Kardinal Marx kritisiert Situation von Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften

Erzbischof bei Besuch von Flüchtlingen in München: "Die Quartiere sind viel zu eng"

München, (Erzbistum Muenchen und Freising) | 255 klicks

Bei einem Besuch in einer Gemeinschaftsunterkunft im Münchner Stadtteil Allach am Freitag, 18. Juli, hat sich Kardinal Reinhard Marx über die persönliche, wirtschaftliche und rechtliche Situation der dort untergebrachten 168 Flüchtlinge informiert. Der Erzbischof von München und Freising besuchte sie in ihren Zimmern und führte mit ihnen persönliche Gespräche. 

Der Kardinal äußerte sich besorgt über die Wohnsituation der Flüchtlinge. „Die Quartiere sind viel zu eng, mich bedrückt, wenn eine Familie mit vier Kindern in zwei Zimmern leben muss. Auf Dauer finde ich eine solche Wohnsituation nicht akzeptabel“, sagte Kardinal Marx bei einem Pressetermin am Rande des Besuches. Der Erzbischof kritisierte die lange Verfahrensdauer und die lange Verweildauer in Gemeinschaftsunterkünften: „Es ist nicht hinzunehmen, wenn Menschen hier acht oder zehn Jahre lang leben, wenn sich Duldung an Duldung reiht.“ Marx forderte, „lebens- und menschenwürdige Umstände zu schaffen, wenn Menschen meist unter außerordentlich schwierigen Bedingungen zu uns kommen“. 
 
Das Thema der Flucht von Menschen aus den Krisenregionen der Erde liege ihm persönlich und der Kirche weltweit am Herzen, versicherte Marx. Er rechne damit, dass sich das Flüchtlingselend weltweit noch weiter verschärfen werde und in der Folge noch mehr Menschen nach Deutschland und Europa kommen würden. Erneut kritisierte er in diesem Zusammenhang den Umgang mit Flüchtlingen in der Europäischen Union. „Es muss eine europäische Anstrengung sein, gemeinsame europäische Standards für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen und ein gemeinsames europäisches Asylrecht zu schaffen“, verlangte der Kardinal. 
 
Marx appellierte an die bayerische Staatsregierung, mehr Finanzmittel für die Flüchtlinge bereitzustellen. „Das Geld, das jetzt zur Verfügung steht, reicht nicht aus“, so der Kardinal. Es sei „deprimierend“ für ein Land wie Bayern, wenn die Hälfte der Flüchtlinge keine Sozialberatung erhalten könne. (kel)

(Quelle: Webseite des Erzbistums München und Freising, 18.07.2014)