Kardinal Marx: Christus und die Menschen im Blick haben

Predigt zum Abschluss des 99. Deutschen Katholikentags in Regensburg

Regensburg, (ZENIT.org) | 308 klicks

Mit einer Ermutigung zum öffentlichen Zeugnis für Christus und die Kirche ist heute der 99. Deutsche Katholikentag in Regensburg zu Ende gegangen. Während der Predigt im Abschlussgottesdienst rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dazu auf, die Kirche als vielfältige Gemeinschaft von Begegnung und Gebet ernst zu nehmen. „Es ist gut, dass es die Katholikentage gibt und dass wir so als Gemeinschaft zusammenkommen. Wenn wir die Eucharistie feiern, laufen die Fäden auf einen Punkt zusammen: Wir konzentrieren uns auf Christus, das Fundament unseres Glaubens.“ 

Kardinal Marx erinnerte an die Bitte um das Reich Gottes im „Vater unser“: „Hier geht es um das Reich Gottes und nicht unsere persönlichen Interessen. Wir müssen das Reich Gottes in der Kraft des Geistes lebendig werden lassen. Machen wir uns bereit für den Ruf Gottes, der immer eine Herausforderung ist. Wir dürfen auf Gott vertrauen, der uns zu Zeugen des anbrechenden Reiches Gottes macht.“ Die Eucharistie sei der Moment, in der Christus den Gläubigen die Tür zur unendlichen Liebe Gottes öffne. 

„Ich ermutige dazu, dass von Regensburg aus wir Christen uns gestärkt fühlen zu einem pfingstlichen Brückenbau. Bitten wir um die Kraft des Geistes, damit Christus uns hilft, am Reich Gottes mitzuwirken“, so Kardinal Marx. Die pfingstliche Brücke mit Christus zu beschreiten, bedeute vor allem, nie den Blick auf die eigene Berufung zu verlieren: „Wir gehören zur Gemeinschaft der Kirche. Dazu zählt auch, dass wir versuchen müssen, ein Zeugnis der Einheit zu geben, auch in der Ökumene. Wenn wir uns streiten, können wir nicht überzeugend auftreten und Zeugnis für die Kirche geben. Christus ist es, der uns auf der pfingstlichen Brücke zur Gemeinschaft aller Christen führt.“ 

Eindringlich appellierte Kardinal Marx an die Gläubigen, beim Aufbau des Reiches Gottes nicht jene Menschen zu vergessen, die an den Rändern der Gesellschaft lebten und an die Papst Franziskus immer wieder erinnere: „Nie kann das Reich Gottes verkündet werden, wenn wir die Brücke nicht beschreiten zu den Armen, den Schwachen und Kranken, den Vergewaltigten und Ausgebeuteten. Es kann keine Verkündigung des Evangeliums geben, wenn wir diese Menschen nicht im Blick haben. Das sollten wir auch für unsere Arbeit in den Bistümern und Pfarreien aufgreifen. Das ist eine Herausforderung, bei der vieles noch nicht erreicht ist. Aber gehen wir gemeinsam diese Brücke um der Frohen Botschaft und aller Menschen willen“, so Kardinal Marx. Er fügte hinzu: „Es ist vieles in der Kirche passiert, was Sünde und damit Mangel für das Reich Gottes ist. Das wissen wir und das bekennen wir. Aber in dieser Stunde brechen wir von Regensburg auf und wollen sagen: Ja, ich bin Christ und ich bin es gerne und dafür möchte ich Zeugnis ablegen.“ 

Im Abschlussgottesdienst dankte Kardinal Marx dem Bischof von Regensburg, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, für die Gastfreundschaft des Bistums und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken für die Durchführung des Katholikentags. Am Ende der Eucharistiefeier lud der Bischof von Dresden-Meißen, Bischof Dr. Heiner Koch, für das Jahr 2016 nach Leipzig ein: Der 100. Deutsche Katholikentag wird dort vom 25. bis 29. Mai 2016 stattfinden.