Kardinal Marx fordert breiten geistlichen Austausch über die Ehe- und Familienpastoral

Bericht des Münchner Erzbischofs bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats

München, (Erzbistum Muenchen und Freising) | 320 klicks

Kardinal Reinhard Marx hat die katholischen Laien zu einer breiten Diskussion über das Thema Ehe und Familie auch in den Verbänden und Räten aufgerufen. „Ich wünsche mir sehr, dass uns hier ein wirklicher geistlicher Austausch gelingt und sich die Diskutierenden nicht so gegeneinanderstellen, dass es zu inneren Zerwürfnissen führt“, sagte der Erzbischof von München und Freising bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken in Fürstenfeldbruck am Samstag, 22. März. Erstmals habe es beim Konsistorium in Rom eine offene Diskussion der Kardinäle im Beisein des Papstes gegeben, Kardinal Walter Kasper habe ein „großartiges Referat“ gehalten. Marx regte an, dass der mittlerweile veröffentlichte Text Kaspers auch Basis inhaltlicher Arbeit des Laienapostolats werden solle: „Ich kann das wirklich sehr empfehlen, auch für die Räte und für die Bildungsarbeit.“ Das Gleiche gelte für das Apostolische Schreiben „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus: „Es ist möglich, diesen Text im Pfarrgemeinderat zu lesen, er macht Freude und führt uns weiter.“

Marx rechnet damit, dass es beim Thema Ehe und Familie zu „Auseinandersetzungen“ kommen werde. Daher forderte er, das Thema so zu diskutieren, „dass die unterschiedlichen Positionen respektiert werden“. Dies sei im Sinne des Heiligen Vaters: „Papst Franziskus will, dass wir uns bei gegensätzlichen Positionen annehmen und eine Lösung finden.“ Dieser Prozess sei wichtig, „das Thema muss theologisch und pastoral begleitet werden, durch Diskussionen, Gebete und einen Austausch im Volk Gottes“. 

Der Kardinal bekannte sich ausdrücklich zur Fortsetzung des Dialogprozesses der Deutschen Bischofskonferenz, den sein Vorgänger im Amt des Vorsitzenden, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, initiiert hatte. „Bei allen kritischen Punkten, die man zu dem Dialogprojekt sagen kann, meine ich doch, dass dadurch eine neue Atmosphäre, ein neues Miteinander entstanden ist und es Impulse gegeben hat“, so Marx: „Es war notwendig, nach dem Jahr 2010 wieder Vertrauen zu finden und sich der Situation in diesem Land zu stellen. Das soll auf jeden Fall weitergeführt werden.“

Marx dankte für die zahlreichen Glückwünsche zu seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz am 12. März in Münster. Er bat die Delegierten des Diözesanrats, ihn in seiner neuen Aufgabe zu unterstützen, und um Verständnis, falls dadurch Zeit weggenommen werde, die dem Erzbistum zustünde. Für ihn sei es wichtig, „dass ich in Kontakt zum Erzbistum bin“. Dabei sei gerade der Diözesanrat ein „wichtiges Instrument“. Der Kardinal kündigte an, er wolle versuchen, „die ein oder andere Aufgabe“ abzugeben. 

Mit Blick auf seine Funktion als Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrats bekräftigte der Erzbischof seine Forderung, die Kirchenfinanzen transparent zu gestalten. „Wir müssen die finanziellen Dinge so ordnen, das gilt auch für die Kirche in Deutschland und im Erzbistum, dass sie uns nicht hindern an dem Auftrag, für den wir da sind.“ Es solle nicht so sein, dass man sich „dafür schämen muss, was im Vatikan an Finanzen läuft“.

Marx zeigte sich in seinem Bericht auch besorgt über das Erstarken rechtspopulistischer Parteien. „Es besteht die Gefahr, dass europafeindliche Gruppen in das Europaparlament einziehen“, sagte der Kardinal, der auch Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) ist, in Bezug auf die Wahlen im Mai. Daher sei es erforderlich, dass sich die katholische Kirche auf europäischer Ebene engagiere. Er rief zur Stimmabgabe auf: „Es ist eigentlich eine Verpflichtung für jeden Katholiken, dass er zur Wahl geht.“

Zum Thema der Vollversammlung des Diözesanrats, „Flucht und Asyl als Herausforderung für uns Christen“, sagte der Erzbischof, er sei froh darüber, „dass in unseren Gemeinden so viel Aktivität ist“. Dieses Engagement für Flüchtlinge sei ein großartiges Zeugnis: „Wir leisten einen positiven Beitrag zur Stimmung in diesem Land, zur Willkommenskultur.“ (kel)

(Quelle: Webseite des Erzbistums München und Freising)