsführung und auch in der Art und Weise seines Rücktritts ein großes Gottvertrauen, eine geistliche Gelassenheit, ein Vertrauen darauf, dass Gottes Wort wirkt wie Er, Gott, es will.“

Sicherlich gemünzt auf die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche in Deutschland, erinnerte der Kardinal daran, dass auch die Zeit des hl. Paulinus, das 4. Jahrhundert, in Trier eine Zeit heftigster politischer und innerkirchlicher Auseinandersetzungen gewesen sei. „ Hier in dieser Kirche wird auch der Märtyrer der Stadt gedacht, die für Christus Zeugnis abgelegt haben. Nach der Tradition gehörte auch der Stadtrat von Trier dazu“, erläuterte er den geschichtlichen Hintergrund des Ortes mit seinen Blutzeugen für den Glauben.

Die gegenwärtige Arbeit der Vollversammlung stellte Marx in seiner Predigt unter den Gesichtspunkt der Verbindung von „Glaube und Vernunft“, wie sie Papst Benedikt so oft hervorgehoben habe, wobei er die rein empirische „Messbarkeit“ des Erfolgs von pastoralen Bemühungen anzweifelte. Die „Wirkung des Wortes Gottes lasse sich „nicht einfach mit menschlichen Maßstäben und empirischen Instrumenten kurzfristig nach unseren Vorstellungen messen.“ Im Hinblick auf die Arbeit der gegenwärtigen Bischofsversammlung warnte er somit vor der falschen Erwartung, man könne in „Projekten und Maßnahmekatalogen“ ergebnisorientiert und damit in Zahlen messbar arbeiten.

Obwohl die Erkenntnisse der empirischen Wissenschaften in die pastoralen Überlegungen hineinflössen und man sich den modernen Sozialwissenschaften nicht verschließen dürfe, bleibe die Wirkung „manchmal unseren Augen verborgen“; sie entfalte sich möglicherweise erst langfristig, dann aber umso nachhaltiger.

„Gottes Wort wirkt, wie er es will und bewirkt, was er will!“, bekräftigte der Münchener Erzbischof. Die Möglichkeiten der empirischen Erfassung reichten nicht aus, um diese Wirkung ganz zu erkennen.

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Der hl. Paulinus wurde um 346 Bischof von Trier. Auf der von den Arianern (Ablehnung der Dreifaltigkeitslehre) beherrschten Synode von Arles im Jahr 353 weigerte er sich als einziger, der Verurteilung des Athanasius, der die Dreifaltigkeitslehre verteidigte, zuzustimmen. Deshalb wurde er abgesetzt und von Kaiser Constantius II. nach Phrygien verbannt, wo er 358 starb. Sein Leib wurde nach Trier übertragen. Ermutigt durch sein Vorgehen verweigerten mehrere Bischöfe auf dem folgenden Konzil von Mailand 355, das nochmals von Constantius II. einberufen wurde, um die Lehre des Athanasius zu verurteilen, ebenfalls die Unterschrift.

Bischof Felix von Trier soll die Gebeine des Paulinus schon gegen Ende des 4. Jahrhunderts nach Trier überführt und am 31. August (dem heutigen liturgischen Gedenktag) beigesetzt haben. 1072 fand man in der Krypta der um 400 erbauten Kirche des späteren Kanonikerstifts Sankt Paulinus in Trier seinen Sarg, der, wie sich aus den Symbolen und Inschriften ergibt, aus dem Ende des 4. Jahrhunderts stammt. Hier liegen die sterblichen Überreste des Heiligen noch heute.

Das Tagesgebet des liturgischen Gedenktags lautet:

Allmächtiger Gott, du hast dem heiligen Paulinus von Trier im Kampf gegen die arianische Irrlehre unerschrockenen Mut gegeben, so dass er auch die Verbannung nicht scheute. Lehre uns, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden, und hilf uns, ohne Furcht für die Wahrheit einzutreten. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.