Kardinal Marx würdigt Papstbesuch auf Lampedusa

Fürsorge für Flüchtlinge müsse in den Mittelpunkt gestellt werden

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 439 klicks

Am Mittwoch, dem 10. Juli, würdigte Kardinal Reinhard Marx beim Jahresempfang des Erzbistums München und Freising im Kardinal-Wendel-Haus in München vor etwa 600 Vertretern aus Kirche, Gesellschaft und Politik den Besuch von Papst Franziskus auf der süditalienischen Insel Lampedusa. Marx nannte den Besuch ein wichtiges Signal an die Politik und alle Bürger Europas, darüber nachzudenken, wie mit den Armen, insbesondere den Asylsuchenden in der Gesellschaft, umgegangen werde. Die Fürsorge für die Flüchtlinge müsse dabei in den Mittelpunkt gestellt werden; erst an zweiter Stelle stünden rechtliche Prüfungen und Fragen eines Asylverfahrens. Die Bayrische Staatsregierung habe angekündigt, ihre Einstellung zur Asylfrage zu überdenken, bemerkte Marx erfreut.

Der Kardinal erläuterte, dass der Papst mit seinem Besuch auf Lampedusa deutlich gemacht habe, dass das Flüchtlingsproblem der Insel ein europäisches Problem sei. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass an den europäischen Außengrenzen Menschen verhungerten und verdursteten. In dieser gesamteuropäischen Frage, die die Länder nicht aufeinander abschieben dürften, müsse die Menschenwürde und Gerechtigkeit an erster Stelle stehen.

Marx sieht die angestrebte Freihandelszone zwischen der Europäischen Union und den USA als eine Chance, nur dürfe sie nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgen. So dürften arme Völker nicht ausgegrenzt werden, sondern es müssten ihnen Perspektiven eröffnet werden, sich zu entwickeln und teilzunehmen. In diesem Zusammenhang nannte Marx auch den Lebensschutz und rief zur Unterstützung der europäischen Bürgerinitiative „Einer von uns“ auf, die sich unter anderem für den Stopp von EU-Geldern für Forschung mit embryonalen Stammzellen einsetzt (Zenit berichtete).

Die Parteien in Deutschland seien in Anbetracht der anstehenden Bundestags- und Landtagswahlen zu einem fairen Wahlkampf aufgerufen, so Marx weiter. So sollten Diskussionen in der Sache geführt werden und nicht in der Suche nach Verfehlungen der gegnerischen Seite.

Neben Kardinal Marx sprachen anlässlich des Jahresempfangs der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken, Hans Tremmel, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude und der Bayrische Kultusminister Ludwig Spaenle.