Kardinal Medina Estévez: Päpstliches Dokument zur Feier der Heiligen Messe nach dem Tridentinischen Ritus kommt bald

| 781 klicks

ROM, 13. Dezember 2006 (ZENIT.org).- Die Veröffentlichung eines päpstlichen Motu proprio zur erweiterten Freigabe der Feier der Heiligen Messe nach dem so genannten Alten Ritus steht bevor. Das Missale des heiligen Pius V. wurde zuletzt im Jahr 1962 vom seligen Papst Johannes XXIII. einer Revision unterzogen. Dabei handelt es sich um jenes Messbuch, das bis zur Liturgiereform im Jahr 1969 in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils für die katholische Kirche des lateinischen Ritus Gültigkeit hatte.



Am Dienstag bestätigte der chilenische Kurienkardinal Jorge Arturo Medina Estevez, Mitglied der von Papst Johannes Paul II. eingesetzten Kommission „Ecclesia Dei“, den Willen des jetzigen Papstes, zu einer Neuregelung des Gebrauchs des Tridentinischen Messritus zu kommen; der Zeitpunkt der „Liberalisierung“ der nach dem alten Missale gefeierten Messe nähere sich. Die Kommission hatte in ihrer gestrigen Sitzung über die mit dem Motu proprio verbundenen Fragen beraten.

Die Kommission „Ecclesia Dei“ wurde im Jahr 1988 durch das gleichnamige päpstliche Motu proprio eingerichtet. Ihre Aufgabe besteht darin, „mit den Bischöfen, den Dikasterien der Römischen Kurie und den betreffenden Gruppen zusammenzuarbeiten, um die volle kirchliche Gemeinschaft der Priester, Seminaristen, Ordensgemeinschaften oder einzelnen Ordensleuten zu ermöglichen, die bisher auf verschiedene Weise mit der von Erzbischof Lefebvre gegründeten Bruderschaft verbunden waren und die mit dem Nachfolger Petri in der katholischen Kirche verbunden bleiben wollen; dies geschehe unter Wahrung ihrer geistlichen und liturgischen Traditionen.“

Die Priesterbruderschaft St. Pius X., eine Vereinigung von Priestern mit Gemeinschaftsleben ohne Gelübde, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre in der Diözese Fribourg (Schweiz) gegründet. Der Bruch mit Rom erfolgte im Jahr 1988, als Erzbischof Lefebvre gegen den Willen des Heiligen Stuhls vier Bischöfe weihte, unter ihnen Msgr. Fellay, Oberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. Papst Johannes Paul II. erließ daraufhin das kurze Apostolische Schreiben Ecclesia Dei, in dem er klarstellte, dass der gezeigte „Ungehorsam, der eine wirkliche Ablehnung des Römischen Primats in sich schließt, einen schismatischen Akt“ darstelle. „Da sie diesen Akt trotz des offiziellen Monitums vollzogen, das ihnen durch den Kardinalpräfekten der Kongregation für die Bischöfe am vergangenen 17. Juni übermittelt wurde, sind Msgr. Lefebvre und die Priester Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta der schweren Strafe der Exkommunikation verfallen, wie es die kirchliche Disziplin vorsieht.“

Die „Wurzel dieses schismatischen Aktes“ liege in einem „unvollständigen und widersprüchlichen Begriff der Tradition“, in dem der lebendige Charakter der Tradition nicht genug berücksichtigt werde, „die, wie das Zweite Vatikanische Konzil sehr klar lehrt, ‚von den Aposteln überliefert, ... unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt kennt‘“.

Gleichzeitig hielt Johannes Paul II. in diesem Motu proprio fest: „All jenen katholischen Gläubigen, die sich an einige frühere Formen der Liturgie und Disziplin der lateinischen Tradition gebunden fühlen, möchte ich auch meinen Willen kundtun – und wir bitten, dass sich der Wille der Bischöfe und all jener, die in der Kirche das Hirtenamt ausüben, dem meinen anschließen möge –, ihnen die kirchliche Gemeinschaft leicht zu machen, durch Maßnahmen, die notwendig sind, um die Berücksichtigung ihrer Wünsche sicherzustellen.“

Kardinal Medina Estevez erläuterte, dass die Kommissionsmitglieder vier Stunden lang über das neue Dokument berieten und einige Korrekturen vorgenommen hätten. Die Stimmung sei positiv gewesen.

Im Zuge der seit Monaten zirkulierenden Gerüchte über die Veröffentlichung des päpstlichen Motu proprio zur Tridentinischen Liturgie haben insbesondere die Bischöfe Frankreichs ihre Zweifel bezüglich einer Lockerung der derzeit gültigen Bestimmungen zum Ausdruckgebracht. Kritik gab es auch über die Gründung des Instituts „Pastor Bonus“ in Bordeaux, einer Einrichtung für sechs aus der Priesterbruderschaft St. Pius X. ausgetretene Priester und mehrere Seminaristen, die in die Gemeinschaft der Kirche zurückgefunden hatten.

Mit dem Dekret Nr. 18/2006 vom 8. September 2006 wurde das neue Institut als „Gemeinschaft des Apostolischen Lebens päpstlichen Rechts in der Kirche von Saint-Éloi“ errichtet. Dies entspricht dem ausdrücklichen Willen ihrer Mitglieder, in der Tradition der Lehre und der Liturgie „in Gemeinschaft mit Rom“ zu leben.

In diesem Dekret der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ wird festgelegt, dass die Konstitutionen des Instituts für fünf Jahre „ad experimentum“ approbiert seien. Die Konstitutionen geben den Mitgliedern das Recht, die heilige Liturgie nach den im Jahr 1962 gültigen liturgischen Büchern zu feiern. Die Kommission ernannte P. Philippe Laguérie zum Oberen des Instituts. Papst Benedikt XVI. hatte den Erzbischof von Bordeaux und Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz, Paul Ricard, zum Mitglied der Kommission „Ecclesia Dei“ ernannt.

Eines der bei der Tagung von „Ecclesia Dei“ behandelten Probleme bestand in der juridischen Form, nach der die noch von Rom getrennten Anhänger von Erzbischof Lefebvre wieder zur vollen Gemeinschaft mit der Kirche zurückkehren können. Weiterhin ist das Verhältnis des Alten Ritus zum Neuen Ritus der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu klären.

Benedikt XVI. will mit seinem Motu proprio den den Anhängern des Tridentinischen Ritus von Johannes Paul II. zugestandenen päpstlichen Indult erweitern, in dem festgehalten wird, dass das alte Missale nie „abgeschafft“ worden ist und gleichzeitig der Neue Ritus der ordentliche Ritus der römischen Kirche in Kraft bleibt.